Stand: 25.11.2018 13:00 Uhr

Kommentar: "Ein Rückschritt für den Dialog"

von Angelika Henkel
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NDR Redakteurin Angelika Henkel sieht durch den Rücktritt des Ditib-Vorsitzenden Kilic wichtige Projekte in Gefahr. (Archiv)

Das Ausscheiden von Yilmaz Kilic aus dem türkischen Verband Ditib ist ein Rückschritt für den Dialog mit den muslimischen Verbänden. Die Landesregierung braucht starke Ansprechpartner, die unabhängig von ausländischen Regierungen für ihre Sache eintreten. Es geht schließlich um wichtige Projekte, die eine gemeinsame Zukunft ausmachen. Damit meine ich nicht nur den angedachten Staatsvertrag. Das viel wichtigere: der islamische Religionsunterricht. Ein absolut sinnvolles Schulfach für all jene, denen ihre Religion am Herzen liegt.

Islamischer Religionsunterricht als kraftraubende Aufgabe

Schon in den vergangenen Jahren war es für das Kultusministerium eine kraftraubende Aufgabe, den Unterricht gemeinsam mit den Islamverbänden zu gestalten - zu tradiert waren deren Vorstellungen an vielen Stellen. Gut, dass die CDU- und SPD-geführten Landesregierungen bisher nicht aufgegeben haben.

Ditib an wichtigen Projekten beteiligt

Es gibt weitere wichtige Schaltstellen, bei denen Ditib beteiligt ist: in einem Beirat des Instituts für islamische Theologie an der Universität Osnabrück zum Beispiel. Und Ditib ist Träger des Vereins beRATen e.V., der für das Sozialministerium Ratsuchenden beim Thema Islamismus weiter hilft.

Prognose: Muslime rücken weiter ins politische Abseits

Schon immer gab es das Problem, dass viele Muslime gar nicht vertreten sind bei Ditib und Schura, dem anderen großen Islamverband. Das sind zum Beispiel all jene, die nicht streng gläubig sind, sondern nur an Feiertagen in die Moscheen gehen - sie werden in der Öffentlichkeit kaum als deutsche Muslime wahrgenommen. Das muss sich ändern. Doch auch jene, denen eine religionspolitische Mitsprache wichtig ist, werden spätestens jetzt erkennen müssen: Sie sind mit dem Rücktritt des bisherigen Vorsitzenden weiter ins politische Abseits gerückt. Das ist unklug.

Niedersachsens Muslime haben das Nachsehen

Denn eines ist doch klar: Gerade in Zeiten von wachsender Islam-Feindlichkeit braucht die Politik verlässliche Ansprechpartner, die nicht in die Türkei schielen, wenn es um die Lösung hiesiger Probleme geht. Doch diese Partner gibt es derzeit offenkundig nicht. Schade. Das Nachsehen werden auf Dauer Niedersachsens Muslime haben.

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Hallo Niedersachsen | 25.11.2018 | 13:02 Uhr

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