Zwei Feuerwehrleute bei einer Übung zur Rettung eines im Eis eingebrochenen Menschen.

Dünnes Eis: Lebensgefahr auf gefrorenen Gewässern

Stand: 15.02.2021 11:44 Uhr

Der Wetterwechsel macht die teilweise ohnehin unsicheren Eisflächen in Niedersachsen noch brüchiger. Wer jetzt Seen und Flüsse betritt, bringt sich laut Einsatzkräften in Lebensgefahr.

"Wenn es nicht durchgehend friert, sondern zwischendurch taut und vielleicht Schneefall dazukommt, hat das Eis keine durchgehende Dicke und wird schnell brüchig", warnt unter anderem die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Auch Feuerwehr und Polizei appellieren an die Menschen, kein Risiko einzugehen. Im Laufe der Woche steigen die Temperaturen ortsweise auf zweistellige Plusgrade an.

Polizei im Dauereinsatz auf und an Gewässern

Am Wochenende nutzten viele Niedersachsen das sonnige Wetter, um auf Schlittschuhen oder mit dem Schlitten ihre Runden auf beliebten Gewässern wie dem Maschsee in der Landeshauptstadt und dem Steinhuder Meer in der Region Hannover zu drehen. Die Behörden hatten zuvor ausdrücklich gewarnt, dass die Flächen nicht freigegeben seien. Allein auf dem Steinhuder Meer war die Polizei am Sonnabend im Dauereinsatz - auch, um auf die Corona-Hygieneregeln hinzuweisen. Am Großen Meer im Landkreis Aurich war es am Sonnabend so voll, dass Besucher Rettungs- und Feuerwehrzufahrten zuparkten. Die Feuerwehr riegelte die überfüllten Zufahrten ab. Dabei wurden die Einsatzkräfte nach Angaben der Feuerwehr vielfach von Autofahrern beschimpft oder sogar bedroht.

Schlittschuhfahrer und Kinder brechen durchs Eis

Am Sonnabend ging ein Einsatz der Braunschweiger Feuerwehr glimpflich aus, bei dem auf der Oker eine Hündin ins Eis eingebrochen war. Sie konnte gerettet werden. Bereits am Donnerstag hatte die Polizei mehrere Eisunfälle mit Menschen gemeldet. So brach etwa ein Schlittschuhfahrer auf dem Vechtesee in Nordhorn ein und musste von der Feuerwehr gerettet werden. Auch in Bremerhaven brach ein neun Jahre alter Junge ins Eis ein. Auch er wurde gerettet. In der Gemeinde Wangerland (Landkreis Friesland) geriet ein Achtjähriger bis zu den Schultern ins Wasser und wurde vom Ortsbrandmeister aus dem Teich gezogen.

 

Vorsicht im Wald

Wegen der extremen Wetterbedingungen warnen die Niedersächsischen Landesforsten und die Harzer Nationalparkverwaltung derzeit vor Waldspaziergängen. Unter der Last großer Schneemassen könnten Äste und auch ganze Baumkronen unvermittelt herabstürzen, hieß es. Dies gelte auch für Bereiche, in denen nicht so viel Schnee fällt. "Möglicherweise kommt es zu Eisanhang an den Baumkronen, der einen ähnlichen Effekt wie der Schnee haben kann", sagte Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten. Die Nationalparkverwaltung warnt vor einem "lebensgefährlichen Waldbesuch". Neben den Gefahren durch abbrechende Bäume verweist sie auf drohende Erfrierungen und Orientierungslosigkeit.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 15.02.2021 | 19:30 Uhr

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