Stand: 14.06.2019 14:37 Uhr

Dünge-Kompromiss sorgt in Niedersachsen für Unruhe

Bild vergrößern
In belasteten Gebieten dürfen niedersächsische Bauern zukünftig 20 Prozent weniger Dünger ausbringen. (Themenbild)

Nach langem Ringen haben sich Bundesumweltministerium und Bundeslandwirtschaftsministerium im Dünge-Streit mit der Europäischen Union (EU) auf einen Kompromiss geeinigt. Im Agrarland Niedersachsen kommt der Handel auf Bundesebene nicht gut an. Bauern in nitratbelasteten Regionen müssen pauschal ihre Düngemittelmenge um 20 Prozent reduzieren. "Damit kann ich als niedersächsische Landwirtschaftsministerin nicht zufrieden sein", sagte Barbara Otte-Kinast (CDU) gegenüber dem NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen. "Die Unruhe ist groß." Mehr als ein Drittel der Anbaufläche in Niedersachsen dürfte von zu hoher Nitratbelastung betroffen sein.

Otte-Kinast: Auch ohne strengere Vorgaben auf gutem Weg

Für Ärger sorgt in den Ministerien von Otte-Kinast und Umweltminister Olaf Lies (SPD) unter anderem die Art und Weise der Bekanntgabe: Die Behörden haben von dem Beschluss aus den Medien erfahren, wie Sprecher zu NDR 1 Niedersachsen sagten. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir von Anfang an in die Planung einbezogen worden wären. So ist es leider nicht gelaufen", sagte Otte-Kinast. Mit den Vorgaben aus einer früheren Gesetzesänderung von 2017 sei man in Niedersachsen auf einem guten Weg gewesen. "Nach eineinhalb Jahren eine Schärfe reinzubringen, verursacht nicht nur Frust in der Landwirtschaft." Man werde nun die "Hausaufgaben machen und die phosphat- und nitratsensiblen Gebiete ausweisen".

Kleine Betriebe existenziell gefährdet

Albert Schulte to Brinke, der Präsident des niedersächsischen Landvolks, hält die Entscheidung aus Berlin für eine "Katastrophe". Werde sie umgesetzt, bedeutete dies, dass Pflanzen verhungern müssten. Dadurch seien kleinere Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Positiv bewertete Schulte to Brinke, dass Grünland von den Vorgaben ausgenommen sei. Die neue Düngeverordnung ist notwendig, weil die EU Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte im Grundwasser vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagt hatte. Dies sei zum Teil auf stickstoffhaltigen Dünger in der Landwirtschaft zurückzuführen. Neben der 20-Prozent-Regelung müssen Landwirte eine detailliertere Dokumentation ihrer Düngevorhaben nachweisen. Zudem sollen die Sperrzeiten um vier Wochen verlängert werden. Otte-Kinast und die Landes-CDU hatten die Vorgabe der EU von Anfang an abgelehnt.

Weitere Informationen
NDR Info

Reform der Düngeverordnung: Skeptische Reaktionen

NDR Info

Umwelt- und Agrarministerium haben sich auf gemeinsame Vorschläge zur verschärften Düngeverordnung geeinigt. Schleswig-Holsteins Agrarminister Albrecht bleibt skeptisch. mehr

Gülle und Co. - alles Mist in Niedersachsen?

Auf Niedersachsens Äckern landen beim Düngen zu viele Nährstoffe, die sich auch negativ auf Mensch und Umwelt auswirken können. NDR.de klärt wichtige Fragen und Hintergründe. (15.05.2019) mehr

NDR Info

Dünge-Streit: Niedersachsen bleibt hart

NDR Info

Im Streit um strengere Düngeregeln haben sich die Minister der Länder mit Bundesagrarministerin Klöckner getroffen. Niedersachsen fordert, die geplanten Anpassungen zu überdenken. mehr

Dünge-Politik: Opposition kritisiert Otte-Kinast

Niedersachsens Bauern fürchten schärfere Regeln für das Düngen der Felder. FDP und Grüne werfen Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast im Landtag Untätigkeit vor. (28.03.2019) mehr

Gülle in Fülle - Das sind die Fakten

Die Kacke ist schon lange am Dampfen: Niedersachsen hat ein Gülle-Problem. Unser Fakten-Überblick klärt über die Hintergründe und die vielerorts kursierenden Lösungsansätze auf. (26.03.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.06.2019 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

08:08
Hallo Niedersachsen
03:54
Hallo Niedersachsen
05:52
Hallo Niedersachsen