Stand: 26.06.2020 08:02 Uhr

Die Corona-Lage in Niedersachsens Schlachthöfen

Der Schlachthof Geestland Putenspezialitäten im Vordergrund (Luftaufnahme mit einer Drohne). © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt/dpa
Beim Schlachthof Geestland in Wildeshausen wurden insgesamt 45 Mitarbeiter positiv getestet.

Nachdem in mehreren fleischverarbeitenden Betrieben Beschäftigte positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, ist eine erneute Debatte um Billigpreise für Fleisch entbrannt. Heute gibt es in Düsseldorf ein Treffen mit Vertretern aus der Fleischbranche, an dem auch Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kienast (CDU) teilnehmen wird. Gemeinsam mit und ihrer nordrhein-westfälischen Amtskollegin Ursula Heinen-Esser (CDU) und Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) trifft sie auf Vertreter von Tierhaltern, Schlachtereien, Ernährungswirtschaft, Handel und Verbraucherschützer. Auch das Bundeskartellamt, Tierschützer, Tierärzte sowie Vertreter des Bundeskartellamtes werden erwartet. In Niedersachsen ist derzeit ein fleischverarbeitender Betrieb in Wildeshausen betroffen - bei einem weiteren Betrieb in Essen gab der zuständige Landkreis Cloppenburg am Donnerstagabend Entwarnung.

VIDEO: Geestland: Familienangehörige mit Corona infiziert (3 Min)

45 Infizierte bei Geestland in Wildeshausen

Bei einem Corona-Massentest unter Mitarbeitern des Puten-Schlachtbetriebs Geestland in Wildeshausen (Landkreis Oldenburg) sind seit Mittwoch insgesamt 45 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilten der zuständige Landkreis Oldenburg und das Unternehmen mit, das zur Wiesenhof-Gruppe gehört. Insgesamt wurden bis Donnerstagabend 1.115 Tests durchgeführt. Damit sei die gesamte Belegschaft bis auf wenige Ausnahmen erfasst worden, hieß es. Der benachbarte Landkreis Diepholz hatte nach Bekanntwerden der Infektionen Konsequenzen ergriffen. 200 Werkvertragsarbeiter stehen seitdem in ihrer Unterkunft auf einem ehemaligen Kasernengelände in Wagenfeld unter Quarantäne.

Entwarnung in Essen

Für einen Schlachtbetrieb für Schweine in Essen konnte der zuständige Landkreis Cloppenburg dagegen Entwarnung geben. Dort hatten zunächst sogenannte Indizientests bei drei Mitarbeitern einen Verdacht auf eine Infektion mit dem Virus ergeben. Weitere Tests ergaben jedoch, dass die drei nicht infiziert sind. Dennoch bleiben sie vorsorglich in Quarantäne. Nach Angaben des Betreibers Danish Crown arbeiten in dem Betrieb insgesamt 1.500 Menschen. Diese würden seit Beginn der Pandemie im Frühjahr regelmäßig stichprobenartig getestet, dabei hätten sich die aktuellen Verdachtsfälle ergeben, so das Unternehmen.

Vorsorgliche Tests in weiteren Betrieben

Kritiker bemängeln, dass die Schlachthöfe bislang nicht verpflichtet sind, ihre Mitarbeiter regelmäßig zu testen. Sie fordern schon lange, dass solche Tests verpflichtend werden. Unter anderem werden bei Wiesenhof in Lohne als Reaktion auf die Infektion vorsorglich erneut rund 1.200 Mitarbeiter getestet. Mit Ergebnissen rechnet der zuständige Landkreis Vechta am Wochenende. Und auch beim Fleischverarbeiter Bauerngut in Bückeburg mit knapp 800 Mitarbeitern sind nach Angaben des zuständigen Landkreises Schaumburg erneute Corona-Tests geplant.

Westfleisch verzichtet auf Werkverträge

Das Unternehmen Westfleisch kündigte unterdessen an, künftig auf Werkverträge verzichten zu wollen und alle Mitarbeiter bis zum Jahresende selbst anzustellen. Die Firma betreibt unter anderem Werke in Bakum (Landkreis Vechta) und Dissen (Landkreis Osnabrück). Dort waren Mitte Mai mehr als 90 Arbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.06.2020 | 19:00 Uhr

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