Stand: 18.10.2018 22:02 Uhr

Der Oktober ist golden - aber viel zu trocken

Mondlandschaft am Dammer Bergsee: Der Oktober liefert zwar sonnig-warmes Wetter. Allerdings ist der ausbleibende Regen verheerend für die Natur.

Goldener Oktober und Sonne satt - was viele freut, hat auch eine Kehrseite: Es hat noch immer nicht ausgiebig geregnet in Niedersachsen. Die Dürre aus dem Sommer ist demzufolge noch nicht vorbei. Sollte es weiter kaum regnen, sind nicht nur die Folgen für Landwirtschaft und Wasserstände bislang nicht abzusehen. Vor allem Niedersachsens Wälder könnten sich mancherorts maßgeblich verändern. Bereits jetzt seien die Schäden an den Bäumen auffällig, sagte Landesforsten-Sprecher Mathias Aßmann NDR.de: weniger Blätter und Nadeln, Wachstumsschwierigkeiten bei jungen Bäumen, deutlich weniger Holz, das aus den Wäldern geholt werden kann. Auf 130 Millionen Euro beziffern die Landesforsten die Schäden. "2018 ist ein schreckliches Jahr", sagt Aßmann.

Trockenheit schwächt Bäume

Ein Teil der bitteren Bilanz sei auf die extremen Winterstürme Anfang des Jahres zurückzuführen, wie den Orkan "Friederike" im Süden Niedersachsens. Der Großteil gehe aber auf das Konto der ausgedörrten Waldböden. Der damit einhergehende Nährstoffmangel und das geschädigte Wurzelwerk der Bäume mache sie anfälliger für Schädlinge wie aktuell den Borkenkäfer. Darüber hinaus gingen die Wälder auch geschwächt in die kommende Sturm-Saison. Die Landesforsten erwarten deshalb schon jetzt große Schäden. Kommt ein neuer Orkan wie "Friederike", sind die Folgen laut Aßmann überhaupt nicht absehbar.

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Noch immer Waldbrandgefahr

Für Friedhard Knolle vom Nationalpark Harz ist schon jetzt klar: "Manche Waldbilder werden wir künftig nicht wiedererkennen." Feuchtigkeitsliebende Bäume wie Fichten werde man im kommenden Jahr wahrscheinlich seltener sehen. Die wahren Ausmaße der Trockenheit würden sich allerdings erst im kommenden Jahr zeigen. Doch es gibt noch ein Problem - und zwar ganz aktuell: die Waldbrandgefahr. Laut Knolle ist die auch im Harz immer noch hoch: "Die Böden sehen zwar feuchter aus als anderswo, sie sind aber tiefgründig ausgetrocknet", so der Parkwächter. Tatsächlich herrscht in fast ganz Niedersachsen noch immer die Waldbrand-Warnstufe 2. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg gilt sogar Stufe 3.

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Landwirte: "Rüben kaum aus dem Boden zu holen"

Auch Landwirte kämpfen noch immer mit dem Niederschlags-Mangel. Das merke man aktuell an der Kartoffel- und Rübenernte: "Die Rüben sind kaum aus den trockenen Böden zu holen", sagt die Sprecherin des Landvolks Niedersachsen, Gabi von der Brelie. Das führe zu häufigeren Schäden an den Erntemaschinen. Außerdem sei in diesem Jahr nicht nur der Ernteertrag generell geschrumpft. Kartoffeln und Rüben würden dazu auch deutlich kleiner ausfallen. Doch die Landwirte wissen sich offenbar auch zu helfen: So sei der Tierfutter-Mangel, unter dem viele Viehhalter im Sommer gelitten hatten, mittlerweile nicht mehr so akut - vor allem dank kurzfristig eingerichteter Tierfutter-Börsen, so von der Brelie. Zu erwarten sei auch, dass im kommenden Jahr viele Landwirte vorbeugend vermehrt Futtermais anbauen werden.

Elbe und Weser bleiben niedrig

Seit über vier Monaten viel zu wenig Niederschlag - das zeigt sich noch immer deutlich an den Pegelständen der Flüsse: Die sind beispielsweise an Elbe und Weser noch immer niedrig, wenn auch nicht mehr so extrem wie noch im Sommer. Die Werte von 67 Zentimetern Elbwasser, wie Ende August in Neu Darchau gemessen, haben sich leicht erholt: 93 Zentimeter wurden dort zuletzt gemessen. Auch der Fährbetrieb läuft inzwischen überall wieder. An der Weser ist der Pegelstand teils noch immer sehr niedrig: 66 Zentimeter vermeldet beispielsweise der Messpunkt in Höxter, sogar nur 56 Zentimeter sind es ein paar Kilometer flussaufwärts.

Wasserwerke spielen Worst-Case-Szenarien durch

Noch immer keine Entwarnung gibt es bei den Talsperren im Harz, die rund zwei Millionen Niedersachsen mit Trinkwasser versorgen. Die Wasserstände hier sind teilweise noch immer extrem niedrig: Söse- und Eckersperre sind nur knapp zu einem Drittel voll, für die Oker- und Odertalsperre vermelden die Harzwasserwerke sogar nur rund ein Viertel Füllhöhe. "Wir beobachten die Wetterlage jetzt ganz genau", sagt die Sprecherin der Harzwasserwerke, Marie Kleine. Aktuell werden für die Talsperren sogenannte Worst-Case-Szenarien durchgespielt. Darin wird auch mit der Möglichkeit eines doppelten Dürre-Jahres 2018/2019 gerechnet. Das Ergebnis für die Söse-Talsperre war so besorgniserregend ausgefallen, dass hier bereits Wasserabgabe und Trinkwasserproduktion reduziert wurden. Ob solche Maßnahmen auch den anderen Talsperren drohen, werde momentan ausgewertet. Die Lage ist laut den Harzwasserwerken allerdings noch nicht dramatisch: Die Trinkwasserversorgung sei gesichert. "Es gibt keinen Grund zur Panik", so Kleine.

Trockener Winter oder nicht?

Gibt es also Hoffnung auf ein Ende der Trockenheit? Ja. Und nein. Die Harzwasserke rechnen für die kommende Woche mit Niederschlägen - danach soll es jedoch schon wieder aufhören mit dem Regen. Normalerweise würde in den Wintermonaten mehr Niederschlag herunter kommen, gerade im Harz. "Doch schon dieses Jahr war unnormal und hat alle überrascht", sagt Sprecherin Kleine. Und Friedhard Knolle vom Nationalpark Harz ist sich sicher: Ein bisschen Regen reiche noch lange nicht, um die trockenen Böden endlich mit Wasser vollzukriegen. Doch ob ein trockener Winter droht oder nicht - zumindest die Bäume können sich in den kalten Monaten wohl etwas erholen. Denn die brauchen dann ohnehin wenig Wasser.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.10.2018 | 08:00 Uhr

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