Ein Goldschakal im Gehege des Zoos Rheine. © dpa Foto: Felix Böcker

Der Goldschakal breitet sich in Niedersachsen aus

Stand: 10.10.2020 12:37 Uhr

In Niedersachsen ist mit dem Goldschakal offenbar ein neues Raubtier heimisch geworden. Seit 2015 wurden im Land drei Exemplare nachgewiesen, zuletzt im Juni bei Hannover.

Goldschakale sind ursprünglich von Südosteuropa bis Asien beheimatet. Nach Einschätzung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (BDU) in Osnabrück haben wahrscheinlich die milden Winter die Ausbreitung nach Norden begünstigt. Wie verbreitet der Goldschakal in Deutschland beziehungsweise Niedersachsen ist, wisse man noch nicht, sagte DBU-Experte Jörg Tillmann. "Es würde sich meiner Meinung nach anbieten, dafür die Kapazitäten des Wolfsmonitorings zu nutzen, die in den vergangenen Jahren aufgebaut wurden."

Auswirkungen durch den Goldschakal noch unklar

Es sei auch noch unklar, wie sich das Tier auf das heimische Ökosystem auswirkt, so Tillmann. Der Goldschakal ist ein Aas- und Allesfresser, verspeist neben Beeren und Früchten auch Insekten, Amphibien, Fische und kleine Säugetiere. Der Fruchtbestand werde durch die Tiere wohl dezimiert, sagte Tillmann. Sollte sich der Goldschakal hierzulande etablieren, könnte dies für bestandsgefährdete Arten wie zum Beispiel Bodenbrüter problematisch werden, befürchtet der Sprecher der Landesjägerschaft Niedersachsen, Florian Rölfing. Schließlich gehörten auch diese Tiere zu seiner Nahrung.

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Bejagung derzeit noch nicht erlaubt

Der Goldschakal wiederum wird vom deutlich größeren Wolf vertrieben. Halter von Weidetieren müssen nach Tillmanns Einschätzung nicht besorgt sein: Die Tiere seien für Schafe längst nicht so gefährlich wie Wölfe. Bejagt werden darf der Goldschakal gemäß EU-Recht noch nicht, da er als natürlicher Einwanderer unter Schutz steht . Erst wenn die Population zu groß werde, komme eine Bejagung in Frage - aber dazu müsste es erst einmal genaue Kenntnisse über die Verbreitung geben, betonte Tillmann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.10.2020 | 10:00 Uhr

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