Ein Demonstrationszug läuft durch die Innenstadt Hannovers, auf dem vorderen Transparent ist die Aufschrift "Luftbrücke jetzt" zu sehen. © picture alliance / Fotostand Foto: Matthey

Demonstrierende fordern Hilfe für afghanische Menschen

Stand: 19.08.2021 07:56 Uhr

In mehreren niedersächsischen Städten haben am Mittwochabend Menschen dafür demonstriert, afghanischen Ortskräften und anderen Bedrohten schnell zu helfen.

In Braunschweig forderten Vertreter der Flüchtlingshilfe Refugium unter anderem eine sofortige Luftbrücke sowie ein Bleiberecht für alle Schutzsuchenden aus Afghanistan. Anlass ist die Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban in dem Land. Rund 200 Menschen beteiligten sich dort an der gut einstündigen Aktion, die laut Polizei friedlich verlief.

Seebrücke: "Die Situation in Afghanistan ist verheerend"

In Hannover kamen knapp 2.000 Menschen zusammen, um für eine schnelle Hilfe der afghanischen Ortskräfte zu demonstrieren. Sie versammelten sich zunächst am Ernst-August-Platz, dann ging es in einem Protestzug bis zum Küchengarten im Stadtteil Linden. "Die Situation in Afghanistan ist verheerend - und noch
verheerender wäre es, wenn Deutschland sich jetzt wegduckt. Wir fordern eine schnelle Hilfe durch die deutsche Bundesregierung - nicht nur für einige Wenige", sagte Josie Becker von der Seebrücke Hannover. Laut Polizei blieb alles ruhig, es gab keine Zwischenfälle.

Niedersachsen will mindestens 450 afghanische Menschen aufnehmen

Zuvor hatte sich am Mittwoch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) dafür ausgesprochen, schnell und unkompliziert ein Aufnahmeprogramm ins Leben zu rufen. Für Pistorius geht es insbesondere um diejenigen, die für deutsche Entwicklungseinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und ähnliche Initiativen gearbeitet haben, aber auch um Journalistinnen und Journalisten und Personen, die sich für Menschen- und Frauenrechte einsetzen. Er forderte daher eine Initiative des Bundes. "Ein Bundesaufnahmeprogramm ist jetzt die schnellere und effektivere Lösung als einzelne Landesaufnahmeprogramme. Wir brauchen jetzt keinen politischen Wettbewerb um Zahlen, sondern eine gemeinsame, verlässliche Lösung für diejenigen, die unmittelbar von den Taliban bedroht sind", sagte Pistorius weiter. Niedersachsen stelle zunächst mindestens 450 Unterbringungsplätze zur Verfügung.

Weitere Informationen
Eskortiert von Feldjägern kommt in Hamburg ein Bus mit Menschen aus Frankfurt an, die zuvor aus Afghanistan gerettet wurden. © picture alliance / dpa Foto: Bodo Marks

Erste Gerettete aus Afghanistan in Hamburg angekommen

19 Menschen wurden per Bus von Frankfurt in die Hansestadt gebracht. Sie kommen zunächst in einer Unterkunft in Rahlstedt unter. (19.08.2021) mehr

Menschenmengen und Verkehrschaos am Flughafen von Kabul, Afghanistan © picture alliance / AA Foto: Sayed Khodaiberdi Sadat

Im Stich gelassen: Mitarbeiter deutscher Medien in Kabul

Spätestens seit der Afghanistan-Einsatz so übereilt beendet wurde, schweben Mitarbeiter deutscher Medien in Lebensgefahr. (18.08.2021) mehr

Afghanen werden nach der Ankunft in Taschkent, Usbekistan von deutschen Mitarbeitern registriert. © Bundeswehr Foto: Marc Tessensohn

Pistorius will unkomplizierte Aufnahme von Afghanen

Niedersachsens Innenminister fordert ein Aufnahmeprogramm des Bundes. Eine schnelle, verlässliche Lösung sei nötig. (18.08.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.08.2021 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Ein Mann wirft seinen Stimmzettel für die Bundestagswahl in eine Urne. © picture alliance/dpa Foto: Julian Stratenschulte

Bundestagswahl: SPD knapp vorn - in Niedersachsen deutlich

In Niedersachsen liegt die SPD nach einer ersten Hochrechnung deutlich vor der CDU. Die Grünen sind drittstärkste Kraft. mehr