Stand: 23.09.2019 15:09 Uhr

Dement oder krank: Zahl der Betreuten steigt

Bild vergrößern
Ein Gericht entscheidet darüber, ob ein Angehöriger oder ein Berufsbetreuer die Aufgabe der Betreuung übernimmt. (Themenbild)

Demente, psychisch Kranke und Menschen mit einer Behinderung können unter Umständen wichtige Dinge nicht mehr selbst entscheiden. Sie brauchen dann einen Betreuer, beispielsweise für Bankgeschäfte. Ein Gericht muss darüber entscheiden, ob ein Familienmitglied oder ein Berufsbetreuer diese Aufgabe übernimmt. Anfang 2019 gab es an den niedersächsischen Amtsgerichten rund 141.000 laufende Betreuungsverfahren - und damit mehr als doppelt so viele wie 1995. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Um auf das Thema aufmerksam zu machen, hat Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU) für diesen Montag den Tag des Betreuungsrechts ausgerufen.

Gerichtliche Betreuerin, Silke Wüstrich

Wie funktioniert rechtliche Betreuung?

Hallo Niedersachsen -

Rund 140.000 Menschen in Niedersachsen stehen unter rechtlicher Betreuung. Die muss stets von einem Gericht bestellt werden. Wie laufen solche Entscheidungen ab?

4,33 bei 6 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Familienmitglieder werden nicht automatisch Betreuer

An rund 70 Amtsgerichten in Niedersachsen können sich Bürger über das Betreuungsrecht und die Vorsorgevollmacht informieren. Havliza möchte eigenen Angaben zufolge erreichen, dass sich Menschen mit dem Thema auseinandersetzen, dass sie die Angst davor verlieren und für sich selbst vorsorgen. Denn vielen sei nicht klar, dass Familienmitglieder nicht automatisch zum Betreuer ernannt werden können, sagte die Ministerin. Wer aber noch als gesunder Mensch eine Vorsorgevollmacht ausstelle, könne ein Gerichtsverfahren vermeiden oder vereinfachen.

Mit Vorsorgevollmacht alles selbst bestimmen

Havliza rät allen dazu, frühzeitig eine solche Vorsorgevollmacht auszustellen. Darin könne man jemanden benennen, der im Zweifelsfall Entscheidungen für einen treffen soll - und wie er diese treffen soll. Dabei könne es um Teilbereiche wie Gesundheitsvorsorge, Aufenthaltsbestimmung oder Vermögensverwaltung gehen. "Wenn jemand dement ist und plötzlich sein ganzes Geld verschenkt oder nur noch Unsinn kauft, dann kann man ihn unter Vermögensbetreuung stellen", so Havliza. Kann eine Person gar nichts mehr selbst entscheiden, kümmert sich ein Betreuer um alle Angelegenheiten. Für ihre Arbeit erhalten Betreuer eine Entschädigung vom Land Niedersachsen. Insgesamt hat das Land dafür im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Euro ausgegeben.

Weitere Informationen

Finanzierungsprobleme: Betreuungsvereine in Not

Seit 14 Jahren stagniert bei Berufsbetreuern die Vergütung, jetzt kommt ein Plus von 17 Prozent. Das reicht nicht, sagt eine Betreuerin aus Hannover und erzählt aus ihrem Alltag. (06.06.2019) mehr

Rechte und Pflichten eines Berufsbetreuers

Rechtlicher Betreuer kann eigentlich jeder werden, auch ohne Ausbildung. Aber woran erkennt man einen guten Betreuer und welche Aufgaben hat er genau? (16.10.2017) mehr

Rechtliche Betreuung kann echte Lebenshilfe sein

Das Betreuungsgesetz ist gut, wenn es von allen Beteiligten verantwortungsvoll umgesetzt wird. Wir informieren, wann Betroffene die rechtliche Unterstützung bekommen. (16.10.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.09.2019 | 07:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:07
NDR//Aktuell
03:35
Hallo Niedersachsen
02:59
Hallo Niedersachsen