Stand: 15.03.2020 14:54 Uhr

Coronavirus: So reagieren andere Länder

Polizisten kontrollieren am deutsch-dänischen Grenzübergang in Richtung Norden fahrende Fahrzeuge. © dpa - Bildfunk Foto: Carsten Rehder
Viele Länder in Europa haben ihre Grenzen geschlossen und lassen Ausländer nur in Ausnahmfällen ins Land.

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Mit verschiedenen Maßnahmen versuchen die Bundesländer einen sprunghaften Anstieg der Infizierten zu verhindern. In Niedersachsen sind ab Montag die Schulen und Kindertagesstätten für fünf Wochen geschlossen - so wie überall in Deutschland. Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern sind bereits seit Mitte der Woche verboten. Weitere Maßnahmen könnten folgen, kündigte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bereits an. Andere Bundesländer gehen schon jetzt einen Schritt weiter.

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Berlin schließt Kneipen, Clubs und Spielhallen

In Berlin etwa sind Zusammenkünfte von mehr als 50 Personen untersagt. Am Sonnabend mussten alle Kneipen, Bars, Spielhallen und Clubs schließen. Auch Kinos, Theater und Konzerthäuser dürfen nicht mehr öffnen. Auch mit Sport können sich die Berliner kaum noch ablenken: Öffentliche und private Sportanlagen bleiben ebenso geschlossen wie Schwimmbäder und Fitnessstudios. In Krankenhäusern dürfen Patienten nur noch in Ausnahmefällen Besuch empfangen.

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Dänemark, Polen und andere Länder schließen die Grenze

Andere europäische Nachbarn schotten sich derweil ab: Dänemark hat seine Grenzen für Ausländer vorerst bis Ostern geschlossen. In Polen bleibt die Grenze erst einmal für zehn Tage dicht, diese Zeitspanne könne aber auch verlängert werden, hieß es. Auch Österreich und Tschechien lassen Ausländer nur noch in Ausnahmefällen herein. Ausgenommen von dem Einreisestopp sind etwa in Polen und Dänemark Lastwagen mit wichtigen Gütern wie etwa Lebensmitteln. Norwegen und Litauen haben angekündigt, ihre Grenzen ab Montag zu schließen, Estland hat das ab Dienstag vorgesehen. Wenn estnische Staatsbürger einreisen wollen, müssen sie sich zwei Wochen in Quarantäne begeben. Die Regierung in Litauen verbietet ihren Bürgern derweil die Ausreise.

Litauen stellt Land unter Quarantäne

Darüber hinaus hat Litauens Regierung beschlossen, das ganze Land ab Montag unter Quarantäne zu stellen. Sämtliche Geschäfte müssen schließen, nur Apotheken und Lebensmittelmärkte dürfen weiterhin öffnen. Auch in ganz Österreich gelten Ausgangsbeschränkungen. Nach Angaben von Bundeskanzler Sebastian Kurz soll es nur drei Gründe geben, das Haus verlassen zu dürfen: je nach Beruf nicht aufschiebbare Arbeit, notwendige Besorgungen oder Hilfe für andere Menschen. Die Polizei kontrolliert bereits seit Sonntag, ob sich die Menschen daranhalten. Ab Montag drohen Geldstrafen von bis zu gut 2.000 Euro für jene, die das Verbot missachten.

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In Spanien gilt für zwei Wochen "Alarmzustand"

Ähnliche Maßnahmen hat auch die spanische Regierung verhängt. Dort gilt von Montag an für 15 Tage ein Alarmzustand. Die Spanier dürfen dann nur noch das Haus verlassen, wenn sie zur Arbeit fahren, zum Arzt gehen oder Lebensmittel und Medikamente einkaufen wollen. Eine weitere Ausnahme ist die Betreuung von Kindern, Älteren oder Hilfsbedürftigen. Urlauber und andere Menschen dürfen noch an ihren Hauptwohnsitz zurückkehren. Auch in Spanien überwachen Sicherheitskräfte, dass die Regeln eingehalten werden. In Italien, dem am stärksten vom Coronavirus betroffenen Land in Europa, gibt es bereits seit einer Woche eine Ausgangssperre.

Frankreich schließt Bars, Restaurants und Läden

Nicht ganz so weit gehen die Einschränkungen, die die französische Regierung am Sonntag verhängt hat: Dort dürfen keine Restaurants, Bars und Läden mehr öffnen - ausgenommen sind Apotheken, Lebensmittelgeschäfte und Banken. Nach der Rede von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Donnerstagabend seien in Frankreich immer noch zu viele Menschen in Restaurants oder Cafés gegangen, monierte Premier Édouard Philipp. Er rief seine Landsleute zu mehr Disziplin auf. "Unser Ziel ist es, Sie zu schützen. Ich bin mir der Anstrengungen und Opfer bewusst, die von Ihnen verlangt werden", sagte er. Eingeschränkt werden soll auch der öffentliche Verkehr. Ab Sonntagnachmittag sollen zudem alle Skigebiete geschlossen werden.

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Kaum Einschränkungen in Großbritannien

Kaum etwas hat derweil die britische Regierung unternommen, um die Ausbreitung des Coronavirus aufzuhalten. Dort dürfen Großveranstaltungen nach wie vor stattfinden. Auch andere gesellschaftliche Aktivitäten sind weiterhin erlaubt. Nur wer Symptome wie Husten und Fieber bekommt, ist aufgefordert, sich für zwei Wochen in häusliche Quarantäne zu begeben. Mehr als 200 Wissenschaftler an britischen Universitäten hatten sich am Sonnabend in einem offenen Brief für drastischere Maßnahmen ausgesprochen. Sie fürchten, dass das Virus ungebremst in einigen Wochen Millionen Menschen betreffen werde. Der chronisch überlastete staatliche Gesundheitsdienst NHS könne kollabieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.03.2020 | 12:00 Uhr

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