Ein Kind mit Schutzmaske sieht ernst aus. © photocase Foto: Michael Schnell

Corona und Kinder: Viele Anfragen beim Kinderschutzbund

Stand: 18.02.2021 17:13 Uhr

Der Kinderschutzbund in Niedersachsen hat in der Corona-Pandemie ein deutlich gesteigertes Bedürfnis nach Hilfe verzeichnet.

So habe es im vergangenen Jahr insgesamt mehr Beratungen als im Jahr zuvor gegeben, stark gestiegen seien insbesondere die Online-Beratungen, teilte die Organisation am Donnerstag mit. Mehr als 461.000 Kinder und Jugendliche hätten sich mit ihren Sorgen, Ängsten und Nöten an die "Nummer gegen Kummer" gewandt - per Telefon oder online. Daraus ergaben sich laut Kinderschutzbund fast 111.000 konkrete Gespräche.

VIDEO: Landkreis Harburg: Deutlich mehr Kinder gefährdet (4 Min)

Kinderschutzbund: "Viele leiden unter Kontaktbeschränkungen"

Der Verband verzeichnete bei der Kommunikation über das Internet eine Zunahme von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Hannover habe sich die Zahl der Online-Beratungen fast verdoppelt, sagte Petra Lorenz, Leiterin des Kinder- und Jugendtelefons des Kinderschutz-Zentrums in Hannover. "Für viele Kinder war es im ersten Lockdown 2020 schwieriger, mit uns zu telefonieren, weil alle zu Hause waren. Sie sind dann häufig auf die Online-Beratung ausgewichen", so Lorenz. "Es gibt junge Menschen, die sehr unter den Kontaktbeschränkungen leiden, Zukunftsängste oder depressive Verstimmungen haben. Aber wir haben es natürlich auch mit Fällen zu tun, bei denen es um Gewalt, auch sexualisierte Gewalt, geht", berichtete Lorenz.

Videos
Kultusminister Tonne (SPD) spricht während einer Pressekonferenz. © NDR
1 Min

Tonne: "Kinder und Jugendliche verzichten auf fast alles"

Es seien Debatten über "das Abfedern von Folgeschäden des Lockdowns" zu führen, so der Kultusminister. (11.02.2021) 1 Min

Mehr Inobhutnahmen im Landkreis Harburg

Im Landkreis Harburg sind ebenfalls Folgen der Pandemie für Kinder zu spüren. Dort haben sich die Meldungen über gefährdete Kinder beim Jugendamt zwischen April und Dezember um 37 Prozent erhöht, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Die Zahl der Kinder, die aus den Familien genommen werden mussten, stieg sogar um 51 Prozent.

Landkreise machen unterschiedliche Beobachtungen

Auch die Landkreise Stade und Lüchow-Dannenberg berichten auf NDR Anfrage von einem Anstieg der Gefährdungsmeldungen und Inobhutnahmen. Im Heidekreis hingegen heißt es: Bislang gebe es keinen signifikanten Anstieg. Und das Jugendamt im Landkreis Rotenburg hat während des Lockdowns geringere Zahlen von Kindeswohlgefährdung festgestellt - allerdings erwartet man hier, dass wieder mehr Auffälligkeiten gemeldet werden, sobald der Lockdown vorbei ist. So sieht es auch Johannes Schmidt. Der Vorsitzende vom Kinderschutzbund Niedersachsen sagt, dass wichtige Bezugspersonen wie Erzieher oder Lehrer wenig mitbekommen, weil Schulen und Kitas noch geschlossen seien. Vieles spiele sich unter dem Radar ab, so Schmidt. Er vermutet, dass man erst nach der langsamen Öffnung vom Ausmaß der Probleme erfahren wird.

Weitere Informationen
Ein Kind mit Schutzmaske sieht ernst aus. © photocase Foto: Michael Schnell

Fast jedes dritte Kind psychisch auffällig während Pandemie

Kinder und Jugendliche leiden massiv unter dem Lockdown. Das zeigt eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. (10.02.2021) mehr

Blick von hinten auf ein kleines Kind, das auf einem Spielplatz zu Schaukelreifen läuft. © dpa Foto: Christoph Soeder

Corona-Pandemie: Arzt warnt vor Folgen für Kinder

Er schätzt, dass 20 Prozent der Kinder in sprachlicher und gesundheitlicher Sicht durch den Lockdown abgehängt werden. (01.02.2021) mehr

Eine Weihnachtsmann-Puppe sitzt in einem Bett als Werbung vor einem Bettengeschäft, im Vordergrund ein Hinweisschildes "Impfen ohne Termin" eines Impfzentrums. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Corona: Die Lage in Niedersachsen - Ein Überblick

Wie ist die aktuelle Corona-Situation in Niedersachsen? Welche Regeln gelten? Hier der Überblick. mehr

Ein Arzt im Schutzanzug hält ein Wattestäbchen für einen Coronatest in der Hand. © picture alliance / Eibner-Pressefoto | Fleig / Eibner-Pressefoto

Corona: Mehr als 10.000 Neuinfektionen in Niedersachsen

Laut Robert Koch-Institut liegt die Inzidenz über 500. Weitere Indikatoren wie die Hospitalisierungsrate gibt es hier. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 18.02.2021 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Ein Schild zeigt den Weg zum Eingang einer Klinik. © picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Kliniklandschaft in Niedersachsen wird neu strukturiert

SPD und CDU haben ein neues Gesetz auf den Weg gebracht, das die medizinische Versorgung zukunftssicher machen soll. mehr