Ein kleines Mädchen liegt im Bett und hält einen Teddy im Arm. © picture alliance / Zoonar Foto: lev dolgachov

Corona sorgt für große Nachfrage beim Kinderkrankengeld

Stand: 12.11.2021 14:42 Uhr

Wegen der Corona-Pandemie haben 2021 bislang deutlich mehr Eltern Kinderkrankengeld beansprucht als in den Jahren zuvor. Das geht aus Zahlen der Barmer Ersatzkasse hervor.

Allein den niedersächsischen Versicherten der Barmer seien bis September bereits fast 62.000 Kinderkrankengeldtage in einem Wert von rund 4,2 Millionen Euro bewilligt worden, teilte die Kasse am Freitag mit. Im gesamten Vorjahr seien es nur rund 39.000 Tage gewesen. Mit 44.000 Tagen nutzten Frauen das Kinderkrankengeld mehr als doppelt so häufig wie Männer (17.500 Tage). Insgesamt wurden rund 25.000 Anträge bewilligt.

Alles Wichtige zum Kinderkrankengeld

Das Kinderkrankengeld ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen. Sie greift grundsätzlich dann, wenn Eltern wegen der Betreuung eines kranken Kindes nicht zur Arbeit gehen können. Voraussetzung ist, dass das Kind unter zwölf Jahre alt und bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Zahl der Kinderkrankentage für das Jahr 2021 ausgeweitet. Gesetzlich krankenversicherte Eltern können in diesem Jahr pro Kind für 30 statt 20 Arbeitstage (Alleinerziehende für 60 statt 40 Arbeitstage) Kinderkrankengeld beantragen. Bei mehreren Kindern besteht der Anspruch je Elternteil für maximal 65 Arbeitstage, für Alleinerziehende für bis zu 130 Arbeitstage. Mit der neuen Regelung erhalten Eltern auch dann Kinderkrankengeld, wenn ihr Kind nicht krank ist, aber zu Hause betreut werden muss, weil die Betreuungseinrichtung oder Schule geschlossen ist. Das Kinderkrankengeld beträgt in der Regel 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts.

Kinderkrankengeld entlastet Eltern in der Pandemie

Die Kinderkrankentage umfassen sowohl die pandemiebedingte Betreuung der Kinder, etwa wegen geschlossener Schulen oder Kitas, als auch die Tage, an denen ein Kind erkrankt ist. Die deutliche Steigerung ist nach Einschätzung der Barmer eine direkte Folge der Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern. "Das Kinderkrankengeld erweist sich in der Pandemie als echte Entlastung für Eltern", sagte Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen und Bremen. "Sie können Belastungen damit besser abfedern, wenn ihr Kind krank ist oder aufgrund pandemiebedingter Maßnahmen wie Schul- und Kitaschließungen betreut werden muss."

Deutlicher Rückgang seit Juni

In etwa 60 Prozent der Fälle wurde das Kinderkrankengeld wegen einer Erkrankung des Kindes beantragt. Seit Juni gingen die Anträge auf pandemiebedingtes Kinderkrankengeld den Angaben zufolge stark zurück. Grund dafür sei, dass die Schulen und Kitas nicht mehr bundesweit geschlossen waren, so die Barmer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 12.11.2021 | 15:00 Uhr

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