Corona leert Innenstädte: Kunden kaufen gezielt oder im Netz

Stand: 04.12.2020 06:43 Uhr

Obwohl die Geschäfte in Niedersachsens Innenstädten geöffnet sind, bleiben die Kunden aus. Wer einkauft, tut dies gezielt. Nach Bummeln ist in der Corona-Pandemie offenbar kaum jemandem zumute.

"Um unsere Innenstädte machen wir uns erhebliche Sorgen - es ist fünf vor zwölf", sagte am Donnerstag der Präsident des Städtetages, Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Schätzungen prophezeiten eine massenhafte Schließung von Geschäften und Gastronomie in Innenstädten, wenn der Staat nicht zügig gegensteuere, sagte Salzgitters Oberbürgermeister und Verbands-Vize Frank Klingebiel (CDU). Einzelhandelsgeschäfte und Kaufhausfilialen würden mitunter um ihre wirtschaftliche Existenz ringen.

Halb so viele Kunden in Hannover, Göttingen und Osnabrück

Wie sehr die Besucherzahlen eingebrochen sind, zeigt laut NDR 1 Niedersachsen eine Zählung des Immobilienberaters Engel und Völkers Commercial. Wie jedes Jahr hat er am ersten Adventssonnabend mit Lasergeräten die Passanten in den Top-Einkaufsstraßen des Landes gezählt. In der Georgstraße in Hannover waren demnach nur halb so viele Kunden wie sonst üblich unterwegs, in der Achternstraße in Oldenburg rund 40 Prozent weniger, in der Weender Straße in Göttingen und der Großen Straße in Osnabrück fast 50 Prozent.

Städtetag hofft auf geplantes Quartiersgesetz

Konkret fordert der Städtetag vom Land Niedersachsen die zügige Umsetzung des sogenannten Quartiersgesetzes. Der Entwurf der rot-schwarzen Landesregierung soll Städten und Gemeinden ein weiteres Instrument für innovative Stadtentwicklung an die Hand geben. Eine sogenannte Öffnungsklausel im Baugesetzbuch soll es Ländern ermöglichen, Regelungen für private Initiativen zur Stadtentwicklung und deren Finanzierung zu treffen. Dem Städtetag zufolge soll die Landesregierung den Kommunen durch entsprechende Gesetze auch mehr Chancen auf Problemimmobilien einräumen.

Sofortprogramm über 70 Millionen Euro soll helfen

Darüber hinaus wollen die niedersächsischen Stadtoberhäupter, dass die Regierung ein Sofortprogramm zur Stärkung der Innenstädte in Höhe von mindestens 70 Millionen Euro auflegt. Zudem soll als Teil des "Masterplans Digitalisierung" ein Forschungs- und Pilotprojekt gefördert werden, das dem Einzelhandel helfen soll, seine Online-Angebote zu beurteilen und zu verbessern. Ziele seien unter anderem, die Geschäfte im Internet sichtbarer zu machen - etwa durch korrekte Öffnungszeiten bei Google und dass man die Angebote des Haushaltswarenhändlers um die Ecke auch im Netz findet.

Lange Shopping-Tage und Gutscheine für Adventszeit

Um die Kunden in den kommenden Wochen in die Innenstädte zu locken, wirbt der Niedersächsische Städtetag für lange Einkaufsdonnerstage bis 24 Uhr und Gutscheine für die Bewohner einer Stadt, die vor Ort eingelöst werden können. Um die Innenstädte langfristig vor Leerständen zu bewahren, gehen manche Kommunen neue Wege. In Walsrode im Heidekreis etwa reißt die Stadt alte Gewerbeimmobilien ab und baut auf den Grundstücken Wohnungen. Der Gedanke dahinter: Wer in der Innenstadt wohnt, kauft dort auch ein und geht ins Café.

Weitere Informationen
Eine Frau mit Schutzmaske beim Einkaufen. © picture alliance Foto: Kirsten Nijhof

Corona: Kritik an verschärften Regeln für Geschäfte

Der Einzelhandelsverband Niedersachsen findet die neuen Aufenthaltsregelungen in Läden schwer verständlich. (27.11.2020) mehr

Passanten in der Hannover Innenstadt beim Einkaufen, Weihnachtsbaum im Vordergrund. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner

Corona: Städte wollen Händlern im Weihnachtsgeschäft helfen

Aus Expertensicht können Bonus-Aktionen und Stadtgutscheine helfen, das Geschäft anzukurbeln. (24.11.2020) mehr

Medizinische und FFP-2-Masken liegen auf einem Tisch. © NDR Foto: Anja Deuble

In Niedersachsen sind strengere Corona-Regeln in Kraft

Im Nahverkehr und in Supermärkten müssen nun medizinische Masken getragen werden. Ausnahmen gelten für Kinder. mehr

Nordhorn: Ein Abstrich für einen PCR-Test wird von einem Mitarbeiter im Corona-Testzentrum genommen. © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt

Corona in Niedersachsen: 457 Neuinfektionen, 15 Todesfälle

Der landesweite Inzidenzwert ist weiter gesunken. Er liegt jetzt bei 88,6. Die Gesamtzahl der Todesfälle beträgt 2.986. mehr

Der Impfstoff, der von der Universität Oxford und dem Pharmakonzerns Astrazeneca produziert wird, liegt in einem Kühlschrank in einem geöffneten Karton.  Foto: Liam Mcburney/PA Wire/dpa

Corona-News-Ticker: EU verärgert über AstraZeneca

Nach den angekündigten Lieferverzögerungen fordert die EU, das Unternehmen müsse den ausgehandelten Vertrag erfüllen. Mehr Corona-News im Live-Ticker. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Der Podcast mit Drosten & Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder - der Tag | 03.12.2020 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Zwei symbolische Darstellungen des Coronavirus in unterschiedlichen Farben. © PantherMedia Foto: imilian

Region Hannover: Frau mit mutiertem Coronavirus infiziert

Knapp 90 Kontaktpersonen müssen nun in eine verlängerte Quarantäne. Wie sich die Frau angesteckt hat, ist noch unklar. mehr

Spritze mit Corona-Schutzimpfstoff wird verabreicht. © picture alliance/Jens Büttner Foto: Jens Büttner

Krisenstab informiert am Dienstag über aktuelle Corona-Lage

Dabei wird es voraussichtlich auch um die weitere Impfstrategie gehen. NDR.de überträgt wie gewohnt ab 13 Uhr live. mehr

Blick auf das Impfzentrum der Stadt, welches provisorisch in der Sporthalle am Schlosswall errichtet worden ist. © picture alliance / Friso Gentsch/dpa Foto: Friso Gentsch

Corona in Niedersachsen: Alle warten auf die Impfung

Donnerstag startet die Terminvergabe für Über-80-Jährige. Doch wegen Impfstoff-Mangels verzögert sich der Impfstart. mehr

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (l-r, SPD), Dirk Koslowski und Anthony Lee von der Bauern-Bewegung Land schafft Verbindung sowie Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) stehen bei einer Mahnwache von Landwirten in Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Lies und Otte-Kinast gehen bei Mahnwache auf Landwirte zu

Seit Sonntag protestieren Bauern in Hannover gegen die Düngeregeln. Am Dienstag ist eine Demo in Berlin geplant. mehr