Corona in Niedersachsen: Impf-Appell an Unternehmen

Stand: 30.07.2021 22:25 Uhr

Das Land Niedersachsen, Gewerkschaften und Arbeitgeber haben die Betriebe dazu aufgerufen, ihre Belegschaften zur Impfung gegen das Coronavirus zu motivieren.

"Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende September zwischen 70 und 80 Prozent unserer Bevölkerung durchgeimpft bekommen“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Bis dahin müsse aber noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. "Eine sorglose und unbegründete Impfverweigerung ist ein Risiko für uns alle", betonte Althusmann. Auch Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und NiedersachsenMetall appellieren an die Unternehmen, alle Beschäftigten zum Impfen aufzurufen. Jeder trage einen Teil "zu einer hohen Durchimpfungsrate und einem höheren Schutz bei", sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel.

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OVG kippt Regeln für Saunen und Hallenbäder

In Niedersachsen dürfen Saunen ab sofort bei Inzidenzen bis 50 - und nicht mehr nur bis 35 - geöffnet bleiben. Das hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg entschieden. Es handele sich um keine notwendige Infektionsschutzmaßnahme, wie der 13. Senat in einem Eilbeschluss begründete. Eine Antragstellerin, die in der Region Hannover eine Saunalandschaft betreibt, hatte sich gegen die in dieser Woche geänderte niedersächsische Corona-Verordnung gewandt. Darin ist auch die Schließung von Thermen und Schwimmbädern bei einer anhaltenden Sieben-Tage-Inzidenz von über 35 vorgesehen. Diese Regelung wurde jetzt außer Vollzug gesetzt, der Beschluss ist nicht anfechtbar.

Discos und Shisha-Bars müssen ab 10er-Inzidenz schließen

In Niedersachsen tritt angesichts der schnell steigenden Inzidenz eine neue Corona-Verordnung in Kraft - eine Übergangsregelung bis zur nächsten Entscheidung auf Bundesebene. Besonders viele Neuinfizierte gibt es in der Gruppe der 15- bis 34-Jährigen. Das teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Hier wolle man ansetzen. Teil der neuen Verordnung ist deshalb eine Verschärfung der Regeln für Discos, Clubs und Shisha-Bars: Sie sind dem Land zufolge Infektionstreiber und müssen nun bereits ab einer Inzidenz von 10 schließen. Bisher lag der Grenzwert bei 35. Bei Inzidenzen unter 10 muss auch beim Tanzen Maske getragen werden. Die Betreibenden müssen ein Hygienekonzept vorlegen und die Besucherzahl auf 50 Prozent der Kapazität begrenzen.

Mehrfach Corona-Infizierte in der Disco

Zuletzt hatten sich die Meldungen über Infektionen im Zusammenhang mit Disco- und Clubbesuchen in Niedersachsen gehäuft. In der Region Hannover schickte das Gesundheitsamt beispielsweise 3.000 Partygänger in Quarantäne. In Osnabrück hat ein Infizierter eine Disco besucht - rund 1.400 Menschen hielten sich dort auf.

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Spielraum bei Verschärfungen

Die Landesregierung räumt den Landkreisen und kreisfreien Städten zugleich mehr Handlungsspielraum ein. Müssten die Regeln in einer Kommune wegen einer gestiegenen Inzidenz eigentlich verschärft werden, hat die Kommune mittlerweile die Möglichkeit, nach eigenem Ermessen bestimmte Bereiche hiervon auszunehmen.

Inzidenzen vielerorts wieder zweistellig

Inzwischen liegen in mehreren Landkreisen und kreisfreien Städten die Werte wieder dauerhaft über 10 oder auch über 35, etwa im Landkreis Lüneburg, in Wolfsburg und in der Region Hannover.

Neue Werbekampagne für das Impfen

Eine neue Impf-Werbekampagne soll ebenfalls vor allem junge Leute ansprechen. 3,6 Millionen Euro stellt das Land für Plakate und Anzeigen bereit, um Unentschlossene von der Corona-Impfung zu überzeugen. Die 20- bis 40-Jährigen sollen sich mehr mit dem Thema Impfen beschäftigen, so Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD).

Kritik an Sonder-Impfaktion für Kinder und Jugendliche

Bis Ende Juli wird die Warteliste für eine Impfung in den Impfzentren nach Angaben des Corona-Krisenstabs voraussichtlich abgearbeitet sein. Vielerorts gibt es mittlerweile bereits schnell verfügbare Impftermine. Auch gibt es immer wieder Sonderaktionen wie Impfungen auf Marktplätzen, in Hochhaussiedlungen oder in einer Moschee. Zudem wird die Sonder-Impfaktion für Kinder und Jugendliche verlängert. Eltern können Termine für ihre Kinder über die Hotline des Landes buchen. An der Aktion gab es allerdings auch Kritik von der Ständigen Impfkommission und vom Verband der Kinder- und Jugendärzte wegen möglicher Risiken.

Corona-Hotline in Niedersachsen

Wer glaubt, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, sollte den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 oder seinen Hausarzt kontaktieren. Der Arzt klärt dann am Telefon, ob es sich um einen Verdachtsfall handelt und trifft geeignete Maßnahmen. Wird eine Infektion nachgewiesen, muss der Patient in häusliche Quarantäne. Kontaktpersonen der erkrankten Person werden bei engem Kontakt ebenfalls in der Regel für 14 Tage zu Hause isoliert. Die wichtigsten Schutzmaßnahmen bleiben: Abstand halten, Mundschutz tragen, regelmäßig Hände waschen und nicht in die Hand husten oder niesen.

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Hallo Niedersachsen | 31.07.2021 | 19:30 Uhr

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