Corona in Niedersachsen: Alle müssen Kontakte reduzieren

Stand: 26.11.2020 13:28 Uhr

Bund und Länder haben sich auf schärfere Corona-Regeln geeinigt. Ein zentraler Punkt: Alle müssen ihre Kontakte noch mehr einschränken. Weihnachten im größeren Familienkreis soll aber möglich sein.

Die seit Anfang November geltenden Einschränkungen haben in Deutschland nach Berechnungen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig dazu geführt, dass die direkten Kontakte um etwa 40 Prozent abnahmen. "Das ist gut, reicht aber leider nicht aus, um die Infektionskurve nach unten zu bringen", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Deshalb haben sich Bund und Länder auf dem Corona-Gipfel am Mittwoch darauf geeinigt, die Kontaktbeschränkungen weiter zu verschärfen. Künftig dürfen sich nur noch maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten privat treffen - ausgenommen sind Kinder bis 14 Jahre.

Lockerungen für Weihnachten und Silvester

Die Vorweihnachtszeit werde sich in diesem Jahr sehr grundsätzlich vom Advent in anderen Jahren unterscheiden, sagte Weil. Es falle ihm nicht leicht, noch stärker als bislang schon in das Privatleben der Menschen in Niedersachsen einzugreifen. Dennoch stehe er hinter dem Beschluss. Für die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr sollen die Regeln dann etwas gelockert werden: Vom 23. Dezember bis 1. Januar sollen sich zehn Menschen aus verschiedenen Haushalten treffen dürfen - auch dabei müssen Kinder unter 14 Jahren nicht mit einberechnet werden. Um die Übertragung von Corona-Infektionen möglichst gering zu halten, beginnen die Weihnachtsferien bereits am 19. Dezember. Ursprünglich sollte der 23. Dezember der erste Ferientag sein.

Lockdown-Light bleibt bestehen

Darüber hinaus haben sich die Länderchefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf geeinigt, dass Schulen und Kitas weiterhin geöffnet bleiben. Unter anderem soll es aber neue Regeln für Schulen in Hotspot-Regionen geben, die Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Donnerstag für Niedersachsen vorgestellt hat. Geöffnet bleiben soll auch der Groß- und Einzelhandel, wenn auch mit neuen Einschränkungen. Dagegen müssen Gastronomiebetriebe, Hotels, Kultur- und Sporteinrichtungen weiter geschlossen bleiben - voraussichtlich bis Anfang Januar. Für sie stellte der Bund analog zu den "Novemberhilfen" weitere finanzielle Hilfen in Aussicht. Darüber hinaus sollen die Länder Strategien entwickeln, die sie bei besonders extremen Infektionslagen mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner anwenden.

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Pistorius sieht Radikalisierung bei Gegnern der Maßnahmen

Insgesamt bewertet Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) den Umgang mit Corona-Skeptikern als zunehmend problematisch. "Der Einfluss von Rechtsextremisten auf die Szene und die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen kann nicht wegdiskutiert werden und er darf nicht unterschätzt werden", sagte Pistorius am Dienstag im Niedersächsischen Landtag. Unterdessen scheinen die aktuellen Corona-Maßnahmen aber weitestgehend befolgt zu werden. Die Anzahl der Verstöße ist nach Angaben von Polizei und Kommunen überschaubar. Städte und Gemeinden kontrollieren vermehrt die Einhaltung von Maskenpflicht und Abstandsregeln. Bei Verstößen reicht meist eine direkte Ansprache. In seltenen Fällen ist es zu Auseinandersetzungen gekommen.

Hoffnung auf Impfstoff

In der vergangenen Woche hatte sich Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) trotz der weiterhin angespannten Corona-Lage verhalten optimistisch gezeigt. Zum einen wegen der sich stabilisierenden Zahl von Neuinfektionen, zum anderen wegen der Aussicht, dass es schon bald mehrere hochwirksame Impfstoffe gegen das Coronavirus geben könnte. Bis ein Impfstoff für alle, die sich impfen lassen möchten, zur Verfügung steht, ist es aber noch ein weiter Weg. "Wir alle werden unsere Kontakte noch eine Weile stark einschränken müssen, um die Lage stabil zu halten", sagte Reimann. Denn auch nach mehr als zwei Wochen mit verschärften Maßnahmen sei die Zahl der Neuinfektionen weiter auf hohem Niveau.

Corona-Hotline in Niedersachsen noch länger besetzt

Für Fragen zum Coronavirus hat das Land seit März dieses Jahres eine Telefon-Hotline geschaltet und die Erreichbarkeit bis auf Weiteres noch einmal ausgedehnt: Sie ist jetzt montags bis freitags zwischen 8 und 19 Uhr unter der Nummer (0511) 120 60 00 zu erreichen, am Sonnabend, Sonntag und an Feiertagen ist die Hotline jeweils von 10 bis 17 Uhr besetzt. Bürger erhielten dort allgemeine Informationen zum Coronavirus und seinen Folgen, hieß es aus dem Innenministerium, und würden bei Bedarf zu anderen Bereichen der Landesregierung vermittelt. Wer glaubt, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, sollte den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 oder seinen Hausarzt kontaktieren. Der Arzt klärt dann am Telefon, ob es sich um einen Verdachtsfall handelt und trifft geeignete Maßnahmen. Wird eine Infektion nachgewiesen, muss der Patient in häusliche Quarantäne. Kontaktpersonen der erkrankten Person werden bei engem Kontakt ebenfalls 14 Tage zu Hause isoliert. Die wichtigsten Schutzmaßnahmen bleiben: regelmäßig Hände waschen und nicht in die Hand husten oder niesen.

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Hallo Niedersachsen | 26.11.2020 | 19:30 Uhr

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