Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, spricht in der Landespressekonferenz im niedersächsischen Landtag. © dpa Foto: Julian Stratenschulte

Corona: Weil kündigt mehr 2G-Regeln in Niedersachsen an

Stand: 12.11.2021 13:16 Uhr

Wer nicht gegen das Coronavirus geimpft ist, muss in Niedersachsen mit weiteren Einschränkungen rechnen. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kündigte am Freitag an, die 2G-Regel im Land auszuweiten.

"Das machen wir nicht, um die Ungeimpften zu ärgern, sondern die Geimpften zu schützen", sagte Weil in der Landespressekonferenz in Hannover. Die Regierung versuche vielmehr, "vorbeugenden Brandschutz" zu betreiben. Die Corona-Verordnung werde zurzeit überarbeitet - mit einer deutlichen Verschiebung des Stufenplans "Richtung 2G". Details nannte er nicht. Lediglich für Großveranstaltungen ab 1.000 Personen verwies er darauf, dass diese künftig unabhängig von Warnstufen nur unter 2G-Bedingungen möglich sein werden. Bei der höchsten Warnstufe erwäge das Land mit 2G plus auch Verschärfungen für Geimpfte und Genesene. Das sei aber die "Eskalationsstufe", betonte der Ministerpräsident. Die neue Verordnung werde Ende kommender Woche beziehungsweise zu Beginn der darauffolgenden in Kraft treten.

Weihnachtsmärkte sollen wie geplant starten

Eine Absage der Weihnachtsmärkte, die kommende Woche starten, sei derzeit nicht nötig, sagte Weil weiter. Allerdings könne die Situation in drei Wochen bereits eine andere sein. Dazu, ob die Bedingungen rund um das Weihnachtsfest verschärft werden, wollte er sich auf Nachfrage nicht äußern. Aber mit einem weiteren Lockdown rechnet er derzeit grundsätzlich nicht. "Ich sehe das nicht", sagte der Regierungschef. Dieser mache insbesondere in Situationen keinen Sinn, in denen nur geimpfte Menschen unter sich seien.

MHH-Immunologe befürchtet Kontaktbeschränkungen zu Weihnachten

Deutlich skeptischer ist der Ausblick des hannoverschen Immunologe Matthias Stoll auf die Weihnachtstage. Angesichts der aktuellen Corona-Infektionslage hält er ein erneutes Fest mit eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten für denkbar. Eine erkennbare Bremswirkung schärferer Maßnahmen setze erst nach mindestens drei Wochen ein, sagte der Immunologie-Professor am Zentrum für Innere Medizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Da die Politik derzeit aber beispielsweise keine umfassende 2G-Regel inklusive Testpflicht plane, sei es "nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Heilige Nacht vielleicht auch 2021 genauso still und besinnlich im kleinsten Kreise verbracht werden muss wie 2020".

Corona-Lage in Niedersachsen vergleichsweise gut

Im Vergleich der Bundesländer stehe Niedersachsen bei der Zahl der Corona-Neuninfektionen derzeit gut da, betonte Weil. "Wir sind Nummer drei unter 16 Ländern." Dennoch sei es wichtig, aufmerksam zu sein. Aus der Vergangenheit habe man gelernt, dass sich die Situation bei hohen Werten in den Grenzregionen verschlechtern könne. Niedersachsen sei keine Insel. Beispiel Intensivbetten: Da erwarte das Land, dass ab einem gewissen Punkt auch Covid-Patienten aus anderen Bundesländern in niedersächsische Krankenhäuser verlegt werden.

Andere Länder setzen bereits auf 2G

Die Landesregierung hatte in dieser Woche bereits die Corona-Landesverordnung angepasst und zeitnahe weitere Verschärfungen angekündigt. Seit Donnerstag müssen sich etwa Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen jeden Tag testen, wenn sie nicht gegen das Coronavirus geimpft sind. Andere Bundesländer haben die 2G Regeln bereits seit Längerem eingeführt: Hamburg etwa war Vorreiter bei dem 2G-Optionsmodell. In Bayern, wo wegen der Corona-Lage erneut der Katastrophenfall gilt, wird die 2G-Regelung seit Dienstag weitgehend angewendet. Auch in Berlin haben nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu Restaurants, Theatern und Museen.

Erinnerung zu Booster-Impfungen von kommender Woche an

Derweil gab das Gesundheitsministerium in der Pressekonferenz bekannt, von kommender Woche an die geplanten Briefe mit Informationen zu Booster-Impfungen zu verschicken. Diese gingen zunächst - wie von der Ständigen Impfkommission empfohlen - an alle Krankenversicherten über 70 Jahren. Bislang haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 330.000 Niedersachsen die Auffrischungsimpfung erhalten.

Land will Impfquote verbessern

Um die knapp unter 70 Prozent liegende Impfquote in Niedersachsen zu erhöhen, will das Land die Kapazitäten deutlich ausweiten. Die Landkreise könnten zum Beispiel mehr mobile Impfteams in den Einsatz schicken, wie Regierungssprecherin Anke Pörksen sagte. Zudem hält Weil eine Impfpflicht für bestimmte Berufe - etwa in der Pflege - für denkbar. Eine generelle Impfflicht kann er sich dagegen allein aus rechtlichen Gründen nicht vorstellen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.11.2021 | 14:00 Uhr

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