Ein Beatmungsgerät an einem Krankenbett. © picture alliace Foto: Axel Heimken

Corona: Todesfälle erreichen hohes Niveau der ersten Welle

Stand: 02.12.2020 12:39 Uhr

Bundesweit sind binnen 24 Stunden so viele Menschen wie noch nie im Zusammenhang mit Corona als verstorben gemeldet worden. Auch in Niedersachsen hat die Zahl der Todesfälle ein hohes Niveau erreicht.

Nach Angaben des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts (NLGA) vom Mittwoch sind innerhalb eines Tages 23 Menschen als verstorben gemeldet worden, die zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Am Tag zuvor waren es 25 Corona-Tote - so viele wie seit Beginn der zweiten Welle nicht. Die Zahl der gemeldeten Fälle bedeutet nicht, dass die Erkrankten auch am gleichen Tag verstorben sind. Zwischen Meldedatum und Sterbedatum sind Abweichungen möglich. Den bisherigen Höchststand hatte es am 27. März mit 36 Todesmeldungen innerhalb eines Tages gegeben. Nach den Erfahrungen aus der ersten Welle hatten Virologen und Mediziner damit gerechnet, dass die Zahl der täglichen Todesfälle infolge des steilen Anstiegs der Neuinfektionen im Oktober innerhalb von drei bis vier Wochen deutlich steigen würde.

Sieben Tote allein im Landkreis Vechta

Dass ihre Befürchtungen zuzutreffen scheinen, zeigt sich am Beispiel des Landkreises Vechta. Dieser hatte als einer der ersten in Niedersachsen den Warnwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten. Zwischenzeitlich lag die Sieben-Tages-Inzidenz sogar über einem Wert von 300. Allein dort starben nun von Dienstag auf Mittwoch sieben Menschen im Zusammenhang mit Corona. Die Region Hannover meldete vier Tote. In der Stadt Salzgitter, die zwischenzeitlich eine Sieben-Tages-Inzidenz von mehr als 350 hatte, starben zwei Menschen mit beziehungsweise an Corona.

Viel weniger Tote in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

Im Vergleich mit den anderen norddeutschen Ländern gehört Niedersachsen zu denen mit einer hohen Corona-Todesrate. Hier gab es innerhalb von sieben Tagen 16,5 Todesfälle pro eine Million Einwohner. Nur Hamburg (20,0) und Bremen (17,6) hatten mehr Todesfälle zu beklagen. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, wo die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Wochen im bundesweiten Vergleich eher niedrig war, gab es auch entsprechend weniger Corona-Tote. 6,2 Todesfälle binnen sieben Tag pro eine Million Einwohner waren es in Mecklenburg-Vorpommern und 5,9 in Schleswig-Holstein.

Die meisten Todesfälle in der Gruppe der 80-Jährigen

Mit Abstand die meisten der mittlerweile 1.202 Corona-Toten in Niedersachsen waren nach Angaben des NLGA zwischen 80 und 89 Jahre alt. Unter den Verstorbenen waren mehr Männer als Frauen. In der Altersgruppe der über 90-Jährigen überwog dann der Anteil der Frauen. Kaum Todesfälle gab es in Niedersachsen bislang bei Menschen unter 50 Jahren - bislang liegt die Zahl bei insgesamt 24 Fällen. Ab einem Alter von 50 Jahren steigt auch die Zahl der Corona-Toten deutlich.

Zahl der Neuinfektionen sinkt langsam

Während die Zahl der Corona-Toten insgesamt steigt, sinkt allmählich die Zahl der Neuinfektionen. Allerdings bewegt sich die Zahl immer noch auf einem hohen Niveau. Der Teil-Lockdown im November hat zwar dafür gesorgt, dass die Zahl nicht weiter in die Höhe schnellte, senken konnten die Maßnahmen die Fallzahlen indes nicht. Wie sich der seit Dezember geltenden verschärfte Teil-Lockdown auswirkt, bleibt abzuwarten.

Modelliererin aus Göttingen fordert harten Lockdown

Die Göttinger Physikerin Viola Priesemann, die mit ihrem Team Modellrechnungen für Verläufe der Corona-Pandemie anstellt, geht nicht davon aus, dass der Teil-Lockdown zu deutlich sinkenden Neuinfektionszahlen führt. Sie plädiert für einen harten Lockdown über zwei oder drei Wochen. Nur so ließe sich die Zahl der Neuinfektionen entscheidend senken. "Der sogenannte Lockdown light war einen Versuch wert, aber das hat nicht gereicht", so Priesemann. Ziel müsse es sein, die Sieben-Tage-Inzidenz wieder auf einen Wert von 50 oder weniger pro 100.000 Einwohner zu drücken, damit die Gesundheitsämter das Infektionsgeschehen wieder unter Kontrolle bekommen und die Kontakte von Infizierten nachverfolgen und testen könnten.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.12.2020 | 12:00 Uhr

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