Stand: 07.04.2020 16:09 Uhr

Corona: Supermärkte zu Ostern an Belastungsgrenze

von Torben Hildebrandt
Der Marktleiter Alexander Dankenbring steht in einem Supermarkt. © NDR Foto: Thorben Hildebrandt
Supermarkt-Inhaber Alexander Dankenbring aus Hodenhagen berichtet von äußerst stressigen Tagen wegen der Corona-Krise.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Edeka-Markt in Hodenhagen (Heidekreis) tragen Mundschutz. Wie die Ameisen flitzen sie durch die Gänge, packen Ware in die Regale oder schieben Palletten hin und her. Nachschub fürs Ostergeschäft. Der Laden brummt, doch für Inhaber Alexander Dankenbring wäre weniger mehr. "Jeder meiner Mitarbeiter und ich würden sofort tauschen und auf den Mehrumsatz verzichten, wenn wir dafür den Normalzustand hätten", sagt er im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen.

Psychologische Stresssituation für die Mitarbeiter

Für die knapp 60 Beschäftigten im Hodenhagener Edeka-Markt sind die Tage gerade stressig wie nie. Ware abpacken im Rekordtempo - und bloß nicht zu nah an die Kunden ran. Trotz anderthalb Metern Mindestabstand bleibt ein ungutes Gefühl. "Wir haben am Tag immer noch zwischen 1.200 und 1.400 Kunden. Das ist natürlich eine psychologische Stresssituation, denn man sieht es ja niemandem an, ob er krank ist oder nicht", so Dankenbring. "Wir bewegen uns im Moment in einer Risikosituation." Von daher sei es ganz wichtig, am Karfreitag mal einen Tag rauszukommen.

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Angst vor zu großem Andrang um die Feiertage

Dafür dürfte es um den Feiertag herum richtig stressig werden. Auch wenn die Kunden nicht mehr so stark hamstern würden wie noch vor einigen Wochen, befürchtet Dankenbring am Gründonnerstag und Ostersamstag einen Ausnahmezustand. "Wir haben versucht, das auf allen Kanälen zu kommunizieren, damit es am Donnerstag und am Sonnabend nicht so unglaublich voll wird", berichtet der 33-Jährige. Schließlich müssten er und seine Mitarbeiter ja trotzdem den Mindestabstand und die Personenzahl im Laden im Blick behalten. "Dann stehen die Kunden irgendwann eventuell vor dem Markt", sagt Dankenbring. "Und das möchte ich gerne uns allen ersparen." Deshalb appelliert er an die Kunden, nur Frisches auf den letzten Drücker zu kaufen.

Improvisation in vielen Bereichen

Das Ostergeschäft in der Corona-Krise lässt Dankenbring ganz neue Wege gehen. Zwischen 7 und 8 und 19 und 20 Uhr ist der Markt für die Risikogruppen reserviert: Dann dürfen nur Kunden ab 60 rein und Menschen, die nicht gesund sind. Auch bei der Beschaffung der Ware läuft einiges anders. Das Toilettenpapier kommt aus Italien, das Mehl kauft Dankenbring von einer kleinen Mühle in Sachsen-Anhalt. Sogar bei der äußerst gefragten Hefe gibt es keine Probleme, denn die bezieht der Geschäftsmann von einem Bäcker im benachbarten Walsrode. "Das sind 500-Gramm-Blöcke, die wir in haushaltsübliche Portionen kleinschneiden und an unsere Kunden weiterverkaufen."

Dankenbring und seine Mitarbeiter laufen derzeit zu Hochform auf - so wie Supermarkt-Beschäftigte in ganz Niedersachsen. Für alle gilt: Durchhalten bis Ostern und dann zumindest mal kurz die Beine hochlegen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.04.2020 | 16:00 Uhr

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