Corona: Steigt Inzidenz in Niedersachsen bis Ostern auf 100?

Stand: 15.03.2021 15:26 Uhr

Die Corona-Lage in Niedersachsen spitzt sich wieder zu: Innerhalb einer Woche ist die landesweite Inzidenz von 64,7 auf 79,1 gestiegen. Krankenhäuser könnten schnell an die Kapazitätsgrenze kommen.

"Die Zahlen steigen - noch nicht schnell -, aber die Tendenz geht ganz eindeutig wieder nach oben", sagte die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, auf der vorgezogenen wöchentlichen Corona-Pressekonferenz am Montag. Modellierungen des Landesgesundheitsamtes (NLGA) zufolge erreiche die landesweite Inzidenz bis Ostern wieder die 100-Marke. Auch werde die Zahl der Landkreise und kreisfreien Städte, die diesen Grenzwert überschreiten und damit zur Hochinzidenzkommune werden, weiter zunehmen, so Schröder.

Junge Menschen belegen Beatmungsplätze für längere Zeit

"Die Lage ist schon ernst", sagte Schröder. Die Auslastung der Krankenhäuser bewege sich aktuell auf einem hohen Niveau. Noch sei sie nicht dramatisch, "aber wir haben nach oben nicht mehr viel Luft". Bis sich die Zahl der Neuinfektionen in den Krankenhäusern niederschlage, vergingen etwa vier Wochen. Regierungssprecherin Anke Pörksen sagte, dass inzwischen auch mehr junge Menschen auf die Intensivstationen kommen. Diese "sterben glücklicherweise nicht so schnell wie ältere Patienten", aber sie lägen für längere Zeit an den Beatmungsplätzen. Es sei deshalb nicht ausgeschlossen, "dass wir nicht doch irgendwann Schwierigkeiten bekommen", so Pörksen.

Videos
Corona-Krisenstabs Leiterin Claudia Schröder bei einer Pressekonferenz. © NDR
63 Min

Montag, 15. März: Die Pressekonferenz in voller Länge

Die Inzidenz steigt, eine Chance auf Osterurlaub sieht die Regierung kaum. Hier können Sie die PK noch einmal anschauen. 63 Min

"Weit davon entfernt, die Infektion im Griff zu haben"

Mit Blick auf Forderungen von Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU), den Inzidenzwert zu einem "gewichteten Risikowert" weiterzuentwickeln, warnte Pörksen davor, vom Risiko hoher Inzidenzwerte abzulenken und "irreführende Signale" an die Menschen im Land zu senden. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) habe wiederholt gesagt, dass die Infektionslage angespannt sei und sich von Tag zu Tag verschärfe, sagte Pörksen. Der R-Wert liege oft über dem Faktor 1, was bedeutet, dass eine infizierte Person mehr als eine weitere ansteckt. "Niedersachsen und die Bundesrepublik sind weit davon entfernt, die Infektion im Griff zu haben", so Pörksen. "Wir halten es für vollständig falsch, das Problem kleinzureden und zu nivellieren." Sollte sich die Situation in den Krankenhäusern weiter zuspitzen, "können wir nicht ausschließen, dass wir wieder stärker auf Bremse treten müssen", erklärte Pörksen.

Kaum Chance auf Osterurlaub in Niedersachsen

Eine Chance für Osterurlaub in Niedersachsen sieht die Regierungssprecherin kaum. "Die Situation sieht nicht so aus, als ob wir das realisieren können", sagte sie. Auch warnte sie vor den Gefahren eines kurzfristigen Urlaubs auf Mallorca. Wer jetzt dorthin fliege, müsse sich über das hohe Risiko bewusst sein. Zwar sei die Inzidenz auf der spanischen Insel aktuell niedriger als in Niedersachsen, aber dort würden sich Menschen aus ganz Deutschland und Europa treffen - und es bestehe die Gefahr, dass sich Infektionen verbreiten. "Diesem Risiko müsste man sich nicht aussetzen", sagte Pörksen. Es sei absehbar, dass sich die Pandemie dem Ende nähere und vielleicht könne der ein oder andere den Wunsch nach einer Fernreise noch zurückstellen.

Warnung vor Mallorca-Reise

Ein großes Problem sei, dass derzeit niemand, der aus Mallorca zurückkehre in Quarantäne müsse. Es seien nicht einmal Testungen an Flughäfen vorgesehen. "Man holt sich da sehenden Auges ein richtiges Problem ins Land", sagte Pörksen. Schröder erklärte, dass viele Menschen nicht am Urlaubsort krank würden, sondern auf der Rückreise und zu Hause andere anstecken und das Virus weiterverbreiten.

Die Bundesregierung hatte am Freitag entschieden, Mallorca und andere Regionen in Spanien, Portugal und Dänemark von der Liste der Corona-Risikogebiete zu streichen und damit auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amts aufzuheben. Ein niedersächsischer Alleingang im Umgang mit Reiserückkehrern in Bezug auf Tests und eine Quarantäne ergebe keinen Sinn, sagten Schröder und Pörksen. Niedersachsen werde deshalb beim Bund noch einmal anfragen, wie die Sicherheit von Reiserückkehrern geregelt werden könne.

Weitere Informationen
Die Schulranzen von Schülern einer vierten Klasse einer Grundschule sind während des Unterrichts neben den Tischen der Kinder zu sehen. © picture alliance Foto: picture alliance/dpa | Matthias Balk

Niedersachsen: Weitere Klassen zurück im Wechselunterricht

Das betrifft die Jahrgänge 5 bis 7 und 12. In einigen Kommunen ist die Inzidenz zu hoch, dort gilt weiter Homeschooling. mehr

Ein Mann wird auf das Coronavirus getestet. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Corona: Inzidenz in Niedersachsen liegt jetzt bei 61,8

Das Robert-Koch-Institut meldet 659 Neuinfektionen und zehn weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. mehr

Mit Blumen dekorierte Tische stehen vor einem Cafe in der Innenstadt von Lübeck.

Corona-News-Ticker: Inzidenz in SH sinkt auf 36,5

Dem Gesundheitsministerium in Kiel wurden 140 Neuinfektionen gemeldet. Mehr Corona-News im Ticker. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Der Podcast mit Drosten & Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 15.03.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Impfstoff Pfizer Biontech © NDR/ARD Foto: Screenshot

Kühlung vergessen: Oldenburg vernichtet Biontech-Impfstoff

504 Dosen des Impfstoffs musste das Impfzentrum entsorgen. Ein Mitarbeiter hatte einen der Kartons vergessen. mehr