Corona: Niedersachsen stellt weniger Impfstoff zurück

Stand: 16.02.2021 16:45 Uhr

Nach Angaben des Krisenstabs-Chefs Heiger Scholz sollen künftig nur noch 20 bis 25 Prozent des Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Zweitimpfungen zurückgestellt werden.

Mit den dadurch frei werdenden zusätzlichen Dosen will Niedersachsen bei den Erstimpfungen im Bundesvergleich aufholen. Grundlage ist eine neue Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums. Dadurch werde sich die Quote der Erstimpfungen deutlich erhöhen. Mit den bislang zurückgestellten 96.000 Dosen könnten in Kürze rund 1,2 Prozent der Bevölkerung geimpft werden und Niedersachsen in der Impfstatistik so die Lücke zu den anderen Bundesländern verkleinern. Für den Impfstoff von Moderna gebe es mangels Lieferungen keine Rückstellempfehlung, die Vakzine von AstraZeneca müsse aufgrund der größeren Abstände zwischen Erst- und Zweitimpfung und der Verfügbarkeit nicht zurückgehalten werden, so Scholz.

Häufigkeit der Nebenwirkungen überrascht den Krisenstab

Die gehäuft auftretenden Nebenwirkungen des Impfstoffs von AstraZeneca sieht Scholz mit leichter Sorge. Teilweise hätten sich an Kliniken bis zu 50 Prozent der Geimpften krankgemeldet, berichtete er. Grundsätzlich seien bei Vektorimpfstoffen Symptome zu erwarten, die Häufung der Nebenwirkungen sei aber gleichwohl überraschend, betonte Scholz. Allerdings habe es bislang glücklicherweise keine schweren Verläufe gegeben. Eine Analyse zu den Gründen gebe es noch nicht. Selbst ein Chargenproblem sei nicht auszuschließen. Regierungssprecherin Anke Pörksen ergänzte, dass grippeähnliche Symptome nach der Impfung sogar ein durchaus positives Zeichen seien. Laut Experten zeige sich dadurch, dass der Körper reagiert und die Impfung anschlägt.

Videos
Niedersachsens Krisenstabsleiter Heiger Scholz und Regierungssprecherin Anke Pörksen sprechen auf der Krisenstab-Pressekonferenz. © NDR
54 Min

Corona-Krisenstab: Die Pressekonferenz in voller Länge

Der Krisenstab äußerte sich am Dienstag zur Impfstoff-Rückstellung, Impfstoff-Nebenwirkungen und weiteren Corona-Themen. 54 Min

Leichte Anpassungen beim Impfverfahren

Scholz kündigte an, dass die Impfungen der Gruppe mit der höchsten Priorisierung voraussichtlich bis Anfang April abgeschlossen werden können. Diese umfasst neben allen Menschen ab 80 Jahren auch das Personal in Pflegeeinrichtungen und Kliniken. Beim Anmeldeverfahren für die zweite Gruppe werde es möglicherweise Veränderungen geben, sagte Scholz. So werde beispielsweise darüber nachgedacht, die Berechtigten gestaffelt einzuladen, um Überlastungen bei der Terminvergabe zu vermeiden. Außerdem sei es geplant, eine Untergruppe mit den 75- bis 79-Jährigen zu bilden, die dann Vorrang vor den "jüngeren Alten" ab 70 Jahren haben sollen. Das genaue Prozedere werde derzeit erarbeitet, so Scholz. Mit dem Impfstoff von AstraZeneca, der nur für Menschen bis 65 Jahre empfohlen wird, sollen unabhängig davon sobald wie möglich Menschen mit erheblichen Vorerkrankungen und bestimmte Berufsgruppen wie die Polizei geimpft werden.

Flächendeckende Tests auf Mutationen geplant

Mit Blick auf die Mutationen kündigte die Landesregierung an, dass in Niedersachsen künftig flächendeckend bei möglichst jeder nachgewiesenen Corona-Infektion auf Virusvarianten getestet werden soll. Diese machten in einigen Teilen des Landes wie etwa der nördlichen Region Hannover bereits rund 40 Prozent der Infektionsfälle aus, sagte Scholz. Landesweit liege der Anteil der festgestellten Virus-Mutationen bei rund zehn Prozent. Nach Information des Landesgesundheitsamtes testen inzwischen die meisten der großen Labore auf das Vorliegen von Corona-Mutanten.

Weil: Reisepläne für Ostern noch zu früh

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte bereits am Montag betont, dass es für eine Einschätzung zu möglichen Reisen in den Osterferien noch zu früh sei. "Wir müssen abwarten, wie sich die Inzidenzen in Deutschland und auch der so genannte R-Wert, also die Zahl der Menschen, die ein Infizierter im Schnitt ansteckt, weiter entwickeln werden", sagte er. Außerdem lasse sich noch nicht absehen, wie schnell und wie intensiv sich die Virusmutationen verbreiten werden. "So gerne ich den an einer Reise Interessierten und dem Beherbergungsgewerbe Orientierung geben würde, definitive Aussagen sind leider noch nicht möglich", so der Ministerpräsident. Klar sei, dass das Risiko einer dritten Welle möglichst gering gehalten werden müsse. Die Osterferien in Niedersachsen beginnen am 29. März.

 

Weitere Informationen
In Bewegungsunschärfe aufgenomme Szene in der Menschen eine Straße überqueren. © picture alliance Foto: Hauke-Christian Dittrich

Corona: Niedersachsen will schrittweise Lockerungen

Es wird auf Impfungen und Tests gesetzt. Der Lockdown gilt aber vorerst weiter. Die Schulen nehmen Präsenzunterricht auf. mehr

Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt für einen Corona-Test einen Abstrich von einer Frau © picture alliance/dpa Foto: Moritz Frankenberg

Corona: 870 Neuinfektionen in Niedersachsen gemeldet

Das Landesgesundheitsamt registriert 17 weitere Todesfälle. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt leicht auf 63,1. mehr

Manuela Schwesig.

Coronavirus-Blog: MV öffnet Handel teilweise und setzt auf Luca-App

Die Landesregierung in Schwerin wird zudem die bislang bestehenden Kontaktbeschränkungen lockern. Mehr Corona-News im Blog. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Der Podcast mit Drosten & Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr

 

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.02.2021 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Zahlreiche Kunden warten auf die Öffnung einer Filiale von Aldi in Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

Discounter startet Verkauf von Corona-Schnelltests

Die Kassenärztliche Vereinigung begrüßt den Schritt. Experten haben allerdings große Zweifel an der Zuverlässigkeit. mehr