Bei einer "Querdenken"-Demonstration protestierten die Teilnehmer gegen die Anti-Corona-Maßnahmen. © dpa-Bildfunk Foto: Michael Bahlo/dpa

Corona-Leugner: Weitere "Querdenker"-Demo in Aurich

Stand: 14.11.2020 18:23 Uhr

Nachdem am Freitag in Vechta und Hannover Hunderte Menschen gegen die Corona-Beschränkungen protestiert haben, zog am Sonnabend ein Protestzug durch Aurich.

Nach Angaben der Polizei versammelten sich rund 200 Menschen für die Demonstration des Bündnisses "Querdenken" gegen 14 Uhr vor der Auricher Sparkassen-Arena. Anschließend machten sie sich gemeinsam auf den Weg durch die Stadt. Dabei sei es ruhig und friedlich geblieben, sagte eine Polizeisprecherin. Einige Teilnehmer mussten allerdings auf einzuhaltende Abstände oder das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung hingewiesen werden. Es wurden laut der Sprecherin drei Platzverweise ausgesprochen, da sich die Personen trotz mehrfacher Aufforderung weigerten, eine Maske zu tragen. Außerdem leiteten die Beamten acht Ordnungswidrigkeitenverfahren ein.

Gegendemonstration mit rund 150 Menschen

Auf dem Marktplatz der Stadt kamen zeitgleich rund 150 Gegendemonstranten zusammen. Mit bunten Bändern als Abstandshalter und bunten Mund-Nase-Bedeckungen wollten sie laut der Organisatoren vom Verein "Aurich zeigt Gesicht" deutlich machen, dass ein Leben trotz Corona-Maßnahmen möglich ist.

Arzt organisiert Demos in Vechta und Hannover

Menschen bei einer Kundgebung von Gegnern der Coronaschutzmaßnahmen in Vechta. © NDR Foto: Thomas Schwierzi
In Vechta versammelten sich rund 150 Demonstranten um Schiffmann.

Am Freitag hatten sich Anhänger und Unterstützer des Arztes Bodo Schiffmann zunächst in Vechta getroffen. Statt der vom Veranstalter erwarteten 500 Demonstranten zählte die Polizei rund 150 Teilnehmer. Schiffmann fährt mit Gleichgesinnten in einem Bus durch verschiedene Städte, um seine Sicht auf die Pandemie darzulegen. Er bezeichnete Masken und andere Maßnahmen als sinnlos oder überzogen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet.

"Querdenker" verstoßen gegen Auflagen

Zu einer weiteren, ebenfalls von dem Mediziner veranstalteten Demo in der Landeshauptstadt kamen am Nachmittag rund 450 Menschen, wie die Polizei mitteilte. Viele trugen demnach keine Maske und hielten sich nicht an den Mindestabstand. "Wir haben einige Verstöße festgestellt und versucht, sie konsequent zu ahnden", sagte ein Polizeisprecher am Einsatzort. Mehrfach überprüfte die Polizei Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht und wies Menschen an, mehr Abstand zu halten. Rund 90 weitere Frauen und Männer versammelten sich auf dem gleichen Platz zu einer Gegendemonstration unter dem Motto "Für Gesundheitsschutz und gegen Pandemieleugnung".

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Nur vier Verstöße geahndet

Laut der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" wurden lediglich vier Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Demonstranten wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht eingeleitet. Die Polizei begründet die geringe Zahl damit, dass es sich lediglich um einen Zwischenbericht handele. Es könnten im Verlauf der Ermittlungen noch weitere Verfahren eingeleitet werden, sagte ein Sprecher. Die Frage, ob ein Verstoß gegen die Maskenpflicht mit einer Ordnungswidrigkeit geahndet werde oder nicht, sei immer eine Einzelfallentscheidung.

Niedersächsische Politiker unterstützen Söders Vorstoß

Unterdessen hat am Freitag der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gefordert, dass sich der Verfassungsschutz intensiver mit den radikalen Elementen in der "Querdenker"-Bewegung beschäftigen müsse. Auch der innenpolitische Sprecher der Union, der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg findet es zwar wünschenswert "querzudenken", aber nur in den Grenzen der Verfassung. Solange sich "Querdenker" nicht von Extremisten und Reichsbürgern in ihren Reihen abgrenzten, sei es richtig, wenn der Verfassungsschutz genauer hinschaue. Das findet auch die grüne Bundestagsabgeordnete und Innenpolitikerin Filiz Polat aus Osnabrück. Der Verfassungsschutz müsse seinen Blick auch auf die "Querdenker" richten, sollten sich unter ihnen Verfassungsfeinde und Rechtsextreme befinden. Der Göttinger Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle, und innenpolitische Sprecher der FDP, hält es für bedenklich, dass unter den Gegnern der Corona-Maßnahmen immer mehr gefährliche rechtsextremistische Gruppen seien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Aktuell | 14.11.2020 | 16:00 Uhr

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