Zwei Rettungswagen stehen an der Zentralen Notaufnahme vom KRH Klinikum Agnes Karll Laatzen in der Region Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Corona-Lage: Niedersachsen zu Patientenübernahmen bereit

Stand: 13.11.2021 17:20 Uhr

In Niedersachsen steigen die Corona-Zahlen weiter an. Im Vergleich zu anderen Bundesländern steht das Land zwar verhältnismäßig gut da und will helfen. Doch die Kapazitäten sind endlich.

Die Krankenhausgesellschaft in Niedersachsen wies darauf hin, dass viele Kliniken ihre Intensivkapazitäten derzeit gar nicht voll nutzen könnten. Grund sei der Mangel an Pflegepersonal. Aufgrund der anhaltenden Belastungen des Personals durch die Corona-Pandemie hätten viele gekündigt oder ihre Arbeitszeit verkürzt.

Einzelne Intensivstationen bereits ausgelastet

Auf der anderen Seite rechnen die Verantwortlichen der Krankenhäuser damit, dass die Zahl der Covid-Erkrankten in den Kliniken wegen der schnell steigenden Zahl an Infizierten zunehmen wird. In einzelnen Regionen sind die Intensivbetten bereits voll ausgelastet. In acht Landkreisen sind mehr als zehn Prozent der Intensivbetten durch Covid-19-Patienten belegt (Stand: 12. November). Spitzenreiter ist Gifhorn - dort lag der Anteil am Freitag bei 41,7 Prozent.

Weil: Infektionen schwappen über

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) betonte am Freitag, dass Niedersachsen zwar insbesondere im Vergleich zu Bundesländern im Osten und Süden verhältnismäßig gut dastehe. Dennoch sei man besonders aufmerksam. Man habe einerseits in früheren Phasen der Pandemie gelernt, dass bei hohen Infektionszahlen in Grenzregionen die Gefahr groß ist, dass es "irgendwann überschwappt", so Weil. "Niedersachsen ist keine Insel und wird sich allgemeinen Entwicklungen kaum auf Dauer entziehen können."

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Niedersachsen bereit zu Patientenübernahmen

Darüber hinaus erwartet die Landesregierung auch, dass in den derzeit besonders stark betroffenen Bundesländern "irgendwann" die Krankenhausbetten knapp werden und entsprechende Verlegungsbitten auch Niedersachsen erreichen. "Dem werden wir natürlich, soweit wir können, entsprechen", sagte Weil.

Intensivmediziner-Präsident: "Echte Notsituation"

Bis es so weit ist, wird es womöglich gar nicht lange dauern. Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), geht davon aus, dass "schon bald" Patienten aus Corona-Hotspots in Kliniken außerhalb verlegt werden müssen. "Das ist eine echte Notsituation", sagte Marx der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Sonnabend). Im Vergleich zu vorherigen Wellen sei Deutschland in einer kritischeren Phase. Bundesweit könnten 4.000 Intensivbetten weniger belegt werden als vor einem Jahr. Grund: weniger und erschöpfte Pflegekräfte.

Kliniken bereiten sich auf Verlegungen vor

Vor allem im Süden und Osten Deutschlands bereiten sich Kliniken auf die Verlegung von Patienten auch in andere Bundesländer vor, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. In Thüringen, dem Land mit der zweithöchsten Sieben-Tage-Inzidenz, ist die Lage vor allem in absoluten Zahlen dramatisch: Von den 637 Intensivbetten waren zuletzt noch 82 frei. In Sachsen sind von 1.336 Intensivbetten noch 174 frei (13 Prozent).

"Verlegungen zum Erhalt der Funktionsfähigkeit"

In Bayern und Baden-Württemberg sollen bereits "täglich Verlegungen zwischen Krankenhäusern zum Ausgleich und zum Erhalt der Funktionsfähigkeit durchgeführt" werden. Das geht aus einem vertraulichen Bericht der Länder hervor, über den Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten.

Andere Länder winken ab

Dazu kommt: Die Aufnahmemöglichkeiten sind nicht überall in dem Maße vorhanden wie in Niedersachsen. Sachsen-Anhalt etwa kann zwar noch Kranke aus dem eigenen Land versorgen - aber: "Es sieht so aus, dass man keine Kapazität hat, Patienten aus anderen Bundesländern aufzunehmen", sagte ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.11.2021 | 09:00 Uhr

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