Ein Schild, das zu Ruhe aufruft, hängt in einer Schule an einer Absperrung. © picture alliance Foto: Ole Spata

Corona: Kultusministerium überarbeitet Abi-Prüfungsaufgaben

Stand: 14.01.2021 11:19 Uhr

Im Streit um die Abitur-Prüfungen zu Corona-Zeiten hat das Kultusministerium die Regelungen erneut angepasst. Zuvor hatte der Schulleitungsverband eine Absage sämtlicher Abschlussarbeiten gefordert.

Alle Prüfungsaufgaben würden im Ministerium noch einmal auf ihre Angemessenheit geprüft und möglicherweise überarbeitet, heißt in einem Schreiben an die Schulleitungen. Zudem sollen Inhalte, die dem vierten Semester zugeordnet sind, teilweise nicht prüfungsrelevant sein, um Unwägbarkeiten für den noch bevorstehenden Unterricht im kommenden Schulhalbjahr vorzubeugen. Die Maßnahmen seien beschlossen worden, um die Durchführung des landesweiten Zentralabiturs zu sichern, so das Kultusministerium.

Schulleitungsverband für Durchschnittsnote statt Prüfung

Der Schulleitungsverband Niedersachsen (SLVN) hatte sich am Mittwoch für den Verzicht auf Abitur-Prüfungen sowie Abschlussarbeiten für Haupt- und Realschüler ausgesprochen. Stattdessen sollten Durchschnittsnoten gebildet werden, heißt es in einer Stellungnahme des SLVN. Sowohl bei Abiturienten als auch für die Jahrgänge 9 und 10 könne es aber freiwillige Prüfungsersatzleistungen geben. Angesichts der hohen Corona-Zahlen und der Turbulenzen an den Schulen sei es "nicht vertretbar", das Abitur und die anderen Prüfungen zu schreiben, sagte die Vize-Vorsitzende des Verbands, Katharina Badenhop, dem NDR in Niedersachsen.

Videos
Grant Hendrik Tonne (SPD) mit Mund-Nasen-Schutz. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
2 Min

"Keiner wird wegen Corona den Abschluss nicht bekommen"

Welche Klassen lernen zu Hause, welche in geteilten Gruppen? Minister Tonne (SPD) zur kommenden Schulsituation. (11.01.2021) 2 Min

Niedersachsen könnte eine Vorreiterrolle einnehmen

"Wir können uns nicht vorstellen, dass das Abitur 2021 so stattfinden kann wie bisher", so Badenhop. Die Politik müsse sich bewusst machen, welche Ängste und Sorgen an den Schulen bestehen. Die Aufgaben einfacher zu machen oder Inhalte zu streichen, hält sie für "Flickschusterei". "Das ist uns zu wenig als Maßnahme", erklärte die Schulleiterin aus Hannover. Der Schulleitungsverband wünscht sich eine bundesweite Diskussion über die Absage von Prüfungen. Badenhop verweist auf die Infektionslage: "Mittlerweile hat sich das dermaßen zugespitzt, dass auch bundesweit Überlegungen gemacht werden müssen. Niedersachsen könnte den Vorreiter spielen und sagen: Wir gehen diesen Schritt."

GEW: Abitur ohne Prüfung müsste bundesweit anerkannt werden

Die Lehrergewerkschaft GEW unterstützt den Vorstoß der Schulleiter. "Für alle Beteiligten in den Schulen gilt, dass wir uns durch die Pandemie in einer extremen Sondersituation befinden", sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth. "In dieser Not wäre es die logische Folge, sämtliche Abschlussprüfungen an den allgemeinbildenden Schulen zu streichen." Auch die GEW verweist aber auf die Folgen eines solchen Schritts. Pooth weiter: "Auf die Abiturprüfungen in Niedersachsen kann verzichtet werden, wenn die im Jahr 2021 erworbene Hochschulreife bundesweit anerkannt wird. Daher fordern wir Kultusminister Grant Hendrik Tonne auf, diese Anerkennung im Rahmen der Kultusministerkonferenz sicherzustellen."

Minister fürchtet ein Abitur mit "Corona-Makel"

SPD-Politiker Tonne möchte aber an den Prüfungen festhalten. Es sei nicht im Sinne der Schülerinnen und Schüler, wenn die Abschlüsse einen "Corona-Makel" hätten, heißt es aus seinem Ministerium. Die Schüler hätten das Recht, "hochwertige" Abschlüsse zu machen. Allerdings: Das Ministerium schließt auch nicht aus, dass sich an diesem Kurs etwas ändert. Man hoffe, "dass sich durch den allgemeinen Shutdown die Gesamtlage derart stabilisiert, dass diese Planungen halten".

Philologen wollen das "Qualitätszeugnis" bewahren

Eine klare Absage an den Vorschlag des Schulleitungsverbandes kommt vom Philologenverband, in dem viele Gymnasiallehrer organisiert sind. "Das Abitur ist ein Qualitätszeugnis", sagte Verbandschef Horst Audritz. "Voreilig darauf zu verzichten, halten wir für nicht sinnvoll." Audritz verweist auf das Abitur im vergangenen Jahr - das habe trotz des damaligen Lockdowns verhältnismäßig gut funktioniert. In diesem Jahr sei noch gar nicht so viel Unterricht ausgefallen. Außerdem hätten die Schulen die Möglichkeit, notfalls auch eigene Aufgaben zu entwickeln - das alles spreche aus Sicht der Philologen dafür, an den bisherigen Plänen festzuhalten. "Wenn die Inzidenzzahlen enorm steigen sollten - 300, 400 - und das gesellschaftliche Leben vollkommen ausgesetzt wird, dann muss man neu denken", so Audritz.

Weitere Informationen
Ein Mädchen sitzt am häuslichen Esstisch und erledigt seine Hausaufgaben mithilfe eines Tablet PC. © Imago Images Foto: Fotostand

Niedersachsen: Das gilt bis 14. Februar für Schule und Kita

Fast alle Klassen lernen zu Hause. Grundschüler und Abiturienten dürfen im Wechselmodell zur Schule, müssen aber nicht. mehr

Stühle stehen auf Tischen in einem leeren Klassenzimmer einer Schule. © picture aliance / dpa-Zentralbild Foto: Peter Endig

Lehrerverbände fordern mehr Planungssicherheit für Schulen

Pädagogen wünschen sich einen klaren Plan der Politik. Aber sie zeigen auch viel Verständnis für die Maßnahmen. (07.01.2021) mehr

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) spricht während einer Pressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Peter Steffen

Tonne appelliert an Lehrer: "Nähe in der Distanz schaffen"

Niedersachsens Kultusminister hat die Beschränkungen an Kitas und Schulen im Land vorgestellt. (06.01.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.01.2021 | 11:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Die 84-jährige Karin Sievers wird im Hospital zum Heiligen Geist mit der zweiten Corona-Impfung geimpft. In dem Alten- und Pflegeheim in Poppenbüttel waren am 27. Dezember 2020 die ersten Bewohner und Mitarbeiter in Hamburg gegen das Virus geimpft worden. © picture alliance / dpa Foto: Axel Heimken

Corona-Impfungen: Ab heute startet Terminvergabe

Heute startet die Terminvergabe für über 80-Jährige in Niedersachsen. Doch es droht chaotisch zu werden. mehr

Saman Yussuf (Schüler), Kalsom Orya (Schülerin),	Marie Lassan (Klassenlehrerin) und	Matthias Meyer (Klassenlehrer). Von oben links nach unten rechts © NDR

NDR Serie: Die Klasse 9b - ab jetzt auch von zu Hause

Ein Jahr lang begleitet der NDR die 9b der IGS in Hannover-Mühlenberg. Seit Kurzem ist auch hier Homeschooling angesagt. mehr

Archivbild: Der ehemalige SS-Mann Oskar Gröning bei seinem Prozess im Jahr 2015.
3 Min

"Meilensteine aus Niedersachsen": Der NS-Prozess in Lüneburg

2015 musste sich mit 93 Jahren der ehemalige SS-Mann Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verantworten. 3 Min

Ein Baggerschiff fährt auf der Weser vor dem Containerterminal in Bremerhaven. © picture alliance / dpa | Ingo Wagner Foto: Ingo Wagner

Vertiefung der Außenweser: Grünes Licht aus Bremen

Der Planfeststellungsbeschluss für die Vertiefung der Unterweser von Brake bis Bremen ist unterdessen gekippt. mehr