Heiger Scholz, Leiter des Krisenstabes des Landes Niedersachsen, spricht auf einer Pressekonferenz zur Entwicklung der Coronakrise in Niedersachsen. © dpa-Bildfunk Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Corona-Krisenstabsleiter: Einsame Weihnachten drohen

Stand: 25.10.2020 17:30 Uhr

Ungebremst steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen Woche für Woche an. Wie entwickelt sich das Infektionsgeschehen bis Weihnachten? Einige Politiker und Experten sehen familiäre Treffen in Gefahr.

Bereits Ende September hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) davor gewarnt, dass es zu Weihnachten 19.200 Neuinfektionen am Tag geben werde, wenn sich die Zahlen wöchentlich so weiterentwickeln. Was vor vier Wochen noch vielfach abgetan wurde, ist von den aktuellen Zahlen nicht mehr weit entfernt. Seit Donnerstag überschreiten die täglich vom Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Neuansteckungen die Marke von 10.000 Fällen deutlich. Der Leiter des niedersächsischen Corona-Krisenstabes, Heiger Scholz, sagte dem NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen: "Ich werde immer skeptischer, was an Weihnachten gehen wird und was nicht." Gelinge es nicht, die Pandemie vorher zu bremsen, könne Weihnachten ein Superspreading-Event werden. "Ich würde im Moment nicht darauf wetten, dass es überall große Weihnachtsmärkte gibt oder Weihnachtsgottesdienste", sagte Scholz.

Kirche warnt vor Kontaktbeschränkungen an Weihnachten

Auch aus Sicht des Hauptgeschäftsführers des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, drohen "letztlich Einschränkungen in einem Bereich, der uns seelisch weh tun wird". Dagegen warnte Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, in der FAS davor, Ältere an Weihnachten allein zu lassen. Man müsse in Altenheimen die Balance finden. "Mit zunehmendem Wissen über die Ansteckungswege haben wir alle gelernt, dass einige Maßnahmen zu Beginn der Pandemie in mancher Hinsicht überzogen waren", sagte er. Auch der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, sagte, dass es gerade an den Festtagen für alte Menschen wichtig sei, Kontakt zu ihren Kindern und Enkelkindern zu haben und "das Gefühl zu haben, noch zu einer Familie zu gehören in einer solch emotional dichten Zeit".

Forderung nach strikteren Beschränkungen

Doch wie geht es weiter, wenn die Zahlen noch weiter ansteigen - so wie in vielen anderen europäischen Ländern? Die von Bund und Ländern beschlossenen Einschränkungen reichen aus Sicht des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach nicht aus, um überfüllte Intensivstationen und einen deutlichen Anstieg der Todeszahlen im Dezember zu verhindern. Das sagte der Bundestagsabgeordnete der "Bild am Sonntag". "Wenn es uns in den kommenden zwei bis drei Wochen nicht gelingt, die persönlichen Kontakte zu beschränken, werden die Zahlen in wenigen Wochen so stark gestiegen sein, dass uns nur noch ein erneuter Lockdown bleibt", so Lauterbach. Um das zu verhindern, fordert auch der Präsident des Groß- und Außenhandelsverbands, Anton Börner, das öffentliche Leben noch viel stärker als bisher herunterzufahren. "Je länger wir damit warten, umso größer wird der Schaden für die Gesundheit der Menschen und auch für die Wirtschaft", sagte er der "Bild am Sonntag". Deshalb fordert er jetzt ein entschlossenes Handeln, "auch wenn es schmerzhaft ist, damit uns nicht die Zeit davonrennt".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.10.2020 | 12:00 Uhr

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