Corona-Impfungen in Niedersachsen: Wie geht es weiter?

Stand: 29.01.2021 20:17 Uhr

Kommende Woche öffnen die ersten von insgesamt 50 Impfzentren im Land, um über 80-Jährige gegen Covid-19 zu impfen. Zunächst werden das wöchentlich nur mehrere Tausend Senioren nutzen können.

10.334 Menschen in Niedersachsen hatten bis Freitagnachmittag ihre Termine für Erst- und Zweitimpfung vereinbart, wie das Sozialministerium mitteilte. Die Behörde ging davon aus, dass bis zum Abend alle zunächst zur Verfügung stehenden Termine in den Impfzentren vergeben sein würden. Terminhotline und Onlineportal waren am Donnerstag wie erwartet ruckelig gestartet, viele Anrufer und User kamen nicht durch. Am ersten Tag hatten sich den Angaben zufolge zudem 6.000 Menschen auf Wartelisten für verschiedene Impfzentren eintragen lassen. Wie viele am Freitag hinzukamen, teilte das Ministerium nicht mit. In den kommenden Tagen werden zunächst keine weiteren Termine angeboten.

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Sozialministerium wartet auf größere Lieferungen

Knackpunkt der Impfkampagne ist der fehlende Impfstoff. Wann dieser zuverlässig geliefert wird, ist unklar. Am Dienstag erwartet das Land 58.500 Impfdosen von Biontech/Pfizer. Diese würden jedoch mitunter für die noch laufende Impfung von Heimbewohnern eingesetzt, wie die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, am Freitag sagte. Damit können dann rund 29.000 Menschen ihre Erst- und Zweitimpfung erhalten. Der Hersteller Moderna soll am Sonntag 8.400 Dosen für 4.200 Personen liefern. Das Sozialministerium rechnet allerdings damit, dass sich die Lieferung verzögert. Ab der zweiten Februarwoche wolle Biontech dann - wie vereinbart - wöchentlich 63.000 Dosen liefern, sagte Behördensprecher Oliver Grimm NDR.de. Von Moderna erwarte das Land ab der dritten Februarwoche die nächste Charge. "Wir wissen allerdings nicht wie viel kommt", sagte Grimm.

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Anfang kommender Woche will das Land die Impfzentren über die Verteilung des Impfstoffs für die letzten beiden Februarwochen informieren, hieß es weiter aus dem Sozialministerium. Die Impfzentren könnten dann Termine planen und in das Buchungssystem eingeben. Falls jemand im Impfzentrum seines Landkreises beziehungsweise seiner Stadt zunächst keinen Termin erhalte, könne er nicht auf ein anderes ausweichen. Damit sollen dem Ministerium zufolge zu weite Anfahrten und "Unwuchten bei der Impfstoffverteilung zwischen den Kommunen" verhindert werden. Dieser wird nach Einwohnerzahl der Landkreise ausgegeben.

Reimann: "Jeder erhält in nächsten Wochen einen Termin"

Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) warb am Donnerstag im Landtag um Verständnis für die Anlaufschwierigkeiten bei den Impfungen der über 80-Jährigen. Sie rechnet damit, dass bis Mitte Februar rund 30 der landesweit 50 Impfzentren den Betrieb aufnehmen. "Jeder wird in den nächsten Wochen einen Termin erhalten, die meisten nur nicht in den nächsten Tagen", sagte die Sozialdemokratin.

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Kritik an Ministerin - bis hin zu Rücktrittsforderungen

Mit Erklärungen und Versprechungen will sich Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) nicht mehr zufrieden geben. Der Christdemokrat fordert Ministerpräsident Weil auf, "endlich die personellen Konsequenzen für diese Schlechtleistungen im vergangenen Pandemiejahr" zu ziehen. "Was aus dem Sozialministerium heraus seit nun einem Jahr zusammengeschustert wird, reicht in anderen Bundesländern mindestens für eine Versetzung", schrieb Junk auf seiner Internetseite. Kritik an der Corona-Politik und dem Start der Terminvergabe kommt auch vom Landkreis Vechta. Die Telefone des Kreises seien überlastet gewesen, nachdem die vom Land angegebenen Leitungen zusammengebrochen waren. Die Impfdosen würden zudem nach undurchsichtigen Kriterien verteilt, sagte Vechtas Landrat Herbert Winkel.

Ärzte aus Vechta schreiben Brief an Ministerium

Der Leiter des Rettungsdienstes in Vechta, Oliver Peters, sowie die Leiter mehrerer Krankenhäuser zeigten sich verärgert, dass ihre Mitarbeiter trotz erhöhten Risikos bislang nicht geimpft worden sind. Das Land müsse dringend nachvollziehbare Richtlinien aufstellen, wie die Impfdosen gerecht verteilt werden. Die Chefärzte des Marienhospitals in Vechta haben einen entsprechenden Brief an das Sozialministerium geschrieben. Das berichtet die "Oldenburgische Volkszeitung". In dem Krankenhaus werden seit einem Jahr Covid-19-Patienten behandelt, die meisten kämen aus benachbarten Landkreisen.

Weil setzt auf Impfgipfel mit Merkel

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) unterstützt unterdessen den Plan, am Montag bei einem nationalen Impfgipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter zu beraten. "Wir brauchen jetzt verbindliche Angaben darüber, welche Impfmengen in der nächsten Zeit wirklich kommen werden", sagte Weil NDR Niedersachsen. Nötig sei eine verlässliche mittelfristige Planung der Impfstofflieferungen. "Wir müssen zu einer gleichmäßigen Versorgung gelangen, dann können wir diese Gesellschaft auch durchimpfen", sagte Weil, "unter den gegenwärtigen Bedingungen muss man sich Sorgen machen."

Insgesamt sind in Niedersachsen bisher rund 176.000 Corona-Impfungen verabreicht worden, darunter knapp 33.000 Zweitimpfungen.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 29.01.2021 | 19:30 Uhr

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