Corona: Impfungen für alle über 80-Jährigen ab Februar

Stand: 12.01.2021 19:57 Uhr

Ab dem 1. Februar sollen in Niedersachsen Menschen über 80 Jahre, die nicht in Heimen wohnen, geimpft werden. Die Einladungen werden ab kommender Woche verschickt, teilte die Landesregierung mit.

"Wir impfen mit Hochdruck die Alten- und Pflegeheime durch, aber wir wollen natürlich auch so schnell wie möglich allen über 80-Jährigen ein Impfangebot im Impfzentrum eröffnen", sagte die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, am Dienstag. Von kommendem Montag an sollen möglichst viele aus diesem Personenkreis angeschrieben werden. Ab dem 28. Januar können sich alle Berechtigten dann telefonisch oder online einen Termin in ihrem Impfzentrum reservieren. Dies gelte auch für jene, die kein Schreiben erhalten, weil ihre Adresse nicht bekannt sei, betonte Schröder. Regierungssprecherin Anke Pörksen kündigte an, die Menschen würden über alle zur Verfügung stehenden öffentlichen Kanäle informiert: "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir alle in Niedersachsen erreichen können, die zur ersten Gruppe gehören."

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Erste Gruppe umfasst rund 800.000 Menschen

Die Impfungen sollen in den landesweit rund 50 Impfzentren erfolgen. "Die Zentren freuen sich alle sehr darauf, dass es jetzt losgeht, sie sind sehr gut aufgestellt", sagte Schröder. Landesweit gehören nach Angaben des Gesundheitsministeriums rund 800.000 Menschen zur ersten Priorisierungsgruppe für die Impfungen. Dazu zählen neben den Menschen über 80 auch Pflegekräfte und medizinisches Personal. Auf einen Aufruf der Ärztekammer Niedersachsen haben sich laut Schröder rund 4.000 Ärztinnen und Ärzte gemeldet, die die Arbeit in den Impfzentren unterstützen wollen.

Landkreis Cloppenburg kommt den Senioren entgegen

Der Landkreis Cloppenburg geht bei den Impfungen für die über 80-Jährigen einen Sonderweg mit mobilen Impfzentren. Die Kommunen wollen damit den betagten Bürgerinnen und Bürgern entgegen kommen, damit diese sich unbürokratisch anmelden können und keine weiten Wege zu einem weit entfernten Impfzentrum zurücklegen müssen. Deshalb solle es bis zum Frühjahr nacheinander in allen Kommunen für die Senioren möglich sein, sich in ihrem Wohnort impfen zu lassen, sofern genügend Impfstoff vorhanden sei, kündigten die Bürgermeister der Städte und Gemeinden und Landrat Johann Wimberg (CDU) an. Start des Pilotprojekts ist am Sonnabend in Lastrup.

Zweite Impfung ab 17. Januar

Unterdessen sollen die ersten Geimpften am 17. Januar ihre zweite Dosis bekommen - 21 Tage nach der ersten Impfung, so Schröder. Damit erhielten diese Personen den vollständigen Impfschutz. Als erstes hatten mobile Impfteams in den Landkreisen Osnabrück und Cloppenburg am 27. Dezember Bewohner und Pflegekräfte ausgewählter Alten- und Pflegeheime geimpft. Pannen beim Transport oder der Lagerung des Impfstoffs wie in Bayern habe es in Niedersachsen bisher nicht gegeben, sagte Schröder. Nach der Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur dürfen auch hierzulande sechs statt der ursprünglich zugelassenen fünf Dosen pro Fläschchen verimpft werden.

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Zum Ende dieser Woche solle auch erstmals in Niedersachsen der Impfstoff des Herstellers Moderna verabreicht werden - und zwar in Krankenhäusern der Städte Osnabrück und Oldenburg, sagte Schröder. Zunächst erhält Niedersachsen 6.000 Dosen dieser Vakzine. Das bundesweite Zentrallager für diesen Impfstoff befindet sich in Quakenbrück im Landkreis Osnabrück. Weitere Lieferungen soll es laut Schröder alle 14 Tage geben. Ob Moderna die Lieferkette stabil aufrechterhalten könne, gelte es abzuwarten.

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Bislang keine Nebenwirkungen

Nach Angaben von Schröder sind in Niedersachsen bislang keine Nebenwirkungen der Impfung bekannt geworden. In einer Anfang Januar von der Ständigen Impfkommission aktualisierten Empfehlung heiße es, dass vereinzelt allergische Reaktionen aufgetreten seien - allerdings bei Personen, die ohnehin auf eine Vielzahl von Stoffen allergisch reagierten.

Mehr Tests auf Mutation aus Großbritannien

Unterdessen will Niedersachsen intensiver auf die britische Mutation des Coronavirus testen. Um stichprobenartige Tests auf die B.1.1.7-Mutation vornehmen zu können, baue das Landesgesundheitsamt seine Laborkapazität aus, sagte Schröder. Sobald die entsprechenden Laborgeräte geliefert seien, sollen die Untersuchungen starten. Bislang gab es nur anlassbezogene Tests auf die Mutation, die als wesentlich ansteckender gilt als die bisher bekannte Coronavirus-Variante. Bei einem solchen anlassbezogenen Test sei die Mutante bei zwei Personen aus dem Landkreis Vechta nachgewiesen worden, die Ende des Jahres aus Großbritannien zurückgekehrt waren. Laut Schröder hatten sie sich direkt nach ihrer Rückkehr in Quarantäne begeben und lediglich mit vier Personen aus dem eigenen Haushalt Kontakt gehabt, die sich ebenfalls in Quarantäne begeben mussten.

Keine Pflicht für FFP2-Masken in Niedersachsen

Derweil hat es Niedersachsen laut Schröder weiterhin mit einem "schnellen und flotten Infektionsgeschehen" zu tun. "Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um mit den Infektionszahlen runterzugehen", so Schröder. Eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften, wie sie ab Montag in Bayern gilt, soll es in Niedersachsen allerdings nichts geben, wie Regierungssprecherin Pörksen sagte. "Ohne dass ich mit dem Ministerpräsidenten über diese neue Idee aus Bayern gesprochen hätte, gehe ich mal davon aus, dass Niedersachsen eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske nur dann erwägen würde, wenn auch wirklich sichergestellt ist, dass alle Menschen in Niedersachsen kostenlosen Zugang zu einer solchen Maske hätten", sagte sie. Denn ansonsten würden Teile der Bevölkerung etwa von dem "durchaus lebensnotwendigen Besuch eines Supermarktes oder einer Bäckerei" ausgeschlossen. Oder sie könnten keine Busse und Bahnen nutzen, um etwa zum Arzt oder zur Apotheke zu kommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.01.2021 | 18:00 Uhr

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