VIDEO: Corona-Impfung: Was sagen Schülerinnen und Schüler? (3 Min)

Corona-Impfung für Schüler: Weil kritisiert Impfkommission

Stand: 27.05.2021 08:56 Uhr

Trotz einer möglichen Zulassung eines Corona-Impfstoffs für Kinder ab zwölf Jahren, könnte die Empfehlung dafür in Deutschland ausbleiben. Niedersachsens Ministerpräsident reagiert mit Unverständnis.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) gibt vermutlich morgen ihre Entscheidung bekannt, ob sie den Biontech-Impfstoff für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren zulässt. Von der Ständigen Impfkommission (Stiko) kamen zuletzt Signale, keine generelle Empfehlung für eine Impfung für diese Altersgruppe auszusprechen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kann das nicht nachvollziehen, wie er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND) sagte.

Ministerpräsident zeigt sich von Stiko-Signalen irritiert

"Kinder und Jugendliche können sich infizieren und das Virus weitergeben, deshalb müssen sie ein Impfangebot bekommen - sofern eine Zulassung vorliegt, bei der Nutzen und Risiken abgewogen wurden", sagte Weil. Dass die Stiko nun plötzlich den Sinn einer flächendeckenden Impfung von Schülerinnen und Schülern grundsätzlich in Frage stelle, irritiere ihn und auch viele andere Menschen.

Weil fordert Beschaffung der Impfdosen vom Bund

Über Corona-Impfungen für Kinder sprechen Weil und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der anderen Bundesländer heute auf einem gemeinsamen Impfgipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Niedersachsen will allen Schülern ab 12 Jahren ein Impfangebot machen - vorausgesetzt der Impfstoff wird für diese Altersklasse zugelassen, die Stiko spricht eine entsprechende Empfehlung aus und der Bund stellt die dafür notwendigen zusätzlichen eine Million Impfdosen bereit. "Der Bundesgesundheitsminister hat die klare Erwartung geweckt, dass allen Schülerinnen und Schülern ein Impfangebot gemacht wird, sobald der Impfstoff für sie zugelassen ist", sagte Weil. Er erwarte, dass der Bund dann auch ausreichend Impfdosen zur Verfügung stellt.

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Lehrerverband warnt vor Verunsicherung von Eltern und Kindern

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnt angesichts der unterschiedlichen Signale aus Politik und Wissenschaft bezüglich einer Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche vor einer "großen Verunsicherung von Eltern und Kindern". Das sagte er den "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Sein Lehrerverband würde sich "natürlich wünschen", wenn alle Schülerinnen und Schüler ein Impfangebot bekommen und dieses auch wahrnehmen. "Aber wenn die Stiko sagt, dass die Risiken noch zu wenig untersucht wurden, können und wollen wir das als Lehrerverband nicht anzweifeln", sagte Meidinger.

Ärzte halten Impfungen noch nicht für angebracht

Kritik an Impfungen für Kinder und Jugendliche kommt auch vonseiten der Ärzte. Jens Wagenknecht vom Hausärzte-Verband sagt, Impfstoff sei noch knapp, es müssten zuerst ältere Menschen und Risikopatienten geimpft werden. Und der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte hält die Zeit für noch nicht reif, die Studienlage sei noch viel zu schlecht. Die Zulassungsstudie der EMA umfasse nur etwa 1.000 Kinder, sagte Thomas Buck, Obmann des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte im Bezirk Hannover. Man wisse zum einen noch viel zu wenig darüber, wie Kinder die Impfung vertragen würden. Zum anderen sei das Risiko, schwer am Coronavirus zu erkranken, bei Kindern sehr klein. Der Hausärzteverband mahnte zudem, zunächst alle älteren und vorerkrankten Menschen zu impfen.

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Jugendmediziner: Kinder in Praxen impfen lassen

Darüber hinaus lehnt Mediziner Buck es ab, Kinder und Jugendliche über ein gemeinsames Angebot von Schulen und Impfzentren immunisieren zu lassen. Wenn Kinder überhaupt geimpft werden sollten, dann müsste das in Kinder- und Hausarztpraxen geschehen. Bei vorerkrankten Schülerinnen und Schülern könne es vielleicht sinnvoll sein, zu impfen und auch eine heftige Impfreaktion in Kauf zu nehmen. Jedenfalls sollten Kinder und Eltern in der Praxis individuell beraten werden, so Buck weiter. Die Sprecherin der Kinder- und Jugendärzte in Niedersachsen, Tanja Brunnert sagte dem NDR in Niedersachsen: "Wir sind die, die auch im Vorfeld schon immer beraten und den Eltern beim Thema Impfungen zur Seite gestanden haben; und die Eltern vertrauen uns." Sie plädiert dafür, die niedergelassenen Kinder- und Jugendmediziner in die Impfkampagne mit einzubinden. Andernfalls befürchtet sie, dass der Impffortschritt nicht schnell genug vorangeht.

Schulleiter-Verband hofft auf mehr Normalität

Bei Niedersachsens Schulleitern hatte die Ankündigung von Kultus- und Gesundheitsministerium dagegen Erleichterung ausgelöst. Es sei ein großer Schritt zu mehr Normalität, sagte der Geschäftsführer des Verbands der niedersächsischen Schulleiter, René Mounajed am Dienstag. Er finde es gut, dass das Land vorangehe und ein Konzept vorlege. Die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler habe hohe Priorität. Mounajed sprach allerdings auch von einem großen Aufwand. Er selbst leitet eine Schule in Hildesheim mit mehr als 1.500 Schülern. Noch sei etwa die Frage nicht geklärt, ob an den Schulen oder in den Impfzentren geimpft werde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.05.2021 | 08:00 Uhr

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