Stand: 06.05.2020 13:43 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Corona: Haftaufschub für Kleinkriminelle

Ein Beamter des Justiz Vollzuges geht durch einen Gang in einem Gefängnistrakt. © NDR Foto: Julius Matuschik
Insassen in den Gefängnissen sind bisher nicht an Corona erkrankt - allerdings acht Bedienstete.

In Niedersachsen müssen verurteilte Kleinkriminelle wegen der Corona-Pandemie derzeit ihre Haftstrafen nicht antreten. Das teilte das Justizministerium auf Anfrage von NDR Niedersachsen mit. Insgesamt 88 verurteilte Straftäter mit einer Haftstrafe von weniger als zwölf Monaten müssen derzeit nicht ins Gefängnis, so ein Ministeriumssprecher. Es handele sich dabei vor allem um Verurteilte, die eine Geldstrafe nicht bezahlt haben - Sexualstraftäter oder Gewaltverbrecher hingegen gehören nicht dazu. Mit dem Haftaufschub will das Ministerium die Lage in den Haftanstalten entspannen und zusätzliche Kapazitäten schaffen.

Bisher keine Insassen erkrankt - Bedienstete aber schon

In Niedersachsens Gefängnissen seien wegen der Corona-Pandemie spezielle Aufnahme- und Isolierräume eingerichtet worden, damit sich das Virus in den geschlossenen Anstalten nicht verbreitet. Bislang seien dem Ministerium auch keine mit Coronavirus infizierten Gefangenen bekannt. Allerdings seien insgesamt acht Bedienstete an Covid-19 erkrankt, fünf von ihnen seien mittlerweile wieder genesen und im Dienst. Wie lange der Haftaufschub noch gewährt werde, sei noch unklar. Sobald sich herausstelle, dass Isolierräume nicht mehr benötigt werden, würden auch wieder alle Haftbefehle vollstreckt.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.05.2020 | 12:00 Uhr

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