Eine Krankenpflegerin arbeitet in Schutzkleidung in einem Krankenzimmer auf der Intensivstation. © picture alliance/dpa Foto: Marcel Kusch

Corona: Forscher warnen vor stark steigenden Todeszahlen

Stand: 31.10.2020 13:52 Uhr

Zuletzt haben sich wieder mehr Menschen über 60 mit dem Coronavirus infiziert. Göttinger Wissenschaftler erwarten daher in den ersten beiden Novemberwochen jeweils eine Verdopplung der Todesfälle.

Bis Ende September breitete sich das Virus vor allem unter jüngeren Menschen aus - seitdem aber dreht sich der Trend. Ältere sind wieder stärker betroffen. Mit einem Zeitverzug von ungefähr zwei Wochen wird dies zu einem deutlichen Anstieg der Zahl der Toten in Deutschland führen - zu diesem Schluss kommt ein Forscher-Team des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation. Bereits jetzt sei ein Anstieg "klar zu beobachten".

500 bis 800 pro Woche - oder mehr

Modellrechnungen zeigten, "dass die Zahl der Todesfälle durch Covid-19 in Deutschland bereits Anfang November auf 500 bis 800 pro Woche zunehmen dürfte", sagte Viola Priesemann, Leiterin der Forschungsgruppe. Möglicherweise werde der Anstieg sogar stärker ausfallen.

"Ein Kipp-Punkt ist überschritten"

Die Hauptursache dafür, dass sich wieder mehr Ältere anstecken, sehen die Forscher in der steigenden Zahl unerkannter Infektionen. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder nach ihren Beratungen am Mittwoch mitteilten, ist mittlerweile bei 75 Prozent der Infektionen nicht nachvollziehbar, wo die Ansteckung stattgefunden hat. Die Nachverfolgung aller Kontakte eines Infizierten mit entsprechender Quarantäne ist nicht mehr möglich. "Die Dunkelziffer, also die Zahl der unerkannten Träger des Virus, steigt offensichtlich", so Priesemann. "Damit haben wir in vielen Landkreisen einen Kipp-Punkt im Infektionsgeschehen überschritten, ab dem es schwierig wird, die Epidemie zu kontrollieren."

Forscher: Zahlen senken, sonst kommen sehr viel strengere Regeln

Aus Sicht der Wissenschaftler gibt es nur einen Weg, den Trend umzukehren. "Um die Kontrolle über das Infektionsgeschehen wiederzuerlangen, müssen die Fallzahlen unverzüglich gesenkt werden", schreiben sie im Deutschen Ärzteblatt. "Andernfalls werden die Eindämmung der Ausbreitung und der Schutz der Risikogruppen zwangsläufig sehr viel restriktivere Maßnahmen erfordern - spätestens, wenn die Krankenhauskapazität ausgeschöpft ist."

Neue Corona-Regeln gelten vier Wochen

Ab Montag gelten deutschlandweit neue Einschränkungen, um die unkontrollierte Ausbreitung zu stoppen. Die Maßnahmen sind zunächst bis Ende November befristet - nach der Hälfte der Zeit wollen Bund und Länder erneut beraten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.10.2020 | 10:00 Uhr

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