In einem Hähnchenmastbetrieb sind viele kleine Küken zu sehen. © dpa - Bildfunk Foto: Jens Büttner

Bund bringt Verbot von Kükenschreddern auf den Weg

Stand: 20.01.2021 18:03 Uhr

Die Bundesregierung hat ein Verbot für das Schreddern männlicher Küken auf den Weg gebracht. Es soll Anfang 2022 in Kraft treten.

Niedersachsen ist nicht nur Schweine- sondern auch Geflügelland. Bauern halten hierzulande mehr als 100 Millionen Tiere. Bislang ist es auch in Niedersachsen in der Legehennenproduktion gelebte Praxis, männliche Küken nach dem Schlüpfen zu schreddern, weil die Aufzucht aus Sicht der Landwirte unproduktiv ist. Deutschlandweit sterben so jedes Jahr 45 Millionen sogenannte Eintagsküken. "Diese unethische Praxis gehört dann der Vergangenheit an", sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU). Sie sprach von einem "bedeutenden Fortschritt für den Tierschutz". Künftig soll das Geschlecht der Küken bereits im Ei bestimmt werden.

Niedersachsens CDU begrüßt Beschluss

Zustimmung kommt aus der niedersächsischen Landesregierung. CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer sagte: "Wir begrüßen es ausdrücklich, dass das Bundeskabinett die Vorlage von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner heute verabschiedet hat. Unsere Landwirte bekommen mit dem heute im Bundeskabinett gefassten Beschluss Klarheit und praktikable Lösungen durch die Politik."

Tier- und Umweltschützer kritisieren Entwurf

Das sieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) anders: "Statt männliche Küken zu töten, werden in Zukunft die Eier aussortiert. Das kann keine Lösung sein", sagte der Vorsitzende Olaf Bandt. "Wir brauchen den längst überfälligen Umbau der Tierhaltung hin zu einem System, das keine Tiere aussortiert, weil sie scheinbar nutzlos sind." Ähnlich äußerte sich der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Martin Rücker. "Wer Tierschutz möchte, muss den tierquälerischen Irrsinn der Hochleistungshennen beenden", sagte er. "Wenn nur die grausame Praxis des Kükentötens in Deutschland beendet wird, ändert dies an dem unerträglichen Leid der Legehennen rein gar nichts." Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, sagte, das Gesetz komme zu spät. "Die Ministerin tauscht Tierleid gegen Tierleid, um ein aus dem Lot geratendes Hochleistungszuchtsystem ökonomisch am Laufen zu halten", so Schröder.

Weitere Informationen
Küken hocken eng beieinander. © dpa Foto: Jens Büttner

Tierwohl: Geflügelbranche fordert Unterstützung

Die niedersächsische Geflügelwirtschaft fordert von Politik und Verbrauchern finanzielle Unterstützung für tierfreundlichere Haltung. Denn: Das Kükentöten soll Ende 2021 verboten werden. (09.09.2020) mehr

Küken sitzen eng beieinander in einer grünen Kiste auf einem Fließband. © NDR

Kükentöten: Niedersachsen will schnellen Ausstieg

Die Geflügelwirtschaft will offenbar über das Jahr 2021 hinaus männliche Küken töten. Niedersachsens Agrarministerin Otte-Kinast reagiert enttäuscht auf die Verbandspläne. (17.12.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.01.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Eine Krankenpflegerin zieht eine Schutzausrüstung an. © Picture Alliance Foto: Kay Nietfeld

Pflegekräfte und Kita-Beschäftigte erkranken öfter an Covid

Das geht aus Zahlen der Techniker Krankenkasse für das Jahr 2020 hervor, die NDR Niedersachsen vorliegen. mehr