Stand: 14.01.2019 19:00 Uhr

Brexit: Niedersachsens Wirtschaft in Sorge

Großbritannien ist speziell für Niedersachsen ein wichtiger Handelspartner: Das Land gehört seit Jahren neben den Niederlanden und Frankreich zu den wichtigsten Abnehmern niedersächsischer Exporte - insbesondere in der Autoindustrie. Rund 120 Firmen aus Niedersachsen produzieren in Großbritannien oder haben Niederlassungen dort, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Entsprechend nervös blicken die Firmen vor der Abstimmung über den Brexit-Vertrag am Dienstagabend nach London. Das größte Problem ist, dass kaum jemand abzuschätzen vermag, wie sich der Brexit im Alltag konkret auswirken wird.

Großbritannien für VW zweitwichtigster Markt in Europa

Die Wirtschaft geht davon aus, dass es im schlimmsten Fall komplizierter, langwieriger und teurer wird, Produkte und Teile nach Großbritannien zu liefern. Einige haben ihre Lager auf der Insel schon entsprechend aufgefüllt, Volkswagen etwa. Ein harter Brexit, also ein Ausstieg ohne Vertrag, würde den Konzern vermutlich empfindlich treffen. Großbritannien ist für den Autobauer der zweitwichtigste Markt in Europa. VW gehe davon aus, dass ein harter Brexit Auswirkungen auf den Absatz hätte, sagte Vetriebsvorstand Christian Dahlheim vergangene Woche. Man sei aber auf alle Szenarien vorbereitet.

Zunehmend herrscht Verärgerung

Ähnlich klingt es bei der TUI. Europas größter Reisekonzern bereitet sich nach eigenen Angaben seit 2016 auf den Brexit vor. Die Lage sei aber unübersichtlich. Das Unternehmen könnte theoretisch sogar die Start- und Landerechte für seine Ferienflieger verlieren. Tilmann Brunner von der IHK Hannover sagt ebenfalls, dass die Unternehmen verunsichert seien. Zunehmend herrsche aber auch Verärgerung. "Man wünscht sich, dass endlich klar ist, was passiert - egal, in welche Richtung."

"Ein historischer Tag"

Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Verbands NiedersachsenMetall, geht noch weiter. Er sagt, dass der Brexit eine historische Fehlentscheidung sei, die man jedoch akzeptieren müsse. Jetzt könne nur gehofft werden, dass es einen geordneten Brexit gebe. Ein harter Brexit würde erheblichen Schaden anrichten. "Die wirtschaftlichen Verflechtungen sind zu eng, als dass man sie von heute auf morgen durchtrennen könnte", sagte Schmidt. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sieht das ähnlich. Ein sogenannter No-Deal-Brexit wäre fatal für die deutsche, die niedersächsische und die britische Wirtschaft. "Insofern ist Dienstag ein ganz wichtiger historischer Tag für Europa", sagte Althusmann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.01.2019 | 08:00 Uhr

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