Stand: 22.04.2020 18:58 Uhr

Boni für Pflegekräfte: Woher kommt das Geld?

Eine Situation auf einer Pflegestation. © dpa
Bonuszahlungen als Anerkennung für die Mehrarbeit in der Corona-Krise: Aber wer soll zahlen? (Themenbild)

In der Debatte um Boni für Pflegekräfte beklagt die Pflegekammer Niedersachsen die fehlende Bereitschaft von Krankenkassen und Politik, die entstehenden Mehrkosten zu übernehmen. "Die jetzige Diskussion um die Finanzierung einer steuerfreien Bonuszahlung, in der Zuständigkeiten hin und her geschoben werden, ist wie ein Schlag ins Gesicht der Pflegenden", sagte die neue Kammerpräsidentin Nadya Klarmann am Mittwoch in Hannover. Viele Arbeitgeber könnten sich Pflegekräfte-Boni ohne Refinanzierung nicht leisten. Deshalb sei eine tatsächliche Auszahlung der Sonderzahlung an die Pflegekräfte in vielen Einrichtungen unwahrscheinlich.

Schleswig-Holstein hat Boni versprochen

Die Krankenkassen weigerten sich nach Auskunft der Pflegekammer, die Prämien durch die Pflegeversicherung zu zahlen - und forderten ihrerseits eine Kostenübernahme durch Bund und Länder. Bisher hätten jedoch nur Bayern und Schleswig-Holstein Zahlungen zugesichert. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte Ende März angekündigt, Bonuszahlungen bis 1.500 Euro steuerfrei zu stellen.

"Das Ende der Fahnenstange"

Klarmann beklagte, dass alle Seiten zwar immer wieder betonten, welche immense Bedeutung Pflege für die Gesellschaft habe. "Aber wenn es darum geht, konkret zu zahlen, werden die Taschen zugemacht." Die Gesellschaft dürfe sich deshalb nicht wundern, wenn auch in Zukunft immer mehr Pflegende ihren Beruf verließen. "Die aktuelle Diskussion um eine bescheidene Bonuszahlung zeigt deutlich, dass wir das Ende der Fahnenstange erreicht haben", betonte Klarmann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 23.04.2020 | 07:30 Uhr

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