"Bitter": Kultur-Häuser reagieren auf Corona-Maßnahmen

Stand: 29.10.2020 17:31 Uhr

Mit den einschneidenden Corona-Maßnahmen, die Montag in Kraft treten, müssen Niedersachsens Kultureinrichtungen erneut schließen. Das stößt auf Kritik. Die Verantwortlichen schauen auf den Dezember.

Als "bitter" bezeichnet Hannovers Schauspiel-Intendantin Sonja Anders die Schließung der Theater und Konzerthäuser. Dennoch sei die Entscheidung der Politik zu erwarten gewesen. "Mit der Schließung kommen wir einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung nach, auch wenn wir nicht oft genug betonen können, dass unsere Hygiene-Konzepte im Theater sehr gut funktionieren - und bisher in Deutschland keine Infektionsherde von einem Zuschauersaal ausgegangen sind".

Hoffnung auf den Dezember

Anders macht abermals deutlich: "Die Theater sind sichere Orte." Sie sagte, man hoffe, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen und "wir im Dezember wieder spielen dürfen". Das gelte auch mit Blick auf die vielen freien Künstlerinnen und Künstler, die ihr Haus beschäftige.

Staatsoper: Produktionen aufzeichnen und streamen

"Wir werden den November nutzen, um neue Produktionen weiter zu proben, damit wir unserem Publikum im Dezember wieder verschiedene Stücke zeigen können", sagt auch Laura Berman, die Intendantin der Staatsoper Hannover. Zudem sollen Produktionen filmisch aufgezeichnet werden, um sie dann auf Streaming-Plattformen zu zeigen. Die Schließung der Einrichtung für den ganzen November sei für die Branche hart.

Staatliche Gelder ein "Fortschritt"

"Verstörend" nennt der Landesverband freier Theater Niedersachsen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. "Alle sind in den Startlöchern und wollen Theater spielen", sagte Geschäftsführerin Martina von Bargen. Dennoch gebe es niemanden, der nicht Verständnis für die besonderen Maßnahmen hätte, betonte sie.

Es sei ein "echter Fortschritt", dass die Umsatzausfälle der freien Theaterkünstler zu 75 Prozent - gemessen am Umsatz im November 2019 - aus staatlichen Geldern ersetzt werden sollten. Allerdings gebe es in freien Theatern, die stark von Projektfinanzierung abhingen, deutliche Schwankungen im Laufe des Jahres, mahnte sie. Ideal wäre daher der Ansatz, ein Zwölftel des Jahresumsatzes eines Künstlers statt der Umsätze des Monats November 2019 anzusetzen.

Nicht alle werden wohl von Hilfen profitieren

Ihre Geschäftsführungs-Kollegin Hannah Jacob erklärte, während der November etwa für Kindertheater eine Hochzeit bedeute, hätten andere Theater ihre wichtigste Zeit im Sommer mit Open-Air-Auftritten. Die Folge: Wer im November 2019 nur geprobt habe, bekomme "75 Prozent von gar nichts", sagte von Bargen. Dafür sei dann in diesem November möglicherweise eine Gastspielreihe mit zwölf Vorstellungen geplant gewesen. Diese entfalle nun. Auch setzten die freien Theater stark auf die Digitalisierung, sagte Jacob. Reines Abfilmen fürs Streaming werde zwar kritisch gesehen, aber es gebe auch Lösungen für den digitalen Austausch mit dem Publikum.

Stiller: "Kräfte nach vorne richten"

"Es nützt jetzt nichts zu jammern", sagt Bettina Stiller, Sprecherin der Oldenburger Kulturetage. Sie hofft auf staatliche Hilfen. "Wir sollten jetzt schauen, dass wir unsere Kräfte nach vorne richten, dass wir uns gut positionieren, dass alle Beschäftigten in der Veranstaltungsbranche von den neuen Hilfen profitieren können und niemand zurückgelassen wird." Das müsse nun die Hauptaufgabe sein, "der wir uns alle widmen sollten".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.10.2020 | 16:00 Uhr

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