Fläschchen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer stehen in einer Arztpraxis. © dpa Foto: Soeren Stache

Behrens begrüßt Aufstockung von Biontech-Impfstoff

Stand: 22.11.2021 16:44 Uhr

Nach heftiger Kritik aus Politik und Ärzteschaft liefert der Bund in den nächsten Wochen doch mehr Impfdosen von Biontech aus. Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens lobte die Kehrtwende.

Mit Erfolg habe sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Gesundheitsministerkonferenz am Montag den geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Umkehr bewegt, teilte die SPD-Politikerin am Montag mit. In der kommenden Woche sollen nun drei statt zwei Millionen Impfdosen ausgeliefert werden. Die vorangegangene Entscheidung Spahns, den Biontech-Impfstoff zu beschränken, habe der Impfkampagne einen Bärendienst erwiesen, sagte Behrens. "Wir wissen aus den vergangenen Monaten, dass es beim Impfen neben dem Gesundheitsschutz auch um Vertrauen geht. Und mit einer derart desaströsen Kommunikation schürt der Bund eher Misstrauen und Ärger." Behrens warb aber gleichzeitig dafür, den Impfstoff des US-Herstellers Moderna verstärkt zu nutzen. "Auch dieser mRNA-Impfstoff ist von hoher Qualität und absolut gleichwertig", betonte sie. Moderna sei für die Impfung der über 30-Jährigen daher sehr gut einsetzbar.

Ärztekammer warnt vor Problemen in den Praxen

Die Ärzteschaft hatte die Ankündigung von Spahn, die Bestellmengen bei Biontech-Dosen zu begrenzen, zuvor scharf kritisiert. "Die Arztpraxen haben ihre Patienten teils auf Wochen vorbestellt und entsprechend Impfstoff von Biontech bestellt, der eine erfreuliche Akzeptanz hat. Jetzt soll die gesamte Impflogistik schlagartig umgestellt werden. Das geht nicht", sagte die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Martina Wenker. Sie wies dabei auf die unterschiedlichen Größen- und Dosierungsbedingungen der Impfstoffe von Biontech und Moderna hin. Der Moderna-Impfstoff werde idealerweise an die Mobilen Impfteams gegeben oder an Impfzentren, die wieder aktiviert werden müssten. "Dort kann eine höhere Anzahl von Menschen geimpft werden. Dann wäre es anders als in Arztpraxen nicht so wichtig, ob der Impfstoff wie bei Biontech in 6er-Packs oder wie bei Moderna in 10er- oder 20er-Packs verimpft werden muss", so Wenker. Ein großes Problem sei zudem, dass der Moderna-Impfstoff nach der neuesten Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) bei bestimmten Personengruppen - allen Personen unter 30 Jahren und Schwangeren - nicht eingesetzt werden dürfe.

KVN spricht von "Sabotage"

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) hatte am Sonntag verlangt, die "gravierende Fehlentscheidung" von Spahn zu revidieren - und sprach gar von "Sabotage der Impfkampagne". Der stellvertretende Landesvorsitzende des Hartmann-Ärztebundes, Carl Stiller aus Uslar, schlug vor, Biontech bevorzugt in Arztpraxen zu verwenden. Mit Moderna sollten hingegen die größeren Gruppen in den wieder entstehenden stationären Impf-Punkten geimpft werden. Der Grund: Biontech lasse sich besser in den Ablauf der Arztpraxen einbauen.

Moderna-Impfstoff verfällt Anfang 2022

Das Bundesgesundheitsministerium hatte in einem Schreiben an die Länder betont, dass bis Jahresende genug Impfstoff auch für Auffrischungsimpfungen zur Verfügung stehe. Neben dem Präparat von Biontech solle dafür aber vermehrt das von Moderna eingesetzt werden. Andernfalls drohten eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022 zu verfallen, was aber vermieden werden müsse. Für Biontech hatte das Ministerium deshalb "Höchstbestellmengen" definiert. Praxen sollten demnach vorerst maximal 30 Dosen pro Woche bestellen können, Impfzentren und mobile Impfteams 1.020 Dosen. Betont wurde: "Bestellungen für Moderna-Impfstoff werden keiner Höchstgrenze unterliegen und vollumfänglich beliefert."

Spahn verteidigt Vorgehen

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Spahn hatte die kritisierte Deckelung der Biontech-Bestellmengen am Sonnabend noch verteidigt. Die Nachfrage nach Biontech sei in den zurückliegenden zwei Wochen stark gestiegen, das Lager leere sich schnell. Beide Impfstoffe - Biontech und Moderna - seien hochwirksam. Von beiden gebe es genug, um bis Jahresende 50 Millionen Menschen zu impfen, sagte Spahn. "Ich kann versprechen, dass jeder, der sich impfen lassen will, einen guten, sicheren und wirksamen Impfstoff bekommt."

Biontech und Moderna gelten als gleichwertig

Die beiden Impfstoffe, Biontech und Moderna, gelten ab einer Altersgrenze von 30 Jahren als gleichwertig, dies sieht auch die Stiko so. In deren aktueller Empfehlung heißt es allerdings: "Für die Auffrischimpfung soll möglichst der mRNA-Impfstoff benutzt werden, der bei der Grundimmunisierung zur Anwendung gekommen ist." Wenn dieser nicht verfügbar sei, könne aber "auch der jeweils andere mRNA-Impfstoff eingesetzt werden". Biontech ist der in Deutschland bisher mit Abstand am häufigsten verwendete Impfstoff.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.11.2021 | 16:00 Uhr

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