Stand: 29.05.2018 21:23 Uhr

"Baustelle Pflege": Expertenanhörung im Landtag

Die schwierige Lage der Pflegebranche beschäftigt die rot-schwarze Landesregierung in Niedersachsen. Die Fraktionen von SPD und CDU im Landtag haben sich am Dienstag mit Pflegepersonal, Fachkräften, Kassen- und Wohlfahrtsverbänden sowie Wissenschaftlern zu einem Austausch getroffen. Ein Thema war dabei auch die Situation in der ambulanten Pflege, wo es aufgrund von Personalmangel zu Kündigungen von bestehenden Verträgen kommt.

Keine schnelle Lösung in Sicht

Einig waren sich alle Teilnehmer der öffentlichen Expertenanhörung mit dem Titel "Baustelle Pflege - was ist zu tun" in einem Punkt: Die Lösung der Probleme wird dauern - und vermutlich sehr viel Geld kosten. Vornehmlich geht es ums Personal: Neben besseren Personalschlüsseln, allgemeinen Tarifverträgen und mehr Ausbildung stand vor allem eine Anhebung der Gehälter im Mittelpunkt. "Niedersachsen nimmt bei der Vergütung in der Altenpflege einen Abstiegsplatz ein - das sollte sich dringend ändern", sagte Martin Dichter, Vorsitzender des Berufsverbandes für Pflegeberufe Nordwest.

Neues System als Ausweg?

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Situation in der ambulanten Pflege spitzt sich zu

Der Fachkräftemangel in der Pflege spitzt sich weiter zu: Viele ambulante Pflegedienste nehmen keine neuen Patienten mehr an. Bestehende Versorgungsverträge werden gar gekündigt. mehr

Das derzeitige System der Pflegeversicherung wurde in diesem Zusammenhang in Frage gestellt. Weil der Kostenanstieg nicht zulasten der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen gehen dürfe, müsse das Modell der Pflegekassen in eine Pflegebürgerversicherung geändert werden, sagte Dirk Swinke vom Sozialverband Niedersachsen. Der sozialpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Uwe Schwarz, sah das ähnlich. Mit der Pflegeversicherung lasse sich die Lage nicht entscheidend verbessern, sagte Schwarz.

Vorbehalte gegen Fachkräfte aus dem Ausland

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Die ambulanten Pflegedienste leiden unter einem dramatischen Fachkräftemangel und dem Kostendruck durch die Kassen. Vielfach werden daher Anfragen von Pflegebedürftigen abgelehnt. Video (05:15 min)

Neben der niedrigen Bezahlung, den harten Bedingungen und dem daraus resultierenden Personalmangel wurde auch über alternative Auswege aus dem Dilemma diskutiert. Henning Steinhoff, Landesgeschäftsstellen-Leiter des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, fordert das Land auf, sich mehr um Fachkräfte aus dem Ausland zu bemühen sowie Flüchtlingen eine Ausbildung in der Pflege zu ermöglichen. Martin Dichter vom Berufsverband Pflege verwies in diesem Zusammenhang auf die Wichtigkeit der Kommunikation, damit Patienten sich sicher und wohl fühlten. Menschen mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen in Pflegeberufen zu beschäftigen, sei nicht sinnvoll, sagte Dichter. Als alternativen Ausweg für den Personalmangel auf dem Land sieht Christa Röder vom Landesseniorenrat den Einsatz von Gemeindeschwestern. Der Vorteil sei, dass die bei der Kirche oder Kommune angestellte Gemeindeschwester vor Ort sei und daher besser wisse, wo Hilfe notwendig sei, sagte Röder.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 29.05.2018 | 18:00 Uhr

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