Stand: 06.07.2020 07:21 Uhr

Aus für Maskenpflicht? Althusmann rudert zurück

Eine junge Frau sieht sich mit einer selbst genähten Maske Kleidung in einer Auslage an. © imago HMB-Media Foto: Oliver Mueller
In mehreren Bundesländern wird über eine mögliche Abschaffung der Maskenpflicht im Einzelhandel diskutiert.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) ist hinsichtlich seiner Aussagen zu einer freiwilligen Regelung beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Corona-Krise zurückgerudert. "Ich spreche mich keinesfalls für eine völlige Aufhebung der Maskenpflicht aus", sagte Althusmann NDR Info. "Das wäre noch viel zu früh." Er habe lediglich angedeutet, dass in den kommenden Monaten eine Lagebewertung mit Blick auf das Infektionsgeschehen vorgenommen werden müsse. Nach der Sommerpause werde die Landesregierung darüber beraten, kündigte er an.

VIDEO: Eiertanz um Maskenpflicht (3 Min)

"Maskenpflicht signalisiert eine Gefahr"

Gegenüber der "Welt am Sonntag" hatte sich Althusmann zuvor dafür ausgesprochen, die strikte Maskenpflicht im Einzelhandel künftig auf freiwilliger Basis zu regeln. "Die Maskenpflicht signalisiert eine Gefahr, die es angesichts der regelmäßigen Abstände in großen Teilen des Einzelhandels nicht gibt", sagte er. Althusmann wies zudem darauf hin, dass die Geschäfte im Einzelhandel längst noch nicht wieder so liefen wie vor der Corona-Pandemie. Der Handelsverband Niedersachsen-Bremen forderte eine Abschaffung der Maskenpflicht, da das Einkaufserlebnis der Kunden getrübt werde.

Weil widerspricht Althusmann

In der Staatskanzlei stießen die ersten Aussagen von Althusmann auf Widerspruch. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sei nach wie vor der Auffassung, dass man sehr vorsichtig sein müsse im Umgang mit dem Coronavirus, sagte Sprecherin Anke Pörksen. Gerade der Herbst werde nach Prognose vieler Wissenschaftler eine Bewährungsprobe für den Infektionsschutz werden. "Wir dürfen uns deswegen nicht vorschnell in Sicherheit wiegen wegen geringer Infektionszahlen im Sommer", erklärte Pörksen. Bund und Länder hätten erst vor kurzem an den bestehenden Regelungen insbesondere auch zur Maskenpflicht festgehalten. "Einstweilen werden wir dabei bleiben müssen."

MV erwägt Abschaffung der Maskenpflicht

Auch in Mecklenburg-Vorpommern wird intensiv über ein Ende der Maskenpflicht diskutiert. "Wenn das Infektionsgeschehen so gering bleibt, sehe ich keinen Grund, länger an der Maskenpflicht im Handel festzuhalten", sagte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Er gehe davon aus, dass das Kabinett in Schwerin in seiner Sitzung am 4. August das Ende der Maskenpflicht im Einzelhandel beschließen wird.

Einheitliche Regelung angestrebt

Glawe kündigte Gespräche mit seinen Kollegen in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein an. "Wir versuchen, für alle norddeutschen Bundesländer eine einheitliche Regelung hinzubekommen", sagte Glawe. "Noch lieber wäre mir ein bundesweites Ende der Maskenpflicht im Handel." In Schleswig-Holstein teilte das Gesundheitsministerium mit, die Landesregierung werde die aktuelle Lage Anfang August bewerten und auf das Infektionsgeschehen angepasste Maßnahmen umsetzen. Auch Bremen wolle über den Fortbestand der Maskenpflicht im Senat diskutieren, sagte Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke).

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.07.2020 | 12:00 Uhr

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