Auf dem mit Gegenlicht fotografiertem Jackenärmel einer Polizeiuniform ist das niedersächsischen Wappen aufgenäht. © NDR Foto: Julius Matuschik

Aus dem Polizeibericht: Kuriose Einsätze im Jahr 2020

Stand: 28.12.2020 13:07 Uhr

Die Polizei in Niedersachsen hatte im Jahr 2020 wieder allerlei skurrile Einsätze. Dabei spielte natürlich auch die Pandemie eine Rolle.

Fast schon typisch für eine ganze Reihe von Meldungen, die so nur aufgrund von Corona zustande kamen, ist ein Einsatz Ende November in Bad Nenndorf (Landkreis Schaumburg). Dort lieferten sich mehrere Feiernde - aus verschiedenen Haushalten - ein Corona-Versteckspiel mit der Polizei. Anwohner hatten diese wegen Gegröle und lauter Musik aus einer Wohnung alarmiert. Der 24 Jahre alte Bewohner gab zunächst an, nur zwei Besucher zu haben - sechs volle Gläser ließen die Beamten daran zweifeln. Als die Polizei die Wohnung kontrollierte, fand sie unter anderem einen Gast hinter einem Hamsterkäfig, einen weiteren Gast versteckt in einem Kleiderständer und einen dritten voll angezogen und sich schlafend stellend im Bett. Die Folge: Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz und die Corona-Verordnung.

Wer ist "Jürgen"?

Ein Ring mit der Gravur "Jürgen" liegt auf einem Tisch. © dpa-Bildfunk/Polizei Harburg
"Jürgen". Er war es wohl, der den Ring einst verschenkte. Mehr ist von dieser Geschichte bisher nicht bekannt.

Es ist so eine Sache mit Eheringen. Wenn sie verloren gehen, dann wiegt das meist schwerer als der Goldwert. Was aber, wenn es nur einen Ehering und einen Namen, aber noch gar keine Geschichte gibt? So ein Fall hat bei der Polizeiinspektion Harburg für Aufsehen gesorgt. Nach einem Einbruchdiebstahl im Februar in Neu Wulmstorf (Landkreis Harburg) entdeckte ein Paar beim Aufräumen im eigenen Zuhause einen fremden goldenen Ring mit der Gravur "Jürgen" - samt Datum. War also die Partnerin oder der Partner von "Jürgen" der Einbrecher? Und hat unfreiwillig eine Spur am Tatort hinterlassen? Die Polizei machte sich auf die Suche nach der Geschichte des "Jürgen"-Rings und schaltete dazu auch die Öffentlichkeit ein. Geklärt werden konnte dies aber bislang nicht. Zwar meldeten sich gleich zwei "Jürgen" bei der Polizei - der richtige war nicht darunter.

Nicht ohne meine Tochter - auch mit 101

Für einen Geburtstag nimmt man einiges auf sich, erst recht für den Geburtstag der eigenen Tochter. Dass das eigene Alter und eine Pandemie dabei keine Rolle spielt, zeigte eine 101 Jahre alte Frau im April in Braunschweig. Mitten im ersten Corona-Lockdown schlich sie sich aus einem Notausgang des Seniorenheims. Als die Polizei gerufen wurde, bestritt die 101-Jährige zunächst, in dem Altenheim zu leben. Im Gespräch mit der Tochter stellte sich aber heraus, dass sie dort wohnt, ihre Tochter aber schmerzlich vermisst. Zumindest ein bisschen wurde die alte Dame für ihre Aktion belohnt: Sie durfte ihre Tochter sehen und ihr gratulieren - allerdings nur aus dem Streifenwagen heraus. Anschließend brachten die Beamten sie wieder zurück in das Heim.

Willi und die Diebe

Willi und sein kleiner Bruder Moritz stehen vor der Polizeistation mit Polizeiabzeichen in der Hand. © picture alliance/--/Privat/dpa Foto: Privat
Der zwölfjährige Willi aus Wiesbaden (l. mit seinem kleinen Bruder) überführte auf Borkum einen Dieb.

Ein Happy End samt Auszeichnung gab es im Sommer auf Borkum für den zwölfjährigen Willi und seine Ermittlungen à la "Die drei ???". Der Junge aus Hessen hatte während seines Urlaubs einen Dieb beobachtet und in die Dünen verfolgt. Willi konnte den Dieb auch wiedererkennen, als dieser sich in anderer Kleidung wieder auf der Promenade blicken ließ. Gemeinsam mit einem Passanten sprach der Junge den Unbekannten an und wartete, bis die Polizei kam, die den Fall dann übernahm. Für Willi war die Sache damit noch nicht abgeschlossen. Nach der Rückkehr aus Borkum wurde er von der hessischen Staatskanzlei für sein mutiges Handeln ausgezeichnet.

Wäsche waschen im Zug

Hygiene spielt bei der folgenden Meldung eine Rolle - und das noch vor Corona: Im Toilettenraum eines Regionalzuges von Braunschweig nach Hannover hat Anfang Februar ein Schwarzfahrer nicht nur sich, sondern auch seine Kleider gewaschen. Ein Zugbegleiter wunderte sich über eine Wasserlache vor der Tür. In Hannover klopften dann Bundespolizisten an die Tür - der 28-Jährige wusch sich und seine Kleidung unbekümmert weiter. Die Beamten nahmen ihn schließlich mit zur Wache. Er sei schon mehrfach wegen Schwarzfahrens aufgefallen, hieß es.

Notruf aus einem Leichenwagen

An diesen "verrückten Einsatz" werde man sich sicher noch länger erinnern, teilte die Polizei Göttingen im August mit. Grund: Ein Notruf aus einem am Friedhof abgestellten Leichenwagen. Im Laderaum des schwarzen Transporters fanden die Beamten aber weder einen Toten noch einen Scheintoten, sondern den sehr lebendigen Fahrer. Dieser war auf der nächtlichen Fahrt von Hamburg nach Frankfurt müde geworden. In Staufenberg (Landkreis Göttingen) stoppte er an einem Friedhof und kroch zum Schlafen hinten in sein Gefährt. Als er morgens aufwachte, konnte er den Wagen von innen aber nicht mehr öffnen. Also rief er über sein Handy um Hilfe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.12.2020 | 12:00 Uhr

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