Armutskonferenz: Ende der Impf-Priorisierung unsolidarisch

Stand: 23.05.2021 15:05 Uhr

Die Landesarmutskonferenz Niedersachsen kritisiert die bundesweite Aufhebung der Impf-Priorisierung ab Juni. Sie fordert unter anderem kultursensible Werbung für die Impfung in sozialen Brennpunkten.

"Die Entscheidung ist unsolidarisch, weil sie Egoisten mit Ellbogen bevorzugt", sagte Geschäftsführer Klaus-Dieter Gleitze. "Wer gesund ist, fit, sprachgewandt und selbstbewusst, gutverdienend in Jobs mit Netzwerken, ist bei dem Rennen um den rettenden Stoff schon im Ziel, bevor Kranke und Schwache noch versuchen, mit den Startblöcken klarzukommen."

Informationsdefizite berücksichtigen

Die Landesarmutskonferenz Niedersachsen ist ein Zusammenschluss von Verbänden, Gewerkschaften und Initiativen. Sie hatte gefordert die Priorisierung beizubehalten - insbesondere, um soziale Brennpunkte zu erreichen, etwa mit Werbung für die Impfung, die auch Sprach-, Bildungs- und Informationsdefizite sowie den kulturellen Hintergrund berücksichtigt.

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Politische Gründe für die Aufhebung?

Gleitze vermutet politische Gründe für das Ende der Priorisierung: Die Entscheidung gebe dem Druck der Lautstarken und der Drängler nach. Epidemiologisch sei die Aufhebung nicht gerechtfertigt, da es keine verlässlichen Daten über den Impffortschritt bei Menschen mit Vorerkrankungen gebe.

Ab 7. Juni an sollen sich alle Menschen in Deutschland für eine Corona-Schutzimpfung anmelden können. Damit fallen die Vorranglisten nach Alter, Erkrankungen und Beruf weg. Auch Betriebs- und Privatärzte sollen dann mitimpfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.04.2021 | 16:00 Uhr

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