Stand: 19.02.2018 12:03 Uhr

Anlaufstellen für Straffällige vor dem Aus

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Henning Voß sorgt sich um die Zukunft der Anlaufstelle in Braunschweig.

Wer einmal im Gefängnis saß, hat es nach seiner Entlassung schwer: Mit der Haft verlieren die Verurteilten Wohnung und Job, oft reißt der Kontakt zu Freunden ab. Auch deshalb wird fast jeder zweite Straftäter wieder rückfällig. In Niedersachsen gibt es 14 Anlaufstellen, um Betroffene bei Behördengängen sowie bei der Job- und Wohnungssuche zu unterstützen. Doch Anlaufstellen kämpfen ums Überleben, wie NDR 1 Recherchen zeigen.

Anlaufstellen in Braunschweig, Göttingen und Lüneburg betroffen

Alle Anlaufstellen in Niedersachsen sind seit Jahren chronisch unterfinanziert. Allein die Straffälligenhilfe in Braunschweig schiebt ein jährliches Defizit von rund 25.000 Euro vor sich her. Es ist mehr als fraglich, dass der Verein Cura, der Träger der Anlaufstelle, das Minus in diesem Jahr wieder ausgleichen kann. Bereits Ende des Jahres könnte Schluss sein, sagt Leiter Henning Voß. Auch den Beratungsstellen in Göttingen und Lüneburg droht bald das Aus.

Neue Richtlinie könnte die Beratungsstellen retten

Einen Großteil der Kosten für die Anlaufstellen übernimmt das Land. Allerdings müssen die Anlaufstellen einen Teil aus Spenden finanzieren. Doch das Interesse, für Kriminelle zu spenden, ist gering. Eine neue Förderrichtlinie könnte die Beratungsstellen retten. Sie sieht höhere Zuschüsse vor. Zum jetzigen Zeitpunkt ist allerdings unklar, wann und ob sie tatsächlich umgesetzt wird.

Straffälligenhilfe bringt dem Land Geld

Die Anlaufstellen unterstützen nicht nur Haftinsassen. Sie helfen auch dabei, Geldstrafen einzutreiben. Die Anlaufstellen handeln mit den Staatsanwaltschaften die Raten für ihre Klienten aus. Damit bekommt das Land Geld, das eigentlich schon als verloren galt. 2016 sind auf diese Weise mehr als 500.000 Euro in den Landeshaushalt geflossen. Durch beglichene Geldstrafen bleiben dem Land zudem teure Hafttage erspart - umgerechnet waren das 2016 mehr als 3,3 Millionen Euro.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.02.2018 | 12:00 Uhr

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