Stand: 31.05.2018 13:34 Uhr

Anhörung: Kritik am Reformationstag als Feiertag

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Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst, sieht den Reformationstag kritisch.

Eigentlich scheint es beschlossene Sache: Der Reformationstag am 31. Oktober wird zum Feiertag in Niedersachsen. So hat es das Kabinett beschlossen. In einer ersten Lesung des dazugehörigen Gesetzentwurfs im Landtag wurde zwar heftig debattiert - dennoch gilt der Reformationstag weiter als Favorit. Damit würde es zu einer norddeutschen Lösung kommen. Hamburg und Schleswig-Holstein haben den Feiertag bereits eingeführt. In Bremen soll das auch geschehen. Doch in einer Anhörung von verschiedenen Verbänden am Donnerstag im Landtag gab es erneut Gegenwind.

Neuer Vorschlag: Tag der Weißen Rose

Vor allem Vertreter der jüdischen Gemeinden sind gegen den Reformationstag. So wies Katarina Seidler vom Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden auf eine antisemitische Schrift des Reformators Martin Luther hin, in der dieser die Vertreibung der Juden gefordert habe. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden, Michael Fürst, sagte: "Dieser Tag ist der falscheste, den Sie wählen können." Er nannte zum einen den Buß- und Bettag als Alternative, brachte aber auch den Tag der Weißen Rose ins Spiel. Der wird am 22. Februar begangen und erinnert an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. "Für unsere Jugend ist das ein bedeutsamer Tag, mit dem wir in den Schulen arbeiten könnten", sagte Fürst. Die katholische Kirche befürwortet den Buß- und Bettag anstatt des Reformationstags. "Der 31. Oktober erinnert immer noch primär an die Kirchenspaltung", betonte er. "Das ist für uns kein Grund zum Feiern."

"Reformation nicht Urknall der Moderne"

Für die evangelische Kirche warb Kirchenpräsident Martin Heimbucher dagegen für den Reformationstag. "Reformation tut Not in unserer Gesellschaft, weil alle Institutionen, die den Menschen dienen, diesen Impuls zur fortwährenden Erneuerung und Verbesserung brauchen", sagte er. Zu Beginn der Anhörung hatte Historikerin Ulrike Jureit vom Hamburger Institut für Sozialforschung die historische Bedeutung der Reformation erläutert. Sie habe habe zu religiösen Kriegen und Tausenden von Toten geführt. "Sie war nicht der Urknall der europäischen Moderne."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.05.2018 | 12:00 Uhr

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