Stand: 25.05.2020 21:01 Uhr

Abstand und Maske, bis Impfstoff vorliegt

Menschen tragen einen Mundschutz in Hannovers Stadtbahn. © dpa-Bildfunk Foto: Ole Spata
Bei diesem Bild soll es in Niedersachsen bleiben: Masken, bis es einen Impfstoff gegen Corona gibt.

Welche Corona-Maßnahmen sind noch sinnvoll? Einige Länderchefs denken jetzt über die weitgehende Aufhebung der Einschränkungen nach. Ein solches Vorgehen lehnt Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) entschieden ab: "Das halte ich für einen folgenschweren Fehler und ein grundsätzlich falsches Signal." Niedersachsen werde vielmehr an den Abstandsregeln und an der Maskenpflicht festhalten - so lange, bis ein Impfstoff zur Verfügung stehe.

VIDEO: Reimann: "Empfindliche Geldstrafen" (1 Min)

Weil: Niedersachsen wird "Bogen nicht überspannen"

Auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) warnt vor vorschnellen Lockerungen. Niedersachsen werde "den Bogen nicht überspannen", sagte er am Montag in Wunstorf (Region Hannover). "Ich denke, wir sind alle miteinander gut beraten, Schritt für Schritt in die Lockerungen zu gehen, denn das Coronavirus ist unbestritten weiter existent in Deutschland", sagte Weil.

Erfolg nur dank drastischer Maßnahmen

Die Corona-Lage in Niedersachsen sei insgesamt "gut unter Kontrolle", sagte Reimann am Montag in der Pressekonferenz der Landesregierung. Das sei aber klar den drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens im März zu verdanken. Überwiegend hätten sich die Menschen an die Regeln gehalten. Dass die Infektionszahlen jetzt niedrig seien, sei ein "gemeinsamer Erfolg". Diesen Erfolg aber könne man auch wieder verspielen, mahnte Reimann. Das hätten die jüngsten Tage gezeigt - damit meinte die Ministerin den Corona-Ausbruch im Landkreis Leer.

"Das war eine Veranstaltung"

Händeschütteln, Umarmungen und zahlreiche Menschen auf engem Raum: Vieles deutet laut Reimann darauf hin, dass in einem Restaurant in Moormerland gegen Corona-Auflagen verstoßen wurde. Offenbar seien auch mehr Menschen dort anwesend gewesen als zunächst gedacht. "Das, was wir da gesehen haben, war eine Veranstaltung." Nach einer Feier zur Wiedereröffnung des Restaurants waren zahlreiche Personen positiv auf das Virus getestet worden.

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Ein Schild mit der Aufschrift "Leider hat auch uns die Corona Pandemie erreicht." steht vor dem Restaurant "Alte Scheune". © dpa-Bildfunk Foto: Lars-Josef Klemmer/dpa

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Wirt und Gästen könnten Strafen drohen

Die Veranstaltung im Landkreis Leer habe große Auswirkungen auch auf unbeteiligte Kontaktpersonen gehabt - weit mehr als 100 Personen sind derzeit in Quarantäne. "Sollte sich der begründete Verdacht bestätigen, dass mit dieser Veranstaltung gegen die Corona-Auflagen verstoßen wurde, werden die Behörden vor Ort nicht nur gegen die Organisatoren, sondern auch gegen die Besucherinnen und Besucher Ordnungswidrigkeiten einleiten mit empfindlichen Geldstrafen als Folge", kündigte die Ministerin an.

Virus "kann jederzeit wieder massiv ausbrechen"

Die Regeln zur Eindämmung des Coronavirus "sind nicht nur Mahnungen", betonte Reimann. Sie seien vielmehr das einzige wirksame Mittel im Kampf gegen das Virus. "Wir dürfen nicht vergessen, dass das Virus noch da ist. Es kann jederzeit wieder massiv ausbrechen." Zu den weiteren Lockerungen sagte die Gesundheitsministerin, dass die Bürger und ihr Verantwortungsbewusstsein gefragt seien: Man solle abwägen, ob man alles, was wieder zulässig ist, auch unbedingt direkt in Anspruch nehmen müsse.

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Weil: Vorfall dient als "Lehrstück"

Ministerpräsident Weil bezeichnete den Vorfall in Moormerland als Lehrstück, das zeige, "was passieren kann, wenn man die Vorgaben nicht berücksichtigt". Er hoffe, nun sei deutlich geworden, dass die Auflagen "nicht dafür gedacht sind, Gastronomen zu ärgern, sondern im Gegenteil die Voraussetzung dafür sind, dass das Geschäft wieder losgehen kann". Er sei aber weit davon entfernt, wegen dieses Beispiels Kritik an der niedersächsischen Gastronomie insgesamt zu üben, so Weil.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.05.2020 | 15:00 Uhr

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