Stand: 19.03.2017 10:30 Uhr  | Archiv

AKW Emsland: Restlaufzeit bis 2022

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Das AKW Emsland kann laut Gesetz zum Atom-Ausstieg bis 2022 am Netz bleiben.

Das Kernkraftwerk Emsland liegt in der Nähe der niedersächsischen Stadt Lingen. Es ging im Jahr 1988 in Betrieb. Das Kraftwerk hat einen Druckwasserreaktor mit 1.329 Megawatt Netto-Leistung. Den Reaktorkern bilden 193 Brennelemente mit je 300 Brennstäben. Den Betreiberangaben zufolge produziert das Kraftwerk jährlich rund elf Milliarden Kilowattstunden Strom - eine Menge, die für etwa 3,5 Millionen Haushalte ausreicht.

Abschaltung voraussichtlich 2022

Betreiber des Meilers ist die Kernkraftwerke Lippe-Ems GmbH. 87,5 Prozent der Gesellschafteranteile liegen bei der RWE Power AG, 12,5 Prozent bei der PreussenElektra GmbH, einer 100-prozentigen Tochter von E.ON. Gemäß der von der Bundesregierung 2011 beschlossenen Energiewende und dem Ausstieg aus der Atomenergie wird der Meiler zum Jahresende 2022 vom Netz gehen.

Probleme bei Stresstest und geheimer Katastrophenschutzübung

Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima waren die europäischen Atomkraftwerke einem "Stresstest" unterzogen worden. Bei dem Meiler im Emsland wurde die Erdbebensicherheit bemängelt. Doch einen zweiten Testdurchlauf bestand das Kraftwerk.

Im Jahr 2013 gab es eine zunächst geheim gehaltene Katastrophenschutzübung, bei der ein Strahlen-Unfall in dem Meiler angenommen wurde. Ein Jahr später wurde bekannt, dass bei der Übung eklatante Mängel bei den Krisenstäben von Bund und Ländern zutage traten. Das Bundesumweltministerium räumte ein, dass die Öffentlichkeit in der Simulation zu spät über eine radioaktive Wolke informiert worden wäre. Das habe aber an dem "sehr komprimierten Übungsablauf" gelegen, der Test habe Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen sollen. Das niedersächsische Umweltministerium teilte mit, dass die Strahlenschutzkommission inzwischen empfehle, die Evakuierungszonen nach einem Reaktorunglück zu vergrößern.

Eigener Kühlwasserkreislauf

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Das Kraftwerk bei Lingen kann theoretisch etwa drei Millionen Haushalte mit Strom versorgen.

Das Kernkraftwerk bei Lingen hat einen geschlossenen Kühlwasserkreislauf mit Kühlturm, weil die Ems nicht genügend Wasser führt, um den gesamten Kühlwasserbedarf des Kraftwerks zu decken. Unterhalb des Kühlturms befindet sich ein Wasserspeicherbecken mit einem Durchmesser von 138 Metern, aus dem das Kühlwasser zum Turbinenkondensator gepumpt wird. Nur das im Kühlturm verdampfte Wasser muss durch Emswasser ersetzt werden. Bei Wasserknappheit in der Ems hat das AKW zusätzliche Speicherbecken in Geeste - etwa 14 Kilometer vom Standort entfernt. Im Internet informiert RWE über die Funktion des AKW, die Sicherheitsvorkehrungen und aktuelle Messwerte der Umgebungsüberwachung.

Zwischenlager für ausgediente Brennelemente

Seit 2002 befindet sich auf dem Reaktorgelände auch ein eigenes Zwischenlager, in dem die verbrauchten Brennelemente in Castor-Behältern deponiert werden, bis ein Endlager gefunden ist. Die Laufzeit des Zwischenlagers soll maximal 40 Jahre betragen. Platz ist dort nach Betreiberangaben für bis zu 130-Castor-Behälter.

Zurzeit Abriss von Vorgänger-Reaktor

Nördlich des noch laufenden Kraftwerks liegt das bereits 1977 abgeschaltete Kernkraftwerk Lingen. Dieses war 1968 in Betrieb gegangen und diente der Erprobung der Atomtechnik. Die meisten Gebäude wurden bereits abgerissen. Der nukleare Teil kam 1988 in den sogenannten Sicheren Einschluss, um die Radioaktivität abklingen zu lassen. In den kommenden Jahren ist die Beseitigung geplant. Ein Teil des Materials soll recycelt, der Rest im Endlager Schacht Konrad eingelagert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.11.2014 | 12:00 Uhr

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