Sendedatum: 28.05.2015 08:08 Uhr  | Archiv

Wann müssen Suchmaschinen Ergebnisse löschen?

Bei der Internet-Suche nach dem eigenen Namen erscheinen Treffer, die Sie dort lieber nicht sehen möchten? Suchmaschinenbetreiber sind in der EU dazu verpflichtet, den Bürgern ein "Recht auf Vergessen" einzuräumen. In der Praxis ist es aber eher ein "Recht auf ein bisschen Unsichtbarkeit".

Wie kann ich die Löschung von Suchergebnissen beantragen?

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Google stellt ein Formular bereit, um unerwünschte Suchergebnisse löschen zu lassen.

Alle Bürger können nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) von Mai 2014 von Suchmaschinenbetreibern verlangen, dass Suchergebnisse zu ihrem Namen nicht mehr erscheinen, wenn dadurch ihre Persönlichkeitsrechte beeinträchtigt werden. Dazu gibt es zum Beispiel bei Google, der wichtigsten Suchmaschine in Europa, einen Online-Antrag. Auch Microsofts Suchmaschine Bing bietet ein entsprechendes Formular.

Nach welchen Kriterien wird entschieden?

Richtschnur dafür sollen die vom EuGH genannten Kriterien sein. Dazu gehört etwa, ob es sich um private oder intime Informationen handelt und ob sie falsch oder veraltet sind. Ein Faktor ist auch, ob es um einen Politiker, Prominenten oder einen normalen Bürger geht oder ein öffentliches Interesse an den Informationen besteht.

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Transparenzbericht von Google

Aktuelle Zahlen zu den an die Suchmaschine gestellten Löschanträgen und Informationen zu den Löschkritierien. extern

Ob der Antrag erfüllt wird oder nicht, entscheidet aber allein der Suchmaschinenbetreiber. Der genaue Entscheidungsprozess ist für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Google hatte sich dafür aber von der früheren Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und anderen externen Experten beraten lassen. Dieser Expertenbeirat hat inzwischen seinen Abschlussbericht vorgelegt.

Wenn mein Antrag erfolgreich ist: Sind die Suchtreffer dann tatsächlich gelöscht?

Die Ergebnisse werden bei der Suche nach dem Namen des Antragstellers nicht mehr in der Trefferliste angezeigt. Gibt man andere Suchbegriffe ein, können die Seiten aber nach wie vor gefunden werden. Außerdem gilt die Löschung aus der Suche nur für die europäischen Google-Versionen, auf die User in Europa umgeleitet werden. Über google.com werden die Ergebnisse möglicherweise weiter angezeigt.

Die eigentlichen Seiten, auf denen sich die unerwünschten Inhalte befinden, werden in keinem Fall gelöscht und befinden sich weiter im Internet. Um sie entfernen zu lassen, muss sich der Betroffene an die Betreiber der jeweiligen Website wenden.

Und wenn mein Antrag auf Löschung nicht erfüllt wurde?

Google als Suchmaschinenbetreiber lehnt Anträge ab, die seiner Meinung nach nicht berechtigt sind. Erfolglose Antragsteller können dann versuchen, die Datenschutzbehörden ihres Landes einzuschalten oder den Suchmaschinenbetreiber zu verklagen. Einen formellen Weg dafür gibt es aber nicht.

Wie kann man erkennen, dass Suchergebnisse zu einem Namen gelöscht wurden?

Das ist nicht direkt zu erkennen. Der unter Suchtreffern angezeigte Hinweis ("Einige Ergebnisse wurden möglicherweise aufgrund der Bestimmungen des europäischen Datenschutzrechts entfernt.") wird in Europa standardmäßig eingeblendet, wenn Google erkennt, dass nach einem Personennamen gesucht wird. Ausnahmen sind Prominente.

Betreiber von Internet-Seiten werden von Google informiert, wenn Treffer zu ihren Seiten aus den Ergebnissen gelöscht werden. Sie erfahren nicht, welcher Betroffene warum die Entfernung beantragt hat, können aber natürlich Vermutungen darüber anstellen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 28.05.2015 | 08:08 Uhr

Bleibt Google der Richter über das Vergessen?

Seit einem Jahr können Menschen bei Google die Löschung von Suchtreffern zu ihrem Namen beantragen. Aber soll Google auch weiter allein entscheiden, was entfernt wird? mehr

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