Stand: 26.01.2014 23:00 Uhr

Snowden-Interview: Das Manuskript

Nichts hat die deutsche Regierung mehr verärgert als die Tatsache, dass die NSA offenbar über die letzten zehn Jahre das private Telefon der deutschen Kanzlerin Merkel angezapft hat. Plötzlich verband sich die unsichtbare Überwachung mit einem bekannten Gesicht und nicht mit diesem undurchsichtigen, zwielichtigen terroristischen Hintergrund. Nun hat Obama versprochen, nicht mehr bei Frau Merkel herumzuschnüffeln, was die Frage aufwirft "Hat die NSA bereits vorherige Regierungen abgehört, einschließlich früherer Kanzler und wenn: wann und wie lange hat sie es getan"?

Das ist eine besonders schwierige Frage für mich, weil es Informationen gibt, die meiner Ansicht nach unbedingt im Interesse der Öffentlichkeit stehen. Wie ich jedoch schon sagte, ist es mir lieber, dass Journalisten das Material sichten und entscheiden, ob der Wert dieser Information für die Öffentlichkeit wichtiger ist als der Schaden, den die Veröffentlichung für den Ruf der Regierungsmitglieder bedeutet, die diese Überwachung angeordnet haben.

Was ich sagen kann, ist, dass wir wissen, dass Angela Merkel von der National Security Agency überwacht wurde. Die Frage ist, wie logisch ist es anzunehmen, dass sie das einzige Regierungsmitglied ist, das überwacht wurde. Wie wahrscheinlich ist es, dass sie das einzige bekannte deutsche Gesicht ist, um das sich die National Security Agency gekümmert hat? Ich würde sagen, es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass jemand, der sich um Absichten der deutschen Regierung sorgt, nur Merkel überwacht und nicht ihre Berater, keine anderen bekannten Regierungsmitglieder, keine Minister oder sogar Angehörige kommunaler Regierungen.

Wie bekommt ein junger Mann aus Elizabeth City in North Carolina im Alter von 30 Jahren eine solche Position in einem so sensiblen Bereich?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Grundsätzlich würde ich sagen, dass dadurch die Gefahren der Privatisierung hoheitlicher Aufgaben erkennbar werden. Ich arbeitete früher als Regierungsmitarbeiter für die Central Intelligence Agency, habe aber viel häufiger als Kontraktor in einem privaten Rahmen gearbeitet. Das bedeutet, dass privatwirtschaftliche, gewinnorientierte Unternehmen hoheitliche Aufgaben übernehmen wie beispielsweise Spionage, Aufklärung, Unterwanderung ausländischer Systeme. Und jeder, der das privatwirtschaftliche Unternehmen davon überzeugen kann, dass er über die erforderlichen Qualifikationen verfügt, wird eingestellt. Die Aufsicht ist minimal und es wird kaum geprüft.

Waren sie eines dieser klassischen Computer-Kids, das mit geröteten Augen die ganze Nacht vor einem Computer gesessen hat, 12 oder 15 Jahre alt und ihr Vater hat an die Tür geklopft und gesagt: "Mach endlich das Licht aus!" Haben Sie Ihre Kenntnisse auf diese Art erworben?

Ich hatte definitiv  - sagen wir mal  - eine zutiefst informelle Erziehung, was meine Computer- und Elektronik-Ausbildung angeht. Das war für mich schon immer faszinierend. Nun, die Beschreibung, dass die Eltern mich ins Bett schickten, trifft es schon.

Wenn man sich die wenigen öffentlichen Daten ihres Lebens anschaut, entdeckt man, dass Sie sich offensichtlich im Mai 2004 den Spezialkräften anschließen wollten, um im Irak zu kämpfen. Was hat Sie damals angetrieben? Spezialkräfte, das heißt heftiges Kämpfen und wohl auch töten. Sind Sie je im Irak gewesen?

Nein. Was interessant ist, was die Spezialkräfte angeht, ist doch die Tatsache, dass sie eigentlich nicht für den unmittelbaren Kontakt, für direkte Kämpfe zuständig sind. Vielmehr sollen sie kräfteverstärkend wirken.  Sie werden hinter den feindlichen Linien eingesetzt. Es handelt sich dabei um eine Spezialeinheit. Sie soll der örtlichen Bevölkerung helfen, Widerstand zu leisten, und die amerikanischen Streitkräfte unterstützen. Das hielt ich damals für eine grundsätzlich anständige Angelegenheit. Im Nachhinein waren die Argumente für den Einsatz im Irak nicht ausreichend begründet mit dem Ergebnis, dass alle Beteiligten geschädigt aus der Sache hervorgingen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Das Erste | 26.01.2014 | 23:00 Uhr

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