Sendedatum: 30.05.2016 15:38 Uhr  | Archiv

Im Netz wollen alle Boatengs Nachbar sein

von Nils Kinkel und Fiete Stegers

Keiner wolle Nationalspieler Boateng als Nachbar haben: Im Netz wird das Zitat von AfD-Vize Alexander Gauland zerrupft. Sogar Parteichefin Frauke Petry distanziert sich - nicht für alle glaubwürdig.

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Gauland über Boateng: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut, aber wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." (laut "FAS")

Ein guter Angriff über Rechtsaußen kann im Fußball ein Spiel entscheiden. Oder einen Konter auslösen. Im Fall des AfD-Politikers Gauland ist das Urteil im Internet eindeutig: ein böses Foulspiel. So sieht es auch AfD-Chefin Petry. Kurz nach Veröffentlichung des umstrittenen Zitats, das Gauland inzwischen nicht so gesagt haben will, schreibt sie auf Twitter:

Der Rapper Eko Fresh kennt sich aus mit Battlerap, eine Form, bei der die Gegner durch Worte diffamiert werden. So antwortet er der AfD-Chefin auf ihren Tweet - und provoziert mit dem Satz:

Sportler solidarisieren sich mit Boateng

Unterstützung bekommt Jerome Boateng nicht nur von Künstlern, sondern auch von zahlreichen Sportlern. Nationalspieler Benedikt Höwedes schreibt unter ein Bild, das ihn mit Boateng beim Warmmachen zeigt:

Rassismus im Fußballstadion kennt auch Hans Sarpei. Der dunkelhäutige Ex-Profi ist inzwischen in sozialen Netzwerken sehr beliebt für seinen Humor. Diesmal ist sein Posting aber ernst:

Auch der DFB reagiert schnell im Internet und veröffentlicht ein Video. Vor schwarzem Hintergrund sind die Köpfe der Nationalmannschaft zu sehen. Ein Gesicht geht in das andere über - bis am Ende die Botschaft erscheint: "Wir sind Vielfalt."

NDR Info Hörer: "Attacken sind Programm"

Auf der Facebook-Seite von NDR Info ist es das am häufigsten diskutierte Thema des Monats. Auch hier bekommen die wenigen Fans des AfD-Politikers in der Debatte klare Botschaften von den Usern zu hören. So schreibt zum Beispiel Andrzeij Marek Rynkiewicz als Antwort an einen anderen Nutzer: "Ich weiß es nicht wo deine Kirche ist und in welchem Dorf, aber die von Boateng ist garantiert in Deutschland. Die feindlichen Attacken der AfD sind ein Programm und keine Ausrutscher.“

So ernst das Thema ist, Jerome Boateng kann die rassistische Attacke sicherlich verschmerzen. Zumindest dann, wenn er die vielen positiven Reaktion im Netz liest, wie die von Sabine Kern, die den Nachbarschaftsstreit auf den Punkt bringt:

Von Asamoah bis zum Auswärtigen Amt: Noch mehr Twitter-Reaktionen

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Gauland-Zitat: Boateng zeigt sich gelassen

Die Empörung über die Gauland-Zitate ist groß - der betroffene Nationalspieler Boateng reagiert aber gelassen auf die "Nachbar"-Affäre um den AfD-Vize. Mehr bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 30.05.2016 | 15:38 Uhr

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