Stand: 24.03.2017 16:12 Uhr

Gutes Wetter und Fußball sollen CeBIT 2018 retten

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Ein Innovationsfestival für digitale Köpfe: das soll die neue CeBIT sein. Fragt sich nur: Was war dann die alte?

Die Veranstalter der CeBIT haben am letzten Ausstellungstag ein durchweg positives Fazit der Messe gezogen. "Wir sind sehr zufrieden", sagte Messe-Chef Oliver Frese. Es habe drei Prozent mehr Besucher und eine tolle Stimmung gegeben, referiert Frese routiniert. Alles schon mal gehört: Überschwängliche Bilanzen gehören zur Tradition der Veranstaltung. "Das war die beste CeBIT jemals", hieß es etwa im vergangenen Jahr. Und 2014, als erstmals nur Geschäftskunden zur CeBIT zugelassen waren, resümierte Frese: "Der Neustart ist gelungen." Ermüdende, zum Ritual verkommene Begeisterung mit begrenztem Realitätsbezug: Messen sind eben vor allem Marketing-Veranstaltungen. Dass trotz all der "Erfolge" künftig alles anders werden soll, erscheint den CeBIT-Verantwortlichen kein Widerspruch zu sein.

Messesprecher von Saß: "Keine Verzweiflungstat"

"Forget Everything You Know About CeBIT" ("Vergessen Sie alles, was Sie bislang über die CeBIT wussten"), so bewirbt ein schicker Flyer der Messe AG, der seit Mittwoch auf der Messe verteilt wurde, den neuen Sommer-Termin. Auch ein Video wurde produziert, das mit schicken Bildern mehr Kommunikation und "Campus"-Atmosphäre beschwört. Als Argument für den Termin wird dort vor allem das vermeintlich sonnige Wetter im Juni genannt - als ob bislang Aussteller ihre Teilnahme vom Wetterbericht in Hannover abhängig gemacht hätten. Was genau steckt hinter der Kehrtwende? Messe-Sprecher Hartwig von Saß betont: "Das ist keine Verzweiflungstat, ganz im Gegenteil." Das Konzept sei seit Monaten geplant und mit allen Entscheidern besprochen worden. "Wie alles ganz genau ablaufen wird, wissen wir jetzt noch nicht. Da begeben wir uns durchaus auf unbekanntes Terrain." Zumindest die Pavillons im Außengelände seien für 2018 bereits ausgebucht. Und man wolle das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am vorletzten Abend zeigen.

Aufsichtsrat über späte Information zu neuem Konzept verschnupft

Die Entscheidung, die CeBIT vom März in den Juni zu verlegen, hatte zuletzt unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD), der Vize-Chef des Aufsichtsrates der Deutschen Messe AG ist, bezeichnete die geplante Neuausrichtung der Messe als die richtige Antwort auf das Tempo der Veränderungen in der digitalen Welt. Vom Schwenk der Veranstalter ist der Aufsichtsrat aber offenbar überrascht worden. Wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ, Donnerstagausgabe) berichtet, wurde das Gremium erst am Dienstagabend informiert, obwohl Messe-Chef Oliver Frese nach eigenen Angaben seit Monaten über den Umbau der CeBIT mit den Ausstellern verhandelt. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) habe als Aufsichtsratschef sehr verärgert reagiert, zitierte die HAZ Teilnehmer der Telefonkonferenz.

Zustimmung auf der einen ...

Auf Zustimmung trifft die Verlegung der CeBIT in der Digitalwirtschaft. Die Deutsche Telekom sieht die Neuausrichtung als richtigen Schritt an, will die eigene Teilnahme ab 2018 aber vom Konzept abhängig machen. Für Hewlett Packard Enterprise Deutschland ist es eine Chance, private Besucher mit einzubeziehen - es gebe keine andere Messe, die die Debatte über die Folgen der Digitalisierung in der Gesellschaft so breit führe, sagte Sprecher Patrik Endlund. Intel-Deutschland-Geschäftsführer Christian Lamprechter betonte: "Das Konzept der neuen CeBIT ist passgenau auf die Anforderungen des Marktes und der Branche zugeschnitten."

... und Überraschung auf der anderen Seite

Die Sprecherin des IT-Sicherheitsspezialisten Secusmart, Swenja Hintzen, erklärte, sie habe geglaubt, dass es sich bei der Terminverschiebung um einen verfrühten Aprilscherz handele. Für ihr Unternehmen stelle sich die Frage, ob mit dem neuen Termin im Sommer die eigene Zielgruppe, nämlich die Behörden, noch erreicht werde. Stefan Rojacher von Kaspersky Lab erklärte: "Die stark rückläufige Entwicklung der vergangenen Jahre und eine Verwässerung eines eindeutigen Messekonzepts machen es derzeit schwer, an einen erfolgreichen Neustart der CeBIT zu glauben." Seit 1986 findet die Computermesse jährlich vier Wochen vor der größeren Hannover Messe statt, aus der die IT-Veranstaltung einst hervorging.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.03.2017 | 12:00 Uhr

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