Stand: 22.03.2017 07:42 Uhr  | Archiv

"Alexa und Siri sind ein Datenschutz-Desaster"

von Alexander Nortrup
Edward Snowden spricht über einen Video-Monitor bei der IT-Messe CeBIT. © dpa-Bildfunk Foto: Friso Gentsch
Die Diskussion mit Edward Snowden sorgte für eine volle Halle.

Whistleblower Edward Snowden hat sich auf der CeBIT in einer Live-Schalte aus Russland kritisch zum aktuellen Stand der weltweiten Online-Überwachung geäußert. Zugleich sprach er ausführlich über seine persönliche Motivation und seine rechtliche Lage. Snowden sagte, seit seinem letzten Auftritt auf der Messe im Jahr 2015 habe die Überwachung noch einmal dramatisch zugenommen: "Noch immer wird jedwede Kommunikation, die das Internet durchquert, aufgezeichnet und gespeichert." Snowden warnte die Zuschauer in Messehalle 8 und im Livestream vor der Nutzung von Spracherkennungs-Techniken wie Amazons Alexa oder Apples Siri: "Das ergibt ein Daten-Desaster, weil wir es nicht absichern können." Wem Daten wichtig seien, sollte diese nicht bei einem amerikanischen Cloud-Anbieter speichern, und besser auch nicht bei einem deutschen.

Geheimdienste im "Goldenen Zeitalter der Überwachung"

Zwar nutze die Mehrheit der Websiten und Browser inzwischen das Verschlüsselungsprotokoll HTTPS. Aber das gewähre keine echte Sicherheit. Websites, die ohne funktionierende Verschlüsselung genutzt werden, sind laut Snowden "wie ein Restaurant, das nicht von der Gesundheitsbehörde kontrolliert wurde". Die US-Dienste agierten juristisch zwar sauber, aber weit entfernt von europäischen Datenschutzvorstellungen: "Wenn Du Deutscher oder Franzose bist und die US-Regierung Dein Facebook- oder Google-Mail-Konto sehen will, können sie das ohne Gerichtsbeschluss tun." Die amerikanischen Geheimdienste sprächen selbst vom "Goldenen Zeitalter der Überwachung".

"Selbst wenn es meine letzte Nacht wäre, wäre es okay"

Snowden reagierte auf zuvor eingesandte Fragen und sprach auch ausführlich über seine persönliche Situation. Er habe einen dauerhaften Aufenthaltstitel in Russland, sehe seine Lage als prominenter Whistleblower aber realistisch: Es könne durchaus sein, dass er von der russischen Regierung eines Tages an die amerikanische Regierung ausgeliefert werde. Er habe gewusst, dass er nach seinen Enthüllungen keine absolute Sicherheit mehr erwarten könne: "Ich habe das nicht auf mich genommen, um mich in Sicherheit zu bringen. Dann hätte ich auch weiter für die NSA auf Hawaii Daten sammeln können. Aber es gibt wichtigere Dinge im Leben. Es reicht nicht, an etwas zu glauben. Man muss auch das Richtige tun. Dann kannst Du schlafen gehen und wissen: Selbst wenn es meine letzte Nacht wäre, wäre es okay." Seine Freundin sei bei ihm in Russland, und sie hofften, gemeinsam eines Tages zurückzukehren: "Schließlich sind die USA unsere Heimat."

 

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Hallo Niedersachsen | 21.03.2017 | 19:30 Uhr

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