Stand: 14.03.2017 16:50 Uhr

CeBIT 2017: Die digitale Autonomie erfahren

von Alexander Nortrup
Im Schweizer Kanton Wallis sind sie bereits täglich im Einsatz - und eine Attraktion dazu: die autonom fahrenden Busse der Schweizer Post. Auf der CeBIT befördern sie Messegäste (Archivbild).

Fahrzeuge, die selbst bremsen, Gas geben und die Spur wechseln: Die Marketing-Abteilungen vieler Autohersteller preisen das "Autonome Fahren" als ganz großen Schritt in die Zukunft. Und Niedersachsen ist mittendrin: Zwischen Braunschweig, Hannover und Salzgitter soll bis 2018 eine Teststrecke entstehen. Präsentiert wurde sie als "weltweit einmalig", tatsächlich gibt es allein in Bayern und Baden-Württemberg seit Monaten vergleichbare Projekte. Auch auf der CeBIT 2017 ist das Thema, das gleichermaßen Software und Hardware, mobile Daten und Künstliche Intelligenz (KI) betrifft, einer der Schwerpunkte. Kein Wunder: Die einstige Computermesse will ein Treffpunkt der digitalen Welt sein - da ist das Auto der Zukunft ein wichtiger Baustein.

Auf der Autobahn am Steuer schlafen?

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Würden Sie einem selbstfahrenden Auto das Steuer überlassen?

Von Bussen über Taxis bis hin zu privaten Autos sollen bald zahlreiche Verkehrsteilnehmer von Sensoren, Kameras und Software an ihr Ziel gebracht werden. Laut einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft KPMG sollen schon in 15 Jahren 25 Prozent der Neufahrzeuge komplett eigenständig auf den Straßen fahren können. Fahrer aus Fleisch und Blut sollen dann insbesondere auf Autobahnen am Steuer essen, arbeiten oder gar schlafen können. Die Bundesregierung hat im Januar in einem Gesetzentwurf formuliert, dass die Systeme so gestaltet sein müssen, dass der Fahrer "ihre Funktion jederzeit überstimmen oder abschalten kann".

Schweizer Post kutschiert Messegäste

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Bus "Olli" ist eher überschaubar und bietet Platz für zwölf Reisende (Archivbild).

Konkret erlebbar wird die neue Technik für viele Messebesucher gleich auf ihrem Weg auf das Gelände: Zwei Shuttle-Busse der Schweizer Post verkehren auf der kurzen Strecke zwischen Eingang West 1 und Halle 12. Ein Mitarbeiter der Herstellerfirma wird sich nach Messeangaben permanent an Bord befinden und könne "jederzeit die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen". Zudem gebe es "zwei Nothalteknöpfe". Dass diese Sicherheitsaspekte für einen Bus, der gerade einmal 20 km/h schnell fährt, derart erwähnenswert scheinen, zeigt das große Dilemma der Technik: Sie bereitet nicht nur notorischen Fortschritts-Skeptikern schlicht Unbehagen.

Aus dem Auto heraus einkaufen

Zu der namhaften Riege der Aussteller gehört Tesla, der wohl prominenteste Name in der noch jungen Technik. Die Firma aus dem Silicon Valley musste bereits schmerzhafte Erfahrungen mit einem tödlichen Unfall machen. Auch Volkswagen zeigt seine Konzepte zum autonom fahrenden Vehikel. Und selbst der Mobilfunkanbieter Vodafone wirbt auf seinem Stand für die Autonomie des Autos - und will in einer Virtual-Reality-Umgebung zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, die durch die Autonomisierung gewonnenen Freiheiten zu nutzen. So könne bei Netflix, Amazon & Co. einen Film anschauen, an "wichtigen Konferenzen überall auf der Welt" teilnehmen, aus dem Auto heraus einkaufen. Für ganz Wagemutige bietet der Simulator noch ein sagenhaftes Abenteuer: "Zur Entspannung eine offene Fahrt durch den Wald genießen". Ohne Hand am Steuer, mit Duftsimulation, allerdings in der sauerstoffarmen Messehalle leider auch ohne den Erholungsfaktor von Waldluft.

Mit "Olli" fahren - aber zur Sicherheit nicht reden

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Auf dem Messegelände fährt "Olli" allerdings nicht draußen - der Bus steht nur am IBM-Stand (Archivbild).

Kaum jemand fährt gern ohne menschliche Steuerung? Auch IBM hält dagegen - und versucht es mit einer Charme-Offensive. Der IT-Konzern will auf seinem Stand "Olli" präsentieren - den "ersten autonom fahrenden Nahverkehrsbus". Mit mehr als 30 Sensoren soll das Gefährt, das einem Pixar-Trickfilm entsprungen zu sein scheint, seine Fahrgäste sicher durch den Verkehr navigieren. Bis zu zwölf Personen sollen bei "Olli" mitfahren - aber IBM zufolge ist der Bus mit dieser Aufgabe nicht ausgelastet: Reisende sollen sich mit "Olli" unterhalten und ihn nach Sehenswürdigkeiten oder Restauranttipps fragen können. Zum Einsatz kommt dabei die IBM-Watson-Software für Künstliche Intelligenz (KI). Wer allerdings dem Computer nicht zutraut, gleichzeitig zu lenken und zu denken, sollte ihn während der Fahrt lieber nichts fragen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.03.2017 | 06:00 Uhr

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