Stand: 26.04.2017 15:30 Uhr  | Archiv

Woher stammen die Facebook-Bilder der AfD?

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Wer seine Fotos mit freien Lizenzen zur Verfügung stellt, hat keinen Einfluss über die Zusammenhänge, in denen die Fotos erscheinen, sagt Olaf Klosinsky.

Zwei der kontaktierten Wikipedia-Fotografen meinen, sie müssten als Anhänger freier Lizenzen wie Creative Commons den Nachteil dieser Form der freien Wissensverbreitung in Kauf nehmen: dass ihre Fotos möglicherweise auch in Zusammenhängen erscheinen würden, die ihnen persönlich nicht zusagten. Das ist auch Olaf Kosinsky aus Mainz bewusst, von dem die AfD ebenfalls Politiker-Fotos benutzt. Als Wikipedia-Aktivist hat Kosinsky gezielte Foto-Shootings im Bundestag, in Europa- und Länderparlamenten organisiert. Fotografiert haben dafür auch Schüler der Foto-AG des Gymnasiums Melle - unter anderem den damaligen SPD-Europapolitiker Martin Schulz.

"Missbrauch freien Wissens"

Das bei der Schüler-Aktion entstandene Schulz-Porträt hat die AfD gleich mehrfach verwendet. In einem Fall mit einer deutlichen Veränderung an der Mund-Nase-Partie, die AfD-Kritiker an ein klares antisemitisches Klischee erinnerte. Projektleiter Kosinsky ist empört: "Das Foto wurde manipuliert in einer Art und Weise, die meiner Ansicht nach gegen die Persönlichkeitsrechte verstößt." Weil am Bild nur die ursprüngliche Quelle genannt sei, werde suggeriert, dass die Schüler der Foto-AG für die Bearbeitung verantwortlich seien. "Das ist Missbrauch freien Wissens", sagt Kosinsky.

So zeigte die AfD Martin Schulz auf ihrer Facebook-Seite (Screenshot) © Bearbeitung: AfD Foto: Foto-AG Gymasium Melle (CC BY-SA 3.0) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de Martin Schulz im Porträt Foto: Foto-AG Gymasium Melle (CC BY-SA 3.0). https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

Die Montage ist nach ersten Medienanfragen kommentarlos von der Facebook-Seite der AfD verschwunden (bei Twitter steht das Bild weiterhin). Dafür äußert sich gegenüber ZAPP die Schule, wenn auch nur indirekt, über die zuständige Aufsichtsbehörde in Lüneburg: "Das Gymnasium Melle distanziert sich ausdrücklich vom Vorgehen der AfD und prüft, ob die AfD rechtswidrig gehandelt hat."

Auch Kosinsky hat seinen Anwalt eingeschaltet, ebenso ein weiterer betroffener Wikipedia-Fotograf aus Köln. Die AfD benutzte ein von ihm gemachtes Foto für eine Karikatur des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki. Spekking sieht dessen Persönlichkeitsrechte verletzt.

Auch dpa-Fotos ohne Vertrag verwendet

Ziemlich klar dürfte die Rechtslage auf jeden Fall bei einer anderen Bildquelle der AfD sein: Drei von der AfD verwendete Bilder im Untersuchungszeitraum stammen von der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Eines ist sogar entsprechend gekennzeichnet. Aber auf ZAPP-Anfrage erläutert dpa-Sprecher Chris Melzer: "Es gibt keine Verträge oder Ähnliches, die der AfD die Nutzung der Bilder erlauben. Unsere Rechtsabteilung prüft die Fälle und wird dann entsprechend reagieren."

Eines der dpa-Bilder ist von der AfD unscharf verfremdet worden - ein häufiger angewendetes Stilmittel bei den Facebook-Bildern der Partei. Diesen Look nutzt die AfD auch bei einer Bild-Tafel, in der sie sich auf Scharia-Hinrichtungen in Saudia-Arabien bezieht. Das bearbeitete Bild, das eine Steinigung darstellt, zeigt jedoch keine reale Hinrichtung, sondern eine Szene aus einem in Iran spielenden Film. Ob die AfD dafür die Rechte bei der Produktionsfirma erworben hat oder die Verfremdung dazu dient, die Herkunft zu verschleiern? ZAPP hat von der AfD leider keine Antwort auf Fragen zu ihren Bildquellen erhalten.

Die Recherche

ZAPP hat mehr als 160 Bilder in Augenschein genommen, die die AfD seit dem 1. Januar 2017 auf ihrer Facebook-Seite gepostet hat, und teilweise die ausfindig gemachten Urheber kontaktiert. Die AfD hat die ZAPP-Anfrage, woher sie allgemein ihre Bilder beziehe und woher einige Bilder speziell stammten, bisher nicht beantwortet. Eine genaue Zuordnung der Bilder zur Herkunft aus einzelnen Fotodatenbanken ist für Außenstehende schwierig, weil die Bilder meist in mehreren Fotodatenbanken eingestellt sind.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 26.04.2017 | 23:20 Uhr

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