Stand: 11.08.2015 19:20 Uhr  | Archiv

YouTube bringt Nachrichten zu neuer Zielgruppe

von Charlotte Horn, NDR Info

Spätestens durch sein Sommer-Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist der YouTuber LeFloid deutschlandweit bekannt geworden. Bei der Online-Videoplattform folgen ihm 2,6 Millionen Nutzer. Nach dem Interview aber stellten viele Journalisten infrage, inwieweit LeFloid journalistisch arbeitet - so wie das zum Beispiel der YouTuber Rayk Anders tut. Er ist mit einem nachrichtlichen Format auf der Plattform unterwegs. NDR Info stellt ihn im Rahmen einer Serie über "Neue Wege im Journalismus" vor.

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Rayk Anders startete seinen YouTube-Kanal vor zwei Jahren. Mittlerweile hat er knapp 37.000 Abonnenten.

"Armes Deutschland" heißt der YouTube-Kanal von Rayk Anders. Aus dem Wohnzimmer seiner Berliner Wohnung heraus bespricht der 28-Jährige einmal die Woche in zehnminütigen Videos aktuelle Nachrichten. Zum Beispiel thematisiert er das Thema Fremdenfeindlichkeit. Das Vorurteil, Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien seien "Assis", die "direkt alle nachholen", wenn sie erst einmal in Deutschland seien, widerlegt Anders in einem Video mit Fakten: "Kleine Bonus-Info zum Familiennachwuchs für Syrer: Wenn du als in Deutschland lebender Syrer deine Familie nachholen willst, musst du vorher genau nachweisen können, dass du für jeden einzelnen den kompletten Lebensunterhalt finanzieren kannst, inklusive Krankenversicherung, inklusive allem."

Anders' YoutTube-Kanal hat knapp 37.000 Abonnenten. In einem seiner ersten Videos nahm er vor zwei Jahren den Wahlwerbespot von Kanzlerin Merkel kritisch unter die Lupe. Das Video wurde mehr als 300.000 Mal angeklickt.

Themen aus dem Alltag werden aufgegriffen

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Der 28 Jahre alte YouTuber Rayk Anders will Interesse an Nachrichten wecken und Medienkompetenz vermitteln.

Der ehemalige Journalismus-Student will mit den Videos vor allem ein Interesse für Nachrichten wecken, aber auch Medienkompetenz vermitteln. Die Themen wählt er alle selbst aus. Dass viele Menschen seine Videos im Netz anklicken, erklärt er sich damit, dass er Themen aus dem Alltag seiner Nutzer direkt anspricht. Die Mehrheit schätze das, sagt Anders. Er bekomme aber auch viele Hass-E-Mails. In seinen Videos sei er einerseits auf Lokalreporter-Ebene und im klassischen Journalismus unterwegs, wenn er sich etwa die Situation im Flüchtlingsheim um die Ecke anschaue. Von der reinen Machart seines Produkts arbeite er aber eher auf der YouTuber-Ebene: "Das ist also eine ganz lustige Verschmelzung von beiden Sachen", so Anders.

Reich wird Anders via YouTube nicht

Alleine von der vorgeschalteten Werbung bei seinen YouTube-Videos kann der 28-Jährige nicht leben. Und so arbeitet er auch noch für andere Online-Medien, gibt Workshops oder hält Vorträge an Schulen. "Es ist ein gewisses Risiko, sich komplett alleine da hinzustellen. Damit du deine Kosten decken kannst, müsstest du Millionenaufrufe haben. Das ist ein sehr langer Weg, da hinzukommen", schätzt der YouTuber seine Situation auf dem Markt realistisch ein.

Wird YouTube eine ernstzunehmende Nachrichten-Plattform?

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Webvideo-Experte Bertram Gugel sieht einen Bedarf für "journalistische Gegengewichte" bei YouTube.

Für den Medienwissenschaftler und Webvideo-Experten Bertram Gugel arbeiten YouTuber wie Anders oder LeFloid Nachrichten für eine neue Zielgruppe auf. Auf der Plattform überwiegen allerdings noch unzählige Videos mit Mode- oder Technik-Tipps. Videos mit journalistischen, mit nachrichtlichen Inhalten gibt es bisher vergleichsweise wenige. Gugel sieht vor allem die fehlende finanzielle Basis als Grund dafür. Außerdem sei es nicht die richtige Plattform für schnelle Nachrichten: "Wenn ich ein einzelner Journalist bin und ich mache News, dann muss ich innerhalb von einer sehr kurzen Zeit sehr viele Menschen erreichen. Dafür ist YouTube noch nicht gemacht."

Gugel glaubt trotzdem, dass sich YouTube - ähnlich wie Blogs - langfristig zu einer ernstzunehmenden Plattform neben klassischem Journalismus entwickeln wird. Gerade für YouTube-Kanäle wie die von der Bundesregierung brauche es ein journalistisches Gegengewicht: "Genauso wie sich im Fernsehen verschiedene Formate entwickelt haben, werden wir auch im Netz Formate haben, die sich in Zukunft entwickeln. Und die werden dann vielleicht auch mit ganz anderen Protagonisten dann Journalismus machen."

Serie: Zukunft des Journalismus

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 12.08.2015 | 06:50 Uhr

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