Stand: 13.02.2017 15:52 Uhr  | Archiv

Wikipedia: "Daily Mail" fliegt raus

von André Kroll, NDR.de, Kathrin Schmid, NDR Info
Unter einer Lupe ist der Schriftzug und das Logo des Online-Lexikons Wikipedia auf einem Computerbildschirm zu sehen. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner
Wikipedia wurde 2001 von Jimmy Wales als Online-Lexikon gegründet. Betreiber ist die Wikimedia Foundation in San Francisco. Die Finanzierung erfolgt über Spenden.

Wer sich im Internet über etwas informieren will, landet meist bei Wikipedia. Das Online-Lexikon gehört zu den am meisten besuchten Websites der Welt und bietet über 39 Millionen Begriffe zum Nachschlagen an (Stand: Juni 2016). Damit diese auch verlässlich sind, dürfen Artikel nur von freigeschalteten Autoren angelegt und bearbeitet werden, jede Änderung muss zudem von einem weiteren überprüft und genehmigt werden. Außerdem gibt es in den Beitragstexten viele Verweise auf die Ursprungsquellen - allerdings führen die in Zukunft nicht mehr zur "Daily Mail".

Wiki-Community beschloss Ausschluss

In der Wikipedia-Community gab es eine lange Diskussion, ob die britische Boulevard-Zeitung seriös genug arbeite, um als Quelle dienen zu können. Nun folgte die Entscheidung: Die Zeitung fliegt als Quelle raus, berichtete "The Guardian". In Zukunft sollen alle Verweise auf die "Daily Mail" entfernt und durch seriösere Quellen ersetzt werden. Ein ungewöhnlicher Vorgang, schließlich sind Links auf andere umstrittene Publikationen wie "Russia Today" und "Fox News" weiterhin erlaubt.

Entscheidung ruft auch Kritik hervor

Im Netz gab es deshalb nicht nur Lob, sondern auch Kritik an der Entscheidung. So argumentiert Dan Hodges, ein Kommentator der "Mail on Sunday", dass es den Wikipedia-Autoren und Lesern überlassen werden müsse, die Glaubwürdigkeit der "Daily Mail" zu bewerten. Diese dürfe nicht von oben mit einem Bann belegt werden. Dieses Argument konterte der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales mit dem Hinweis, dass dies keine angeordnete Entscheidung von Wikipedia war, sondern eine der Wikipedia-Community.

Die Entscheidung sei somit demokratisch gefallen. Zudem seien alle Autoren stets angewiesen, soweit wie möglich nur glaubwürdige Quellen zu nutzen - was nicht nur die "Daily Mail" betrifft.

"Daily Mail"-Ausschluss mit oder ohne Wirkung?

"Guardian"-Redakteur Mark Rice-Oxley kann die Maßnahme in einem Gastbeitrag bei "Spiegel Online" nachvollziehen und findet sie aufgrund der Berichterstattung, die er ausführlich belegt, für gerechtfertigt. Er bezeichnet den Schritt als ein "alarmierendes Misstrauensvotum für ein Blatt, das 1896 gegründet wurde. Keine andere der großen britischen Zeitungen wurde bisher derart getadelt." Allerdings glaubt er nicht an eine nachhaltige Wirkung. "Die 'Mail' bleibt Großbritanniens einflussreichste Zeitung. Ein Klassenbucheintrag von Wikipedia wird das nicht ändern."

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NDR Info | Netzwelt | 13.02.2017 | 15:38 Uhr

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